Bluttransfusion: Indikation und Transfusionstrigger

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG24 befasst sich mit den allgemeinen Prinzipien der Bluttransfusion und Strategien zur Reduktion des Transfusionsbedarfs bei chirurgischen Eingriffen. Sie richtet sich an medizinisches Fachpersonal, das Erwachsene und Kinder ab einem Jahr betreut.

Ein zentraler Fokus liegt auf dem restriktiven Einsatz von Blutprodukten, um unnötige Transfusionen und damit verbundene Risiken zu vermeiden. Die Leitlinie definiert spezifische Schwellenwerte und Zielbereiche für verschiedene Blutkomponenten wie Erythrozyten, Thrombozyten und Plasma.

Ausgenommen von dieser Leitlinie sind spezielle Patientengruppen wie Föten, Neugeborene unter einem Jahr, Schwangere sowie Personen mit Hämoglobinopathien. Auch das Management von Traumata und Massivblutungen wird in diesem Dokument nicht primär behandelt.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zum Umgang mit Blutprodukten und blutsparenden Maßnahmen:

Präoperative Anämiebehandlung

Es wird empfohlen, Personen mit einer Eisenmangelanämie vor und nach einer Operation orales Eisen anzubieten.

Intravenöses Eisen sollte laut Leitlinie erwogen werden, wenn orales Eisen nicht vertragen oder resorbiert wird, ein funktioneller Eisenmangel vorliegt oder das Zeitfenster bis zur Operation für eine orale Therapie zu kurz ist.

Von der routinemäßigen Gabe von Erythropoetin zur Reduktion des Transfusionsbedarfs wird abgeraten. Ausnahmen bestehen, wenn Bluttransfusionen aus religiösen Gründen abgelehnt werden oder kein passendes Blut zur Verfügung steht.

Tranexamsäure und Cell Salvage

Die Leitlinie empfiehlt die Gabe von Tranexamsäure bei Erwachsenen, die in einem Operationssaal operiert werden, sofern ein Blutungsrisiko besteht und Haut oder Schleimhäute durchtrennt werden. Außerhalb des Operationssaals wird dies ab einem erwarteten Blutverlust von über 500 ml empfohlen.

Bei Kindern (1 bis 15 Jahre) sollte Tranexamsäure unter ähnlichen OP-Bedingungen erwogen werden. Findet der Eingriff außerhalb des OPs statt, wird die Gabe ab einem erwarteten Blutverlust von über 10 % des Blutvolumens empfohlen.

Ein intraoperatives Cell Salvage in Kombination mit Tranexamsäure wird bei sehr hohem erwartetem Blutverlust (z. B. Herz- oder komplexe Gefäßchirurgie) empfohlen. Ohne Tranexamsäure sollte Cell Salvage nicht routinemäßig eingesetzt werden.

Erythrozytenkonzentrate (EK)

Es wird ein restriktiver Einsatz von Erythrozytenkonzentraten empfohlen. Bei Erwachsenen ohne aktive Blutung sollte laut Leitlinie zunächst nur eine einzelne Einheit transfundiert werden.

Nach jeder Transfusion einer einzelnen Einheit wird eine klinische Neubewertung und Kontrolle des Hämoglobinwertes empfohlen, bevor weitere Einheiten gegeben werden.

Thrombozytenkonzentrate (TK)

Die Leitlinie empfiehlt die Gabe von Thrombozyten bei klinisch relevanter Blutung (WHO-Grad 2) und einer Thrombozytenzahl unter 30x10^9/l. Bei schweren Blutungen oder Blutungen an kritischen Stellen (z. B. ZNS) gelten höhere Schwellenwerte bis zu 100x10^9/l.

Eine prophylaktische Gabe ohne Blutung wird bei Werten unter 10x10^9/l empfohlen, sofern keine chronische Knochenmarkinsuffizienz, Autoimmunthrombozytopenie, HIT oder TTP vorliegt.

Es wird davon abgeraten, routinemäßig mehr als eine Einzeldosis Thrombozyten zu transfundieren. Ausnahmen bilden schwere Thrombozytopenien mit Blutungen an kritischen Stellen.

Plasma und Gerinnungsfaktoren

Gefrorenes Frischplasma (FFP) wird bei klinisch relevanter Blutung (ohne Massivblutung) und pathologischen Gerinnungswerten (z. B. PT- oder aPTT-Ratio über 1,5) empfohlen. Es soll nicht zur Reversierung von Vitamin-K-Antagonisten eingesetzt werden.

Kryopräzipitat wird bei klinisch relevanter Blutung und einem Fibrinogenspiegel unter 1,5 g/l empfohlen.

Prothrombinkomplex-Konzentrat (PPSB) wird zur sofortigen Notfall-Reversierung von Warfarin bei schweren Blutungen oder Schädel-Hirn-Traumata mit Verdacht auf intrazerebrale Blutung empfohlen.

Dosierung

Die Leitlinie definiert folgende Schwellenwerte und Dosierungen:

PatientengruppeTransfusionsschwelle (Erythrozyten)Hämoglobin-Zielwert nach Transfusion
Restriktive Strategie (Standard)70 g/l70 bis 90 g/l
Akutes Koronarsyndrom80 g/l80 bis 100 g/l
Chronische AnämieIndividuell festzulegenIndividuell festzulegen
MedikamentPatientengruppeDosierungApplikationsweg
TranexamsäureErwachseneTypischerweise 1 gLangsame intravenöse Injektion kurz vor OP-Beginn
TranexamsäureKinder (1 bis 15 Jahre)Typischerweise 15 mg/kg (maximal 1 g)Langsame intravenöse Injektion kurz vor OP-Beginn
BlutproduktPatientengruppeDosierung
KryopräzipitatErwachsene2 Pools
KryopräzipitatKinder5 bis 10 ml/kg (maximal 2 Pools)

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Gefrorenes Frischplasma (FFP) darf nicht zur Korrektur von Gerinnungsstörungen bei Personen ohne Blutung (außer vor invasiven Eingriffen) oder zur Reversierung von Vitamin-K-Antagonisten verwendet werden.

  • Eine prophylaktische Thrombozytengabe wird bei chronischer Knochenmarkinsuffizienz, Autoimmunthrombozytopenie, heparininduzierter Thrombozytopenie (HIT) und thrombotisch-thrombozytopenischer Purpura (TTP) nicht routinemäßig empfohlen.

  • Es wird davor gewarnt, Tranexamsäure versehentlich intrathekal oder epidural statt intravenös zu verabreichen. Entsprechende Sicherheitsmaßnahmen müssen etabliert sein.

  • Bei Niereninsuffizienz wird auf das Risiko einer Akkumulation von Tranexamsäure im Blut hingewiesen, falls mehr als eine Dosis verabreicht wird.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass bei Erwachsenen ohne aktive Blutung stets nur ein einziges Erythrozytenkonzentrat (Single-Unit-Transfusion) verabreicht werden sollte. Im Anschluss wird eine erneute klinische Beurteilung sowie eine Kontrolle des Hämoglobinwertes empfohlen, bevor eine Entscheidung über weitere Transfusionen getroffen wird. Dieses Vorgehen verhindert unnötige Transfusionen und reduziert das Risiko von transfusionsassoziierten Komplikationen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt die Gabe bei Erwachsenen im Operationssaal, wenn ein Blutungsrisiko besteht und Haut oder Schleimhäute durchtrennt werden. Außerhalb des OPs wird sie ab einem erwarteten Blutverlust von über 500 ml empfohlen.

Bei Anwendung der restriktiven Strategie wird laut Leitlinie ein Hämoglobin-Zielwert von 70 bis 90 g/l nach der Transfusion angestrebt. Bei Personen mit akutem Koronarsyndrom liegt der Zielbereich zwischen 80 und 100 g/l.

Nein, die Leitlinie rät von einer routinemäßigen prophylaktischen Thrombozytengabe bei heparininduzierter Thrombozytopenie (HIT) oder thrombotisch-thrombozytopenischer Purpura (TTP) ab. Gleiches gilt für die Autoimmunthrombozytopenie.

Es wird die sofortige Gabe von Prothrombinkomplex-Konzentrat (PPSB) zur Notfall-Reversierung empfohlen. Dies gilt insbesondere bei schweren Blutungen oder Schädel-Hirn-Traumata mit Verdacht auf intrazerebrale Blutung.

FFP wird laut Leitlinie bei klinisch signifikanten Blutungen (ohne Massivblutung) und pathologischen Gerinnungswerten, wie einer PT-Ratio über 1,5, empfohlen. Es kann auch prophylaktisch vor invasiven Eingriffen mit Blutungsrisiko erwogen werden.

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Quelle: NG24: Ovarian cancer: recognition and initial management (NICE, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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