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IV-Flüssigkeitstherapie bei Erwachsenen: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Verordnung von IV-Flüssigkeiten basiert auf den 5 Rs: Resuscitation, Routine maintenance, Replacement, Redistribution und Reassessment.
  • Zur akuten Volumensubstitution werden kristalloide Lösungen (Na 130-154 mmol/l) als 500-ml-Bolus über weniger als 15 Minuten empfohlen.
  • Der routinemäßige Erhaltungsbedarf liegt bei 25-30 ml/kg/Tag Wasser sowie ca. 1 mmol/kg/Tag Natrium, Kalium und Chlorid.
  • Tetrastärke darf zur Volumensubstitution nicht verwendet werden; Humanalbumin ist nur bei schwerer Sepsis zu erwägen.
  • Patienten mit laufender IV-Therapie benötigen mindestens tägliche Kontrollen von Volumenstatus, Flüssigkeitsbilanz und Elektrolyten.
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Hintergrund

Die intravenöse (IV) Flüssigkeitstherapie ist eine der häufigsten Interventionen im Krankenhaus. Diese Leitlinie richtet sich an erwachsene Patienten (ab 16 Jahren). Ausgeschlossen sind Schwangere sowie Patienten mit schweren Leber- oder Nierenerkrankungen, Diabetes, Verbrennungen oder Schädel-Hirn-Trauma.

Jede Verordnung von IV-Flüssigkeiten sollte auf den 5 Rs basieren:

  • Resuscitation (Volumensubstitution)
  • Routine maintenance (Routinemäßiger Erhaltungsbedarf)
  • Replacement (Ersatz von Defiziten)
  • Redistribution (Umverteilung)
  • Reassessment (Neubeurteilung)

Initiale Beurteilung

Vor der Gabe von IV-Flüssigkeiten muss der Volumenstatus klinisch und laborchemisch evaluiert werden. Folgende Kriterien deuten auf eine Hypovolämie und einen akuten Bedarf an Volumensubstitution hin:

ParameterKritischer Wert für Hypovolämie
Systolischer Blutdruck< 100 mmHg
Herzfrequenz> 90 Schläge/Minute
Rekapillarisierungszeit> 2 Sekunden (oder kalte Peripherie)
Atemfrequenz> 20 Atemzüge/Minute
NEWS (National Early Warning Score)≥ 5
Passive Leg RaisingHämodynamische Besserung nach Beinanhebung

Volumensubstitution (Resuscitation)

Wenn Patienten eine akute Volumensubstitution benötigen, gelten folgende Empfehlungen:

Maßnahme / LösungEmpfehlung / Dosierung
Kristalloide LösungenMittel der Wahl. Natriumgehalt 130–154 mmol/l. Bolus von 500 ml über < 15 Minuten.
Tetrastärke (HES)Kontraindiziert. Darf nicht zur Volumensubstitution verwendet werden.
Humanalbumin (4–5 %)Nur bei Patienten mit schwerer Sepsis erwägen.

Nach jedem Bolus muss der Patient nach dem ABCDE-Schema neu beurteilt werden.

Routinemäßiger Erhaltungsbedarf

Wenn Patienten IV-Flüssigkeiten ausschließlich zur Erhaltung benötigen, sollte die initiale Verordnung wie folgt limitiert werden:

  • Wasser: 25–30 ml/kg Körpergewicht/Tag
  • Elektrolyte: ca. 1 mmol/kg/Tag Kalium, Natrium und Chlorid
  • Glukose: 50–100 g/Tag (zur Vermeidung einer Hunger-Ketose; deckt nicht den Ernährungsbedarf)

Besondere Patientengruppen:

  • Adipositas (BMI > 40): Anpassung an das ideale Körpergewicht. Selten sind mehr als 3 Liter pro Tag erforderlich.
  • Ältere, gebrechliche Patienten oder bei Nieren-/Herzinsuffizienz: Reduzierte Menge von 20–25 ml/kg/Tag erwägen.

Monitoring und Reassessment

Patienten mit laufender IV-Flüssigkeitstherapie benötigen ein regelmäßiges Monitoring, um Komplikationen wie Überwässerung oder Elektrolytentgleisungen zu vermeiden.

  • Täglich: Klinischer Volumenstatus, Flüssigkeitsbilanzierung, Harnstoff, Kreatinin und Elektrolyte.
  • Zweimal wöchentlich: Körpergewicht.
  • Bei chloridreichen Lösungen (> 120 mmol/l, z. B. NaCl 0,9 %): Tägliche Kontrolle des Serumchlorids zur Vermeidung einer hyperchlorämischen Azidose.

Komplikationen (Critical Incidents)

Fehler in der Flüssigkeitstherapie können zu erheblicher Morbidität führen. Folgende Ereignisse sollten als kritische Zwischenfälle (Critical Incidents) gemeldet werden:

KomplikationDiagnostische Kriterien
LungenödemAtemnot während/nach Infusion, klinische oder radiologische Zeichen ohne andere Ursache
HyponatriämieSerum-Natrium < 130 mmol/l ohne andere plausible Ursache
HypernatriämieSerum-Natrium ≥ 155 mmol/l (oft assoziiert mit NaCl 0,9 % Gabe)
HypokaliämieSerum-Kalium < 3,0 mmol/l durch unzureichende Substitution
HyperkaliämieSerum-Kalium > 5,5 mmol/l ohne andere offensichtliche Ursache

💡Praxis-Tipp

Fügen Sie Kalium niemals manuell zu Infusionsbeuteln hinzu, da dies lebensgefährlich sein kann. Runden Sie den gewichtsadaptierten Kaliumbedarf immer auf die nächstverfügbare Standardlösung auf.

Häufig gestellte Fragen

Kristalloide Lösungen mit einem Natriumgehalt von 130-154 mmol/l als 500-ml-Bolus über weniger als 15 Minuten.
25-30 ml/kg Wasser, ca. 1 mmol/kg Natrium, Kalium und Chlorid sowie 50-100 g Glukose zur Vermeidung einer Hunger-Ketose.
Bei älteren oder gebrechlichen Patienten, Nieren- oder Herzinsuffizienz sowie bei Mangelernährung (Refeeding-Risiko) sollten 20-25 ml/kg/Tag erwogen werden.
Nein, die Leitlinie rät ausdrücklich vom Einsatz von Tetrastärke zur Volumensubstitution ab.

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