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NICEA2024HNOGeriatrie

Neonatale parenterale Ernaehrung: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Fruehgeborene < 31+0 SSW sollten routinemaessig eine parenterale Ernaehrung (PN) erhalten.
  • Der Start der PN muss so schnell wie moeglich, spaetestens jedoch innerhalb von 8 Stunden erfolgen.
  • Ein zentralvenoeser Katheter ist der Standard; periphere Zugaenge sind nur fuer kurzzeitige Ueberbrueckungen (< 5 Tage) empfohlen.
  • Standardisierte PN-Loesungen (Standardbeutel) sind gegenueber individualisierten Rezepturen zu bevorzugen.
  • Beutel und Infusionssysteme muessen zwingend vor Licht geschuetzt werden.
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Hintergrund

Die parenterale Ernaehrung (PN) ist ein essenzieller Bestandteil der neonatalen Intensivmedizin, insbesondere fuer Fruehgeborene und kritisch kranke Reifgeborene. Die NICE-Leitlinie liefert evidenzbasierte Empfehlungen zur sicheren und effektiven Anwendung, um Mangelernaehrung und Langzeitkomplikationen zu vermeiden.

Indikation und Zeitpunkt

Die Entscheidung zum Start einer PN haengt massgeblich vom Gestationsalter und der klinischen Situation ab:

  • Fruehgeborene < 31+0 SSW: Genereller Start der PN nach der Geburt.
  • Fruehgeborene ≥ 31+0 SSW: Start, wenn in den ersten 72 Stunden kein ausreichender enteraler Nahrungsaufbau moeglich ist.
  • Termingeborene/Fruehgeborene: Start bei unwahrscheinlichem enteralem Aufbau (z. B. kongenitale Darmerkrankungen, Sepsis).
  • Zeitfenster: Die PN sollte so schnell wie moeglich, spaetestens innerhalb von 8 Stunden nach Indikationsstellung begonnen werden.

Zugangswege und Administration

Der zentralvenoese Katheter (ZVK) ist die bevorzugte Methode zur Verabreichung.

Ein peripherer Zugang sollte nur in Ausnahmefaellen genutzt werden:

  • Zur Vermeidung von Verzoegerungen beim Therapiestart
  • Fuer eine geplante Kurzzeittherapie (< 5 Tage)
  • Zur Vermeidung von Unterbrechungen der PN
  • Wenn ein ZVK unpraktikabel ist

Wichtig: Beutel, Spritzen und Infusionssysteme muessen sowohl bei waessrigen als auch bei lipidhaltigen Loesungen konsequent vor Licht geschuetzt werden.

Energie- und Makronaehrstoffbedarf

Standardisierte PN-Formulierungen ("Standardbeutel") sind routinemaessig zu verwenden. Individualisierte Loesungen sind nur bei komplexen Stoerungen (z. B. Nierenversagen, schwere Elektrolytimbalancen) indiziert.

KomponenteStartdosis (Tag 1-4)Erhaltungsdosis (nach Steigerung)
Energie (gesamt)40-60 kcal/kg/d75-120 kcal/kg/d
Glukose6-9 g/kg/d9-16 g/kg/d
Aminosaeuren (Fruehgeborene)1,5-2 g/kg/d3-4 g/kg/d
Aminosaeuren (Reifgeborene)1-2 g/kg/d2,5-3 g/kg/d
Lipide1-2 g/kg/d3-4 g/kg/d

Hinweis: Bei Start der PN nach dem 4. Lebenstag kann direkt mit der Erhaltungsdosis begonnen werden. Bei kritisch kranken Reifgeborenen sollte die Energie am unteren Ende der Startdosis begonnen werden.

Mikronaehrstoffe und Elektrolyte

Vitamine (fett- und wasserloeslich) sollten taeglich idealerweise in die Lipidemulsion gemischt werden, um die Stabilitaet zu erhoehen.

MineralstoffStart ≤ 48h nach GeburtErhaltung (> 48h)
Calcium0,8-1 mmol/kg/d1,5-2 mmol/kg/d
Phosphat1 mmol/kg/d2 mmol/kg/d

Das Calcium-Phosphat-Verhaeltnis sollte zwischen 0,75:1 und 1:1 liegen.

Eisen: Bei Neugeborenen unter 28 Tagen darf kein intravenoeser Eisenzusatz erfolgen. Ab 28 Tagen sollte bei Fruehgeborenen der Eisenstatus ueberwacht und bei Bedarf behandelt werden.

Monitoring

Um Komplikationen fruehzeitig zu erkennen, ist ein engmaschiges Monitoring erforderlich. Blutentnahmen sollten gebuendelt werden, um das Blutvolumen minimal zu halten.

ParameterStart- / SteigerungsphaseErhaltungsphase
Blutzucker1-2h nach Start & jedem BeutelwechselNach klinischem Ermessen
pH, K, Cl, CaTaeglich2x woechentlich
TriglycerideTaeglichWoechentlich
PhosphatTaeglichWoechentlich
LeberwerteWoechentlichWoechentlich

Beendigung der parenteralen Ernaehrung

Die PN sollte schrittweise reduziert werden, waehrend die enterale Zufuhr steigt. Ein vollstaendiger Stopp (innerhalb von 24h) kann erwogen werden bei:

  • < 28+0 SSW: Enterale Toleranz von 140-150 ml/kg/d
  • ≥ 28+0 SSW & Reifgeborene: Enterale Toleranz von 120-140 ml/kg/d

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie standardisierte PN-Beutel anstelle von individualisierten Rezepturen, um Verschreibungsfehler zu minimieren. Schuetzen Sie zudem alle Beutel und Infusionssysteme (sowohl waessrige als auch lipidhaltige) konsequent vor Licht.

Häufig gestellte Fragen

Bei Fruehgeborenen < 31+0 SSW sofort nach der Geburt. Bei aelteren Fruehgeborenen, wenn in den ersten 72 Stunden kein ausreichender enteraler Nahrungsaufbau moeglich ist. Der Start muss spaetestens innerhalb von 8 Stunden erfolgen.
Ja, aber nur als kurzzeitige Ueberbrueckung (< 5 Tage) oder um eine Verzoegerung des Therapiestarts zu vermeiden. Der zentralvenoese Katheter bleibt der absolute Standard.
Zwingend 1 bis 2 Stunden nach dem initialen Start sowie 1 bis 2 Stunden nach jedem Wechsel des PN-Beutels.
Nein. Bei Neugeborenen unter 28 Tagen darf kein intravenoeses Eisen supplementiert werden. Erst ab 28 Tagen sollte bei Fruehgeborenen der Eisenstatus ueberwacht werden.

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