COVID-19 & Stammzelltransplantation: NICE-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Patienten müssen auf respiratorische Viren (inkl. SARS-CoV-2) innerhalb von 7 Tagen vor Aufnahme und erneut bei Aufnahme getestet werden.
- •Frische Stammzellspenden sind routinemäßig zu bevorzugen; kryokonservierte Zellen sollen nur in Ausnahmefällen genutzt werden.
- •Bei COVID-19-Symptomen des Spenders (HPC-Apherese/MNC) ist die Spende in der Regel um 14 Tage nach Symptomfreiheit zu verschieben.
- •Post-Transplantations-Patienten mit COVID-19 müssen in Unterdruckzimmern isoliert werden.
Hintergrund
Die vorliegende NICE-Leitlinie adressiert die Sicherheit von Patienten, die eine hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSCT) benötigen, unter den Bedingungen der COVID-19-Pandemie. Ziel ist es, das Infektionsrisiko für Patienten, Spender und das medizinische Personal zu minimieren und Ressourcen optimal zu nutzen.
Prä-Transplantations-Management (Empfänger)
Patienten sollten mindestens 2 Wochen vor der HSCT Maßnahmen ergreifen, um das Risiko respiratorischer Infektionen zu minimieren. Bei engem Kontakt zu einer COVID-19-positiven Person in der vergangenen Woche sollte eine Verschiebung der allogenen HSCT erwogen werden. Hierbei ist eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung erforderlich.
| Zeitpunkt | Diagnostik / Maßnahme |
|---|---|
| < 7 Tage vor Aufnahme | Testung auf respiratorische Viren (inkl. SARS-CoV-2) |
| Bei Aufnahme (vor Konditionierung) | Erneute Testung auf respiratorische Viren |
Spender-Management und Zellgewinnung
Spender müssen über das Risiko einer COVID-19-Exposition und entsprechende Präventionsmaßnahmen aufgeklärt werden. Wenn ein Spender innerhalb von 2 Wochen nach der Spende erkrankt, müssen das Register und das Entnahmezentrum umgehend informiert werden.
Zellpräparation:
- Transplantationszentren sollten routinemäßig frische Spenden verwenden.
- Kryokonservierte Zellen dürfen nur in Ausnahmefällen verwendet werden und müssen zwingend vor Beginn der Konditionierung im Zentrum eintreffen.
| Spender-Typ / Situation | Empfohlenes Vorgehen bei COVID-19-Symptomen |
|---|---|
| HPC-Apherese / MNC-Spender | 14 Tage Verschiebung nach Symptomfreiheit. Bei Dringlichkeit: Risikobewertung durch Medical Officer. |
| HPC-Knochenmarkspender | Verschiebung um einen mit dem Anästhesisten vereinbarten Zeitraum. |
| Symptome nach Start der Konditionierung | Rücksprache mit Register und Entnahmezentrum zur Sicherheit der Spende. |
Post-Transplantations-Phase
- Patienten müssen in strikter Schutzisolation betreut werden.
- Prozeduren außerhalb der Isolation sind streng gegen das Risiko nosokomialer Infektionen abzuwägen.
- COVID-19-positive Patienten sind in Unterdruckzimmern (oder ersatzweise neutralen Isolationszimmern) zu isolieren.
Organisatorische Aspekte
- Für Patienten mit allogener HSCT muss präventiv ein Back-up-Spender oder eine Nabelschnurbluteinheit identifiziert werden, falls Probleme bei der Entnahme oder dem Transport auftreten.
- Ambulante Transplantationspfade erfordern eine formale Risikobewertung.
- Das Personal muss die lokalen Richtlinien zur Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einer COVID-19-Erkrankung befolgen.
💡Praxis-Tipp
Sichern Sie bei allogenen Stammzelltransplantationen immer einen Back-up-Spender oder eine Nabelschnurbluteinheit ab, um bei unerwarteten COVID-19-bedingten Ausfällen des Primärspenders handlungsfähig zu bleiben.