Neonatale parenterale Ernaehrung: Leitlinie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Fruehgeborene < 31+0 SSW sollten routinemaessig eine parenterale Ernaehrung (PN) erhalten.
- •Der Start der PN muss so schnell wie moeglich, spaetestens jedoch innerhalb von 8 Stunden erfolgen.
- •Ein zentralvenoeser Katheter ist der Standard; periphere Zugaenge sind nur fuer kurzzeitige Ueberbrueckungen (< 5 Tage) empfohlen.
- •Standardisierte PN-Loesungen (Standardbeutel) sind gegenueber individualisierten Rezepturen zu bevorzugen.
- •Beutel und Infusionssysteme muessen zwingend vor Licht geschuetzt werden.
Hintergrund
Die parenterale Ernaehrung (PN) ist ein essenzieller Bestandteil der neonatalen Intensivmedizin, insbesondere fuer Fruehgeborene und kritisch kranke Reifgeborene. Die NICE-Leitlinie liefert evidenzbasierte Empfehlungen zur sicheren und effektiven Anwendung, um Mangelernaehrung und Langzeitkomplikationen zu vermeiden.
Indikation und Zeitpunkt
Die Entscheidung zum Start einer PN haengt massgeblich vom Gestationsalter und der klinischen Situation ab:
- Fruehgeborene < 31+0 SSW: Genereller Start der PN nach der Geburt.
- Fruehgeborene ≥ 31+0 SSW: Start, wenn in den ersten 72 Stunden kein ausreichender enteraler Nahrungsaufbau moeglich ist.
- Termingeborene/Fruehgeborene: Start bei unwahrscheinlichem enteralem Aufbau (z. B. kongenitale Darmerkrankungen, Sepsis).
- Zeitfenster: Die PN sollte so schnell wie moeglich, spaetestens innerhalb von 8 Stunden nach Indikationsstellung begonnen werden.
Zugangswege und Administration
Der zentralvenoese Katheter (ZVK) ist die bevorzugte Methode zur Verabreichung.
Ein peripherer Zugang sollte nur in Ausnahmefaellen genutzt werden:
- Zur Vermeidung von Verzoegerungen beim Therapiestart
- Fuer eine geplante Kurzzeittherapie (< 5 Tage)
- Zur Vermeidung von Unterbrechungen der PN
- Wenn ein ZVK unpraktikabel ist
Wichtig: Beutel, Spritzen und Infusionssysteme muessen sowohl bei waessrigen als auch bei lipidhaltigen Loesungen konsequent vor Licht geschuetzt werden.
Energie- und Makronaehrstoffbedarf
Standardisierte PN-Formulierungen ("Standardbeutel") sind routinemaessig zu verwenden. Individualisierte Loesungen sind nur bei komplexen Stoerungen (z. B. Nierenversagen, schwere Elektrolytimbalancen) indiziert.
| Komponente | Startdosis (Tag 1-4) | Erhaltungsdosis (nach Steigerung) |
|---|---|---|
| Energie (gesamt) | 40-60 kcal/kg/d | 75-120 kcal/kg/d |
| Glukose | 6-9 g/kg/d | 9-16 g/kg/d |
| Aminosaeuren (Fruehgeborene) | 1,5-2 g/kg/d | 3-4 g/kg/d |
| Aminosaeuren (Reifgeborene) | 1-2 g/kg/d | 2,5-3 g/kg/d |
| Lipide | 1-2 g/kg/d | 3-4 g/kg/d |
Hinweis: Bei Start der PN nach dem 4. Lebenstag kann direkt mit der Erhaltungsdosis begonnen werden. Bei kritisch kranken Reifgeborenen sollte die Energie am unteren Ende der Startdosis begonnen werden.
Mikronaehrstoffe und Elektrolyte
Vitamine (fett- und wasserloeslich) sollten taeglich idealerweise in die Lipidemulsion gemischt werden, um die Stabilitaet zu erhoehen.
| Mineralstoff | Start ≤ 48h nach Geburt | Erhaltung (> 48h) |
|---|---|---|
| Calcium | 0,8-1 mmol/kg/d | 1,5-2 mmol/kg/d |
| Phosphat | 1 mmol/kg/d | 2 mmol/kg/d |
Das Calcium-Phosphat-Verhaeltnis sollte zwischen 0,75:1 und 1:1 liegen.
Eisen: Bei Neugeborenen unter 28 Tagen darf kein intravenoeser Eisenzusatz erfolgen. Ab 28 Tagen sollte bei Fruehgeborenen der Eisenstatus ueberwacht und bei Bedarf behandelt werden.
Monitoring
Um Komplikationen fruehzeitig zu erkennen, ist ein engmaschiges Monitoring erforderlich. Blutentnahmen sollten gebuendelt werden, um das Blutvolumen minimal zu halten.
| Parameter | Start- / Steigerungsphase | Erhaltungsphase |
|---|---|---|
| Blutzucker | 1-2h nach Start & jedem Beutelwechsel | Nach klinischem Ermessen |
| pH, K, Cl, Ca | Taeglich | 2x woechentlich |
| Triglyceride | Taeglich | Woechentlich |
| Phosphat | Taeglich | Woechentlich |
| Leberwerte | Woechentlich | Woechentlich |
Beendigung der parenteralen Ernaehrung
Die PN sollte schrittweise reduziert werden, waehrend die enterale Zufuhr steigt. Ein vollstaendiger Stopp (innerhalb von 24h) kann erwogen werden bei:
- < 28+0 SSW: Enterale Toleranz von 140-150 ml/kg/d
- ≥ 28+0 SSW & Reifgeborene: Enterale Toleranz von 120-140 ml/kg/d
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie standardisierte PN-Beutel anstelle von individualisierten Rezepturen, um Verschreibungsfehler zu minimieren. Schuetzen Sie zudem alle Beutel und Infusionssysteme (sowohl waessrige als auch lipidhaltige) konsequent vor Licht.