Demenz Leitlinie: Diagnostik & Therapie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Die Basisdiagnostik umfasst Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor und validierte kognitive Kurztests (z.B. Mini-Cog, TYM).
- •AChE-Hemmer (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin) sind Therapie der Wahl bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz.
- •Memantin ist indiziert bei schwerer Alzheimer-Demenz oder bei Unverträglichkeit von AChE-Hemmern.
- •Antipsychotika dürfen nur bei Eigen-/Fremdgefährdung oder schwerer Belastung durch Agitation/Psychose eingesetzt werden.
- •Bei Verdacht auf Demenz mit Lewy-Körperchen sind Donepezil oder Rivastigmin indiziert.
Hintergrund
Demenz ist ein Überbegriff für eine Reihe von fortschreitenden kognitiven und verhaltensbezogenen Symptomen. Die häufigsten Formen sind die Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz, gemischte Demenz, Demenz mit Lewy-Körperchen und frontotemporale Demenz. Die Leitlinie betont eine personenzentrierte Pflege, die den individuellen Wert, die Perspektive und die Beziehungen der Betroffenen in den Mittelpunkt stellt.
Diagnostik
Die initiale Beurteilung umfasst eine Eigen- und Fremdanamnese, eine körperliche Untersuchung sowie Blut- und Urintests zum Ausschluss reversibler Ursachen. Zur kognitiven Testung sollen validierte Instrumente genutzt werden (z. B. 10-CS, 6CIT, MIS, Mini-Cog, TYM). Ein unauffälliges Testergebnis schließt eine Demenz nicht sicher aus.
| Demenz-Subtyp | Empfohlene Diagnostik | Bemerkung |
|---|---|---|
| Alzheimer-Demenz | FDG-PET oder Perfusion-SPECT | Alternativ: Liquoruntersuchung (Tau, Amyloid-Beta) |
| Lewy-Körperchen-Demenz | 123I-FP-CIT SPECT | Alternativ: 123I-MIBG Herzszintigraphie |
| Frontotemporale Demenz | FDG-PET oder Perfusion-SPECT | MRT/CT allein reicht nicht zum Ausschluss |
| Vaskuläre Demenz | MRT | Alternativ: CT (Diagnose nicht allein auf Läsionslast stützen) |
Medikamentöse Therapie
Alzheimer-Demenz
| Schweregrad | Therapie | Bemerkung |
|---|---|---|
| Leicht bis mittelschwer | AChE-Hemmer (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin) | Monotherapie |
| Mittelschwer | Memantin | Bei Unverträglichkeit/Kontraindikation gegen AChE-Hemmer |
| Schwer | Memantin | Auch in Kombination mit bereits angesetztem AChE-Hemmer |
Andere Demenzformen
- Lewy-Körperchen-Demenz: Donepezil oder Rivastigmin bei leichter bis mittelschwerer Form. Memantin, falls AChE-Hemmer nicht toleriert werden.
- Frontotemporale Demenz: Keine AChE-Hemmer oder Memantin anbieten.
- Vaskuläre Demenz: AChE-Hemmer/Memantin nur bei Verdacht auf komorbide Alzheimer- oder Lewy-Körperchen-Demenz.
Management nicht-kognitiver Symptome
Vor Beginn einer Therapie bei Distress oder Agitation müssen klinische Ursachen (z. B. Schmerzen, Delir) ausgeschlossen werden. Psychosoziale und umweltbezogene Interventionen haben Vorrang.
Einsatz von Antipsychotika:
- Nur bei Eigen-/Fremdgefährdung oder schwerem Leidensdruck durch Agitation, Halluzinationen oder Wahn.
- Niedrigste effektive Dosis für die kürzestmögliche Zeit.
- Reevaluation mindestens alle 6 Wochen.
- Vorsicht bei Lewy-Körperchen-Demenz (Gefahr schwerer Sensitivitätsreaktionen).
- Valproat soll nicht zur Behandlung von Agitation/Aggression eingesetzt werden.
Begleiterkrankungen und Pflege
- Schmerz: Strukturierte Beobachtungsinstrumente nutzen, besonders bei fehlender verbaler Äußerungsfähigkeit.
- Schlafstörungen: Multikomponenten-Ansatz (Schlafhygiene, Tageslicht, Bewegung). Melatonin bei Alzheimer-Demenz nicht anbieten.
- Medikamente: Anticholinerge Belastung minimieren, da diese die Kognition verschlechtert.
💡Praxis-Tipp
Überprüfen Sie regelmäßig die Medikation auf anticholinerge Nebenwirkungen, da diese die Kognition verschlechtern können. Setzen Sie Antipsychotika bei Demenz nur nach strenger Indikationsstellung und für die kürzestmögliche Zeit ein.