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Betreuung in der Sterbephase: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Erkennung der Sterbephase erfordert eine multiprofessionelle Beurteilung; unnötige Untersuchungen sind zu vermeiden.
  • Künstliche Hydratation kann bei belastenden Symptomen wie Durst oder Delir als Therapieversuch erwogen werden.
  • Medikamente sollten bevorzugt subkutan oder intravenös verabreicht werden, intramuskuläre Injektionen sind zu vermeiden.
  • Eine vorausschauende Verschreibung (Anticipatory Prescribing) sichert die rasche Behandlung von Schmerzen, Atemnot oder Agitation.
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Hintergrund

Die Betreuung von Erwachsenen in den letzten Lebenstagen (etwa 2 bis 3 Tage vor dem Tod) erfordert eine evidenzbasierte und patientenzentrierte Herangehensweise. Ziel ist es, die Würde und den Komfort der sterbenden Person zu erhalten, respektvoll zu kommunizieren und belastende Symptome effektiv zu lindern.

Erkennung der Sterbephase

Die Feststellung, dass ein Patient in die Sterbephase eintritt, erfordert eine umfassende klinische Einschätzung.

Klinische Zeichen und Symptome der Sterbephase:

  • Agitation
  • Cheyne-Stokes-Atmung
  • Verschlechterung des Bewusstseinszustandes
  • Marmorierte Haut
  • Rasselnde Atemgeräusche (noisy respiratory secretions)
  • Zunehmende Fatigue und Appetitverlust

Kernaussagen zur Diagnostik:

  • Vermeiden Sie Untersuchungen, die die Versorgung in den letzten Lebenstagen wahrscheinlich nicht beeinflussen (es sei denn, es besteht eine klare klinische Notwendigkeit).
  • Überwachen Sie den Patienten mindestens alle 24 Stunden auf Veränderungen und passen Sie den Pflegeplan an.
  • Beachten Sie, dass eine Besserung der Symptome auch auf eine vorübergehende Stabilisierung hindeuten kann.

Hydratation und Mundpflege

Die Aufrechterhaltung der Flüssigkeitszufuhr und die Linderung von Durstgefühl sind zentrale Aspekte der Pflege.

  • Bieten Sie häufige Mund- und Lippenpflege an.
  • Unterstützen Sie den Patienten beim Trinken, sofern er dies wünscht und sicher schlucken kann.

Künstliche Hydratation (klinisch assistiert):

MaßnahmeEmpfehlung / Bemerkung
IndikationTherapieversuch bei belastenden Symptomen (z. B. Durst, Delir), wenn orale Aufnahme unzureichend ist.
AufklärungKann Symptome lindern, aber auch Probleme (z. B. Überwässerung) verursachen. Es ist ungewiss, ob sie das Leben verlängert oder den Sterbeprozess beeinflusst.
MonitoringMindestens alle 12 Stunden auf Zeichen von Dehydratation oder Überwässerung prüfen.
AbbruchReduzieren oder stoppen bei Anzeichen von Schäden (z. B. Flüssigkeitsüberladung) oder auf Patientenwunsch.

Pharmakologische Symptomkontrolle

Setzen Sie alle Medikamente ab, die keinen symptomatischen Nutzen mehr bieten oder schaden könnten.

Applikationswege und Dosierung:

  • Vermeiden Sie intramuskuläre Injektionen. Nutzen Sie stattdessen den subkutanen oder intravenösen Weg.
  • Erwägen Sie eine Spritzenpumpe zur kontinuierlichen Symptomkontrolle, wenn innerhalb von 24 Stunden mehr als 2 bis 3 Bedarfsdosen verabreicht wurden.
  • Beginnen Sie bei opioidnaiven Patienten mit der niedrigsten wirksamen Dosis und titrieren Sie nach klinischem Bedarf.

Management spezifischer Symptome

SymptomTherapieoptionenWichtige Hinweise
SchmerzAnalgetika nach SchweregradReversible Ursachen (z. B. Harnverhalt) behandeln. Bei non-verbalen Patienten validierte Schmerz-Assessments nutzen.
AtemnotOpioide, Benzodiazepine (oder Kombination)Sauerstoff nur bei bekannter oder klinisch vermuteter symptomatischer Hypoxämie. Reversible Ursachen (z. B. Pleuraerguss) behandeln.
Übelkeit & ErbrechenUrsachenabhängige AntiemetikaBei Darmverschluss: Butylscopolamin (1. Wahl), bei fehlender Besserung nach 24h Octreotid.
Agitation & DelirBenzodiazepine (Angst/Agitation), Antipsychotika (Delir/Agitation)Reversible Ursachen (z. B. Harnverhalt, Nierenversagen) ausschließen.
RasselatmungAtropin, Glycopyrroniumbromid, Butylscopolamin oder ScopolaminAngehörige beruhigen (Geräusch ist meist für den Patienten nicht schmerzhaft). Wirkung und Nebenwirkungen alle 12 Stunden evaluieren.

Vorausschauende Verschreibung (Anticipatory Prescribing)

Um eine rasche Symptomkontrolle zu gewährleisten, sollten Medikamente für erwartbare Symptome (Schmerz, Atemnot, Übelkeit, Agitation, Rasselatmung) frühzeitig verordnet werden.

  • Spezifizieren Sie klare Indikationen und Dosierungen für jedes Bedarfsmedikament.
  • Berücksichtigen Sie das Risiko plötzlicher Verschlechterungen (z. B. katastrophale Blutungen oder Krampfanfälle).
  • Überprüfen Sie die Wirksamkeit und Nebenwirkungen verabreichter Bedarfsmedikamente mindestens täglich.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie in den letzten Lebenstagen auf intramuskuläre Injektionen. Erwägen Sie frühzeitig eine Spritzenpumpe, wenn mehr als 2-3 Bedarfsmedikationen innerhalb von 24 Stunden benötigt werden.

Häufig gestellte Fragen

Ein therapeutischer Versuch kann sinnvoll sein, wenn belastende Symptome wie Durst oder Delir auftreten und die orale Aufnahme unzureichend ist.
Ein Therapieversuch mit Atropin, Glycopyrroniumbromid, Butylscopolamin oder Scopolamin kann erwogen werden, wenn das Rasseln den Patienten belastet.
Als Erstlinientherapie wird Butylscopolamin empfohlen. Bei fehlender Besserung nach 24 Stunden kann Octreotid erwogen werden.
Sauerstoff sollte nicht routinemäßig, sondern nur bei bekannter oder klinisch vermuteter symptomatischer Hypoxämie verabreicht werden.

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