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Bluttransfusion & Blutsparen: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Restriktive Transfusionstrigger für Erythrozyten: Hb < 70 g/l bei stabilen Patienten, Hb < 80 g/l bei akutem Koronarsyndrom.
  • Tranexamsäure (1 g i.v.) wird routinemäßig bei Erwachsenen vor Operationen mit Blutungsrisiko empfohlen.
  • Thrombozytentransfusionen erfolgen bei klinisch relevanter Blutung ab < 30 x 10^9/l, prophylaktisch ab < 10 x 10^9/l.
  • Erythrozyten und Thrombozyten sollen primär als Einzelpräparat gegeben werden, gefolgt von einer klinischen Reevaluation.
  • Gefrorenes Frischplasma (FFP) darf nicht zur Antagonisierung von Vitamin-K-Antagonisten verwendet werden; hierfür ist Prothrombinkomplex-Konzentrat (PPSB) indiziert.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG24 definiert evidenzbasierte Strategien für den rationalen Einsatz von Blutprodukten und blutsparenden Maßnahmen (Patient Blood Management) im klinischen und perioperativen Alltag. Ziel ist es, unnötige Transfusionen zu vermeiden und die Patientensicherheit zu erhöhen.

Präoperative Optimierung und Blutsparmaßnahmen

Die Optimierung der Hämostase und Blutbildung vor und während chirurgischer Eingriffe reduziert den Transfusionsbedarf signifikant.

  • Erythropoietin: Darf nicht routinemäßig zur Reduktion des Transfusionsbedarfs angeboten werden. Ausnahmen: Patienten mit Anämie, die Bluttransfusionen aus religiösen oder anderen Gründen ablehnen, oder wenn aufgrund von Antikörpern kein passendes Blut verfügbar ist.
  • Eisen: Bei Eisenmangelanämie orales Eisen vor und nach der OP anbieten. Intravenöses Eisen erwägen bei Intoleranz/Malabsorption von oralem Eisen, funktionellem Eisenmangel oder wenn das Zeitfenster bis zur OP für orales Eisen zu kurz ist.
MaßnahmeIndikationDosierung / Bemerkung
Tranexamsäure (Erwachsene)OP im Saal mit Blutungsrisiko (Haut/Schleimhaut durchtrennt) ODER OP außerhalb des Saals mit >500 ml erwartetem Blutverlust1 g als langsame i.v.-Injektion unmittelbar vor OP-Beginn
Tranexamsäure (Kinder 1-15 J.)OP im Saal mit Blutungsrisiko ODER OP außerhalb des Saals mit >10% des Blutvolumens erwartetem Blutverlust15 mg/kg (max. 1 g) als langsame i.v.-Injektion unmittelbar vor OP-Beginn
Cell SalvageErwarteter sehr hoher Blutverlust (z.B. Kardio-, komplexe Gefäß-, Becken- oder Skoliosechirurgie)Nur in Kombination mit Tranexamsäure erwägen

Erythrozytenkonzentrate (EK)

Für Patienten ohne akute schwere Blutung gelten restriktive Transfusionsgrenzen.

PatientenkollektivTransfusionstriggerZiel-Hb nach Transfusion
Standardpatienten (ohne Blutung/ACS)70 g/l70 bis 90 g/l
Akutes Koronarsyndrom (ACS)80 g/l80 bis 100 g/l
Chronische Anämie (regelmäßiger Bedarf)Individuell festlegenIndividuell festlegen
  • Dosierung: Bei Erwachsenen ohne aktive Blutung stets nur ein einzelnes Erythrozytenkonzentrat (Single-Unit-Transfusion) verabreichen.
  • Kontrolle: Nach jeder Einheit den Patienten klinisch reevaluieren und den Hb-Wert kontrollieren, bevor weitere Einheiten gegeben werden.

Thrombozytenkonzentrate (TK)

Auch bei Thrombozyten gilt das Prinzip der Einzelgabe mit anschließender Reevaluation.

Klinische SituationTransfusionstrigger (Thrombozyten)
Prophylaktisch (keine Blutung/OP)< 10 x 10^9/l (Ausnahmen: chronisches Knochenmarkversagen, ITP, HIT, TTP)
Klinisch signifikante Blutung (WHO Grad 2)< 30 x 10^9/l
Invasive Eingriffe / Operationen> 50 x 10^9/l (bei hohem Blutungsrisiko 50-75 x 10^9/l erwägen)
Schwere Blutung (WHO Grad 3-4) oder kritische Lokalisation (ZNS, Auge)Bis zu 100 x 10^9/l

Gefrorenes Frischplasma (FFP) und Kryopräzipitat

Der Einsatz von FFP und Kryopräzipitat richtet sich nach spezifischen Gerinnungsparametern bei blutenden Patienten (ohne Vorliegen einer Massivblutung).

  • FFP: Nur bei klinisch relevanter Blutung und abnormen Gerinnungstests (z.B. PT- oder aPTT-Ratio > 1,5).
  • Kryopräzipitat: Bei klinisch relevanter Blutung und einem Fibrinogenspiegel < 1,5 g/l. Prophylaktisch vor invasiven Eingriffen bei Fibrinogen < 1,0 g/l erwägen.
  • Dosierung Kryopräzipitat: Erwachsene erhalten 2 Pools. Kinder 5-10 ml/kg (max. 2 Pools).

Prothrombinkomplex-Konzentrat (PPSB)

Zur Notfall-Antagonisierung von Warfarin (Vitamin-K-Antagonisten) ist sofortiges PPSB indiziert bei:

  • Schwerer Blutung
  • Schädel-Hirn-Trauma mit Verdacht auf intrazerebrale Blutung
  • Notfalloperationen (abhängig von Antikoagulationslevel und Blutungsrisiko)

Wichtig: FFP darf nicht zur Antagonisierung von Vitamin-K-Antagonisten verwendet werden.

Patientensicherheit und Aufklärung

Patienten müssen während und nach der Transfusion in einer geeigneten Umgebung überwacht werden, um akute Transfusionsreaktionen sofort zu erkennen. Zudem muss eine umfassende Aufklärung erfolgen, die auch die Information beinhaltet, dass der Patient nach einer Bluttransfusion nicht mehr als Blutspender in Frage kommt.

💡Praxis-Tipp

Transfundieren Sie bei hämodynamisch stabilen Patienten ohne aktive Blutung stets nur ein einzelnes Erythrozytenkonzentrat (Single-Unit-Strategie) und kontrollieren Sie danach den Hb-Wert, bevor Sie eine weitere Gabe anordnen.

Häufig gestellte Fragen

Bei Erwachsenen vor jeder Operation im OP-Saal, bei der die Haut oder Schleimhäute durchtrennt werden und ein Blutungsrisiko besteht. Die Standarddosis beträgt 1 g i.v. unmittelbar vor OP-Beginn.
Bei stabilen Patienten ohne aktive Blutung gilt ein restriktiver Trigger von 70 g/l (Ziel: 70-90 g/l). Bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS) liegt der Trigger bei 80 g/l (Ziel: 80-100 g/l).
Bei Patienten ohne Blutung oder geplante Eingriffe ab einem Wert von < 10 x 10^9/l. Ausgenommen sind Patienten mit chronischem Knochenmarkversagen, ITP, HIT oder TTP.
Nein. Die Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, FFP zur Antagonisierung von Vitamin-K-Antagonisten zu verwenden. Hierfür muss Prothrombinkomplex-Konzentrat (PPSB) eingesetzt werden.
Bei Patienten mit klinisch relevanter Blutung und einem Fibrinogenspiegel von < 1,5 g/l. Prophylaktisch vor Eingriffen kann es bei Fibrinogen < 1,0 g/l erwogen werden.

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