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Betreuung in den letzten Lebenstagen: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Leitlinie fokussiert sich auf die letzten 2 bis 3 Lebenstage und richtet sich primär an Nicht-Palliativmediziner.
  • Eine individuelle Pflegeplanung und gemeinsame Entscheidungsfindung mit Patienten und Angehörigen stehen im Mittelpunkt.
  • Klinisch assistierte Hydratation sollte individuell abgewogen und bei Beginn alle 12 Stunden auf Nutzen und Schaden kontrolliert werden.
  • Bei der medikamentösen Symptomkontrolle sind subkutane oder intravenöse Zugänge intramuskulären Injektionen vorzuziehen.
  • Antizipatorische Medikamente für häufige Symptome sollten frühzeitig und patientenindividuell verordnet werden.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie (NG31) bietet evidenzbasierte Empfehlungen für die klinische Betreuung von Erwachsenen, bei denen das multiprofessionelle Team davon ausgeht, dass sie sich in den letzten 2 bis 3 Lebenstagen befinden. Sie richtet sich insbesondere an Nicht-Spezialisten in der Primärversorgung, in Pflegeheimen und in Krankenhäusern. Ziel ist es, eine würdevolle, individuelle und symptomlindernde Versorgung sicherzustellen.

Erkennung der Sterbephase

Die Feststellung, dass ein Mensch stirbt, erfordert klinisches Urteilsvermögen und die Evaluation verschiedener Faktoren. Es sollten keine Untersuchungen durchgeführt werden, die die Pflege in den letzten Lebenstagen nicht beeinflussen (Ausnahme: z.B. Blutbild für Thrombozytentransfusion zur Vermeidung katastrophaler Blutungen).

KategorieKlinische Zeichen und Symptome
Physische ZeichenAgitation, Cheyne-Stokes-Atmung, Bewusstseinstrübung, marmorierte Haut, Rasselatmung, progressiver Gewichtsverlust
SymptomeZunehmende Fatigue, Appetitverlust
Funktionelle BeobachtungenKommunikationsveränderungen, abnehmende Mobilität, sozialer Rückzug

Wichtig: Der Zustand des Patienten muss mindestens alle 24 Stunden neu bewertet werden, da eine Besserung der Symptome auch auf eine Stabilisierung oder Erholung hindeuten kann.

Kommunikation und Entscheidungsfindung

  • Prognosegespräch: Die Prognose sollte dem Patienten (sofern er dies wünscht) und seinen Angehörigen von einem kompetenten Teammitglied mit gutem Rapport mitgeteilt werden.
  • Falscher Optimismus ist zu vermeiden, Unsicherheiten bezüglich der Prognose sollten transparent kommuniziert werden.
  • Individueller Pflegeplan: Es muss ein Plan erstellt werden, der persönliche Ziele, den bevorzugten Pflegeort und Präferenzen zur Symptomkontrolle dokumentiert.

Hydratation und Mundpflege

Die Aufrechterhaltung der Hydratation ist ein zentrales Thema, bei dem Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen werden müssen.

MaßnahmeIndikation / DurchführungÜberwachung / Bemerkung
MundpflegeTrockener Mund, Wunsch des PatientenHäufiges Anfeuchten, Hilfe bei Zahn-/Prothesenpflege
Orale FlüssigkeitWenn Patient trinken möchte und kannSchluckbeschwerden und Aspirationsrisiko prüfen
Assistierte HydratationBei quälenden Symptomen (z.B. Durst, Delir)Mindestens alle 12h auf Nutzen oder Überwässerung prüfen

Es ist ungewiss, ob eine klinisch assistierte Hydratation das Leben verlängert oder den Sterbeprozess beschleunigt.

Pharmakologische Symptomkontrolle

Alle aktuellen Medikamente sollten überprüft und abgesetzt werden, wenn sie keinen symptomatischen Nutzen bieten. Intramuskuläre Injektionen sind zu vermeiden; stattdessen sollten subkutane oder intravenöse Zugänge genutzt werden. Wenn innerhalb von 24 Stunden mehr als 2 bis 3 Bedarfsdosen benötigt werden, sollte eine Spritzenpumpe (Syringe Pump) erwogen werden.

SymptomBehandlungsansatz / MedikamentenklasseBemerkung
SchmerzAnalgetika nach SchweregradVerhaltensbasierte Schmerzerfassung bei kognitiver Einschränkung nutzen
AtemnotOpioide, BenzodiazepineKeine routinemäßige Sauerstoffgabe (nur bei nachgewiesener Hypoxämie)
Übelkeit / ErbrechenHyoscinbutylbromid, OctreotidSpeziell bei obstruktiven Darmerkrankungen (Octreotid als Zweitlinie)
Angst / Delir / UnruheBenzodiazepine (Angst), Antipsychotika (Delir)Reversible Ursachen (z.B. Harnverhalt, Schmerz) vorher ausschließen
RasselatmungAntimuskarinika (z.B. Atropin, Glycopyrronium)Angehörige beruhigen; Medikamente absetzen, falls nach 12h wirkungslos oder bei starken Nebenwirkungen

Antizipatorische Verordnung

Um Krisensituationen vorzubeugen, sollten Medikamente für zu erwartende Symptome (Schmerz, Atemnot, Übelkeit, Unruhe, Rasselatmung) frühzeitig und patientenindividuell verordnet werden. Die Indikation und Dosierung muss klar spezifiziert sein. Nach Verabreichung ist die Wirkung mindestens täglich zu überwachen.

💡Praxis-Tipp

Setzen Sie bei mehr als 2 bis 3 benötigten Bedarfsmedikationen innerhalb von 24 Stunden eine Spritzenpumpe (Syringe Pump) zur kontinuierlichen Symptomkontrolle ein und vermeiden Sie intramuskuläre Injektionen.

Häufig gestellte Fragen

Ein Therapieversuch ist indiziert, wenn quälende Symptome wie Durst oder Delir vorliegen und die orale Aufnahme unzureichend ist. Die Therapie muss mindestens alle 12 Stunden auf Nutzen und Anzeichen einer Überwässerung kontrolliert werden.
Nein. Sauerstoff sollte nicht routinemäßig zur Behandlung von Atemnot eingesetzt werden, sondern nur bei Patienten mit bekannter oder klinisch vermuteter symptomatischer Hypoxämie.
Zunächst sollten nicht-pharmakologische Maßnahmen ergriffen und Angehörige beruhigt werden, da das Geräusch den Patienten meist nicht quält. Bei Belastung des Patienten kann ein Therapieversuch mit Antimuskarinika (z.B. Atropin, Glycopyrroniumbromid, Hyoscinbutylbromid) erfolgen.
Orale Gabe sollte bevorzugt werden, solange sie sicher möglich ist. Alternativ sind subkutane oder intravenöse Injektionen zu wählen. Intramuskuläre Injektionen sollen vermieden werden.

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