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Meningitis & Meningokokken: NICE-Leitlinie 2025

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei Verdacht auf bakterielle Meningitis oder Meningokokken-Erkrankung muss eine sofortige Notfallverlegung ins Krankenhaus erfolgen.
  • Im Krankenhaus muss die intravenoese Antibiotikatherapie innerhalb von 1 Stunde nach Ankunft gestartet werden.
  • Blutkulturen und Lumbalpunktion sollen vor der ersten Antibiotikagabe erfolgen, duerfen diese aber nicht signifikant verzoegern.
  • Dexamethason ist bei bakterieller Meningitis (ab 3 Monaten) indiziert und sollte idealerweise vor oder mit der ersten Antibiotikadosis gegeben werden.
  • Eine routinemaessige Fluessigkeitsrestriktion oder der Einsatz von osmotischen Substanzen wie Glycerol wird nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die aktuelle NICE-Leitlinie (2025) behandelt die Erkennung, Diagnostik und Therapie der bakteriellen Meningitis und der Meningokokken-Erkrankung (Sepsis mit oder ohne Meningitis). Sie gilt fuer Babys (ab 29 Tagen), Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ausgeschlossen sind Patienten mit bekannten Immundefekten, Shunts oder viralen/fungalen Ursachen.

Klinische Praesentation und Red Flags

Die Erkrankungen koennen sich sehr schnell entwickeln und anfangs unspezifische Symptome zeigen. Ein Fehlen von typischen Symptomen schliesst die Diagnose nicht aus.

ErkrankungRed Flag Symptome (Kombination oder einzeln)
Bakterielle MeningitisFieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, veraendertes Bewusstsein/Kognition (inkl. Verwirrtheit/Delir)
Meningokokken-ErkrankungHaemorrhagischer, nicht-wegdrueckbarer Ausschlag >2 mm (Purpura), schnell fortschreitender petechialer Ausschlag, Meningitis-Symptome kombiniert mit nicht-wegdrueckbarem Ausschlag

Praeklinisches Management

  • Sofortige Notfallverlegung ins Krankenhaus.
  • Bei klinisch relevanter Verzoegerung der Verlegung: Ceftriaxon oder Benzylpenicillin (i.v. oder i.m.) bereits praeklinisch verabreichen (ausser bei schwerer Penicillin-/Cephalosporin-Allergie).
  • Die Antibiotikagabe darf den Transport jedoch nicht verzoegern.

Diagnostik im Krankenhaus

Ein erfahrener klinischer Entscheider muss die initiale Beurteilung uebernehmen. Antibiotika muessen innerhalb von 1 Stunde nach Ankunft gegeben werden.

Blutuntersuchungen

Vor der Antibiose abzunehmen: Blutkultur, Leukozyten, CRP (oder Procalcitonin), Glukose, diagnostische Vollblut-PCR (Meningokokken/Pneumokokken) und ein HIV-Test.

Lumbalpunktion (LP) und Bildgebung

Eine routinemaessige Bildgebung (CCT) vor der LP wird nicht empfohlen. Die LP sollte vor der Antibiose erfolgen, sofern sie sicher ist und die Therapie nicht verzoegert.

KategorieKontraindikationen fuer eine sofortige Lumbalpunktion
Erhoehter HirndruckGCS <= 9, progressive Bewusstseinsminderung, abnormale Pupillenreaktion, neue fokale Neurologie (inkl. Kraempfe)
Haut / GerinnungAusgedehnte/schnell ausbreitende Purpura, Infektion an der Einstichstelle, Blutungsrisiko
InstabilitaetUngesicherter Atemweg, respiratorische Insuffizienz, Schock

Hinweis: Bei Kontraindikationen muss zuerst stabilisiert, Blut abgenommen, Antibiose gegeben und ggf. eine Bildgebung durchgefuehrt werden.

Antibiotische Therapie

Die Dosierung richtet sich nach den hoechsten empfohlenen Dosen (z.B. gemaess BNF/lokalen Leitlinien). Bei Verdacht ohne Erregernachweis wird Ceftriaxon (alternativ Cefotaxim) empfohlen. Bei Risikofaktoren fuer Listeria monocytogenes wird zusaetzlich intravenoeses Amoxicillin gegeben.

Erregerspezifische Therapie

ErregerTherapie der WahlBehandlungsdauer
Neisseria meningitidisCeftriaxon5 Tage
Haemophilus influenzae Typ bCeftriaxon7-10 Tage
Streptococcus pneumoniaeCeftriaxon10 Tage
Gruppe B StreptokokkenCeftriaxon14 Tage
Enterobacterales (Coliforme)Ceftriaxon (oder Meropenem)21 Tage
Listeria monocytogenesAmoxicillin/Ampicillin (+ Co-trimoxazol fuer die ersten 7 Tage)21 Tage

Adjuvante Therapie und Management

  • Corticosteroide: Bei starkem Verdacht oder bestaetigter bakterieller Meningitis (Alter >3 Monate) intravenoeses Dexamethason geben. Idealerweise vor oder mit der ersten Antibiotikadosis. Bei Nachweis von Pneumokokken oder H. influenzae fortfuehren, bei anderen Erregern absetzen. Bei reiner Meningokokken-Erkrankung keine routinemaessigen Corticosteroide.
  • Fluessigkeitsmanagement: Keine routinemaessige Fluessigkeitsrestriktion unter den Erhaltungsbedarf.
  • Osmotische Substanzen: Glycerol ist kontraindiziert. Andere osmotische Substanzen nur als temporaere Massnahme bei drohender Hirnherniation nach Ruecksprache mit der Intensivmedizin.
  • ICP-Monitoring: Kein routinemaessiges invasives intrakranielles Druckmonitoring.

Nachsorge und Komplikationen

Patienten benoetigen eine strukturierte Nachsorge. Eine audiologische Untersuchung sollte innerhalb von 4 Wochen nach Genesung (bevorzugt noch vor Entlassung) erfolgen. Bei schwerer Taubheit ist eine dringende Vorstellung zur Cochlea-Implantat-Evaluation indiziert. Ein Follow-up durch Paediater oder Krankenhausarzt sollte 4 bis 6 Wochen nach Entlassung stattfinden.

💡Praxis-Tipp

Geben Sie Dexamethason bei bakterieller Meningitis idealerweise vor oder zeitgleich mit der ersten Antibiotika-Dosis. Verzoegern Sie die lebensrettende Antibiotikagabe jedoch niemals, nur um auf das Dexamethason zu warten.

Häufig gestellte Fragen

Nur bei klinischen Zeichen eines erhoehten intrakraniellen Drucks (GCS <= 9, abnormale Pupillen, neue fokale neurologische Ausfaelle wie Kraempfe) oder bei Risikofaktoren fuer eine raumfordernde Laesion.
Die Leitlinie empfiehlt Ceftriaxon (oder Cefotaxim) in der hoechstmoeglichen Dosierung. Bei Risikofaktoren fuer Listerien muss zusaetzlich Amoxicillin intravenoes gegeben werden.
Nein, die routinemaessige Einschraenkung der Fluessigkeitszufuhr unter den normalen Erhaltungsbedarf wird von der NICE-Leitlinie explizit nicht empfohlen.
Die empfohlene Behandlungsdauer mit Ceftriaxon betraegt 5 Tage, sofern sich der Patient klinisch erholt hat.
Bei Verdacht auf bakterielle Meningitis bei Patienten ueber 3 Monaten. Es wird fortgefuehrt bei Pneumokokken und H. influenzae. Bei reiner Meningokokken-Sepsis ist es nicht routinemaessig indiziert.

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