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Delir: Leitlinie zur Prävention und Therapie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Patienten ab 65 Jahren, mit Demenz, Hüftfraktur oder schwerer Erkrankung haben ein hohes Delir-Risiko.
  • Ein tägliches Screening auf Verhaltensänderungen wird für alle Risikopatienten empfohlen.
  • Zur Diagnostik sollte auf Normalstationen der 4AT-Score, auf Intensivstationen der CAM-ICU oder ICDSC genutzt werden.
  • Die Prävention erfolgt durch eine frühzeitige, nicht-medikamentöse Multikomponenten-Intervention.
  • Haloperidol ist nur kurzzeitig bei Eigen- oder Fremdgefährdung indiziert, wenn Deeskalationstechniken versagen.
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Hintergrund

Das Delir ist ein häufiges klinisches Syndrom, das durch Bewusstseinsstörungen, kognitive Einschränkungen oder Wahrnehmungsstörungen gekennzeichnet ist. Es tritt akut auf (innerhalb von Stunden bis Tagen) und zeigt einen fluktuierenden Verlauf. Unbehandelt ist es mit schwerwiegenden Folgen wie verlängerten Krankenhausaufenthalten, einem erhöhten Demenzrisiko und höherer Mortalität assoziiert. Man unterscheidet hyperaktive, hypoaktive und gemischte Formen. Besonders das hypoaktive Delir wird im klinischen Alltag häufig übersehen.

Risikofaktoren

Bei Aufnahme in ein Krankenhaus oder eine Pflegeeinrichtung müssen Patienten auf folgende Risikofaktoren untersucht werden. Liegt mindestens einer vor, gilt der Patient als gefährdet:

RisikofaktorBeschreibung
Alter65 Jahre oder älter
KognitionBekannte kognitive Einschränkung oder Demenz
TraumaAktuelle Hüftfraktur
SchweregradSchwere, akute Erkrankung mit Verschlechterungsrisiko

Prävention (Multikomponenten-Intervention)

Patienten mit Delir-Risiko sollten innerhalb von 24 Stunden nach Aufnahme ein maßgeschneidertes Präventionspaket erhalten. Dieses wird von einem geschulten, multidisziplinären Team durchgeführt:

BereichMaßnahmen
Kognition & OrientierungAngemessene Beleuchtung, sichtbare Uhren/Kalender, regelmäßige Reorientierung, kognitive Stimulation, Besuche von Angehörigen
Flüssigkeit & ErnährungAusreichende Trinkmenge fördern (ggf. s.c./i.v.), Ernährungsstatus optimieren, Sitz von Zahnprothesen prüfen
Hypoxie & InfektionSauerstoffsättigung optimieren (Vorsicht bei Pulsoxymetrie bei dunkler Hautfarbe), Infektionen behandeln, unnötige Katheter vermeiden
MobilitätFrühmobilisation nach Operationen, aktive Bewegungsübungen auch bei Bettlägerigkeit
Schmerz & SensorikSchmerzerfassung (auch non-verbal), Hör- und Sehhilfen bereitstellen, Ohrenschmalz entfernen
Schlaf & MedikationLärmreduktion, medizinische Maßnahmen nachts minimieren, Polypharmazie überprüfen

Diagnostik

Alle Patienten in Kliniken und Pflegeeinrichtungen müssen mindestens täglich auf Veränderungen beobachtet werden (z. B. Konzentration, Wahrnehmung, Mobilität, Sozialverhalten).

Bei Verdacht auf ein Delir erfolgt die strukturierte Erfassung:

  • Normalstation / Pflegeheim: Verwendung des 4AT-Scores durch geschultes Personal.
  • Intensivstation / Aufwachraum: Verwendung von CAM-ICU (Confusion Assessment Method for the Intensive Care Unit) oder ICDSC (Intensive Care Delirium Screening Checklist).

Die finale Diagnose stellt eine qualifizierte medizinische Fachkraft. Ist die Unterscheidung zwischen Delir, Demenz oder einem Delir bei bestehender Demenz unklar, wird primär das Delir behandelt.

Therapie

Die wichtigste Maßnahme ist die Identifikation und Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen.

  • Basismaßnahmen: Effektive Kommunikation, Reorientierung und Einbindung von Angehörigen.
  • Bei Eigen- oder Fremdgefährdung: Zunächst verbale und non-verbale Deeskalationstechniken anwenden.
  • Medikamentöse Therapie: Nur wenn Deeskalation ineffektiv ist, kann Haloperidol kurzzeitig (in der Regel für maximal 1 Woche) erwogen werden. Die Dosierung erfolgt so niedrig wie möglich und wird vorsichtig titriert.

Achtung: Es besteht ein erhöhtes Risiko für kardiale und neurologische Nebenwirkungen unter Haloperidol, insbesondere bei Patienten mit Parkinson-Krankheit oder Lewy-Körperchen-Demenz.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie besonders auf das oft übersehene hypoaktive Delir (Rückzug, Apathie, reduzierte Mobilität). Nutzen Sie den 4AT-Score für ein schnelles und standardisiertes Screening auf Normalstationen.

Häufig gestellte Fragen

Patienten ab 65 Jahren, Personen mit bekannter Demenz oder kognitiver Einschränkung, Patienten mit aktueller Hüftfraktur sowie schwer kranke Patienten.
Auf Normalstationen und in Pflegeheimen wird der 4AT-Score empfohlen. Auf Intensivstationen und im Aufwachraum sollten der CAM-ICU oder die ICDSC verwendet werden.
Haloperidol sollte nur kurzzeitig (max. 1 Woche) eingesetzt werden, wenn der Patient sich selbst oder andere gefährdet und verbale sowie non-verbale Deeskalationstechniken nicht wirksam waren.
Wenn klinisch nicht sicher zwischen einem Delir und einer Demenz unterschieden werden kann, sollte der Zustand primär als Delir behandelt werden.

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