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Akute Halsschmerzen: NICE-Leitlinie zur Antibiotikatherapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Akute Halsschmerzen sind meist selbstlimitierend und heilen in der Regel innerhalb einer Woche auch ohne Antibiotika ab.
  • Die Indikation für ein Antibiotikum sollte objektiviert anhand des FeverPAIN- oder Centor-Scores gestellt werden.
  • Bei niedrigen Scores (FeverPAIN 0-1 oder Centor 0-2) wird von einer Antibiotikaverschreibung abgeraten.
  • Mittel der ersten Wahl ist Phenoxymethylpenicillin für 5 bis 10 Tage (5 Tage für symptomatische, 10 Tage für mikrobiologische Heilung).
  • Zur symptomatischen Therapie werden Paracetamol oder Ibuprofen empfohlen; Kortikosteroide sind nicht indiziert.
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Hintergrund

Akute Halsschmerzen (einschließlich Pharyngitis und Tonsillitis) sind in den meisten Fällen selbstlimitierend und werden häufig durch virale Infektionen der oberen Atemwege ausgelöst. Die Symptome dauern typischerweise etwa eine Woche an. Die meisten Patienten erholen sich in dieser Zeit unabhängig von der Ursache (bakteriell oder viral) auch ohne Antibiotikatherapie. Antibiotika verkürzen die Symptomdauer im Durchschnitt nur um etwa 16 Stunden.

Diagnostik und Scoring-Systeme

Um Patienten zu identifizieren, die am ehesten von einer Antibiotikatherapie profitieren, empfiehlt die Leitlinie die Anwendung klinischer Scoring-Systeme. Genutzt werden kann entweder der FeverPAIN-Score oder der Centor-Score.

FeverPAIN-Kriterien

Jedes Kriterium gibt 1 Punkt (Maximalpunktzahl: 5).

KriteriumBeschreibungPunkte
FeverFieber in den letzten 24 Stunden1
PurulenceEitrige Tonsillen (Exsudat)1
Attend rapidlyRascher Arztbesuch (innerhalb von 3 Tagen nach Symptombeginn)1
Severely InflamedStark entzündete Tonsillen1
No cough/coryzaKein Husten oder Schnupfen1

Centor-Kriterien

Jedes Kriterium gibt 1 Punkt (Maximalpunktzahl: 4).

KriteriumPunkte
Tonsillenexsudat1
Druckschmerzhafte vordere Halslymphknoten1
Fieberanamnese (> 38 °C)1
Fehlender Husten1

Therapiealgorithmus nach Score

Die Entscheidung zur Antibiotikagabe richtet sich nach der Wahrscheinlichkeit einer Streptokokken-Infektion, abgeleitet aus den Scores:

ScoreWahrscheinlichkeit für StreptokokkenEmpfehlung zur Antibiotikagabe
FeverPAIN 0-1 oder Centor 0-2Gering (3-18 %)Kein Antibiotikum anbieten.
FeverPAIN 2-3Moderat (34-40 %)Kein Antibiotikum oder Reserve-Rezept (Back-up) erwägen.
FeverPAIN 4-5 oder Centor 3-4Hoch (32-65 %)Sofortiges Antibiotikum oder Reserve-Rezept erwägen.

Hinweis zum Reserve-Rezept (Back-up-Rezept): Der Patient wird angewiesen, das Rezept nur einzulösen, wenn sich die Symptome nach 3 bis 5 Tagen nicht bessern oder sich jederzeit rasch und signifikant verschlechtern.

Symptomatische Therapie (Self-Care)

  • Analgesie/Antipyrese: Paracetamol oder, falls bevorzugt und geeignet, Ibuprofen zur Behandlung von Schmerzen und Fieber.
  • Flüssigkeit: Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr hinweisen.
  • Lutschtabletten: Medizinal-Lutschtabletten (mit Lokalanästhetikum, NSAR oder Antiseptikum) können Schmerzen geringfügig lindern. Für nicht-medikamentöse Lutschtabletten oder Mundspülungen gibt es keine Evidenz.
  • Kortikosteroide: Werden aufgrund von Sicherheitsbedenken und der Selbstlimitierung der Erkrankung nicht empfohlen.

Antibiotikatherapie

Wenn eine Antibiotikatherapie indiziert ist, gelten folgende Empfehlungen für Erwachsene und Kinder.

Erwachsene (ab 18 Jahren)

WirkstoffDosisIndikationDauer
Phenoxymethylpenicillin500 mg 4x/Tag oder 1.000 mg 2x/Tag1. Wahl5-10 Tage*
Clarithromycin250-500 mg 2x/Tag1. Wahl bei Penicillinallergie (nicht schwanger)5 Tage
Erythromycin250-500 mg 4x/Tag oder 500-1.000 mg 2x/Tag1. Wahl bei Penicillinallergie in der Schwangerschaft5 Tage

(Hinweis: 5 Tage sind oft ausreichend für eine symptomatische Heilung; eine 10-tägige Gabe kann die Wahrscheinlichkeit einer mikrobiologischen Heilung erhöhen).

Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren)

WirkstoffDosisIndikationDauer
PhenoxymethylpenicillinAltersabhängig (z.B. 1-5 J.: 125 mg 4x/Tag oder 250 mg 2x/Tag; 6-11 J.: 250 mg 4x/Tag oder 500 mg 2x/Tag)1. Wahl5-10 Tage
ClarithromycinGewichts-/Altersabhängig (z.B. 12-19 kg: 125 mg 2x/Tag; 20-29 kg: 187,5 mg 2x/Tag)1. Wahl bei Penicillinallergie5 Tage
Erythromycin8-17 Jahre: 250-500 mg 4x/Tag oder 500-1.000 mg 2x/Tag1. Wahl bei Penicillinallergie in der Schwangerschaft5 Tage

Indikationen zur Krankenhauseinweisung

Patienten müssen umgehend stationär eingewiesen werden, wenn die akuten Halsschmerzen mit folgenden Faktoren einhergehen:

  • Schwere systemische Infektion (Verdacht auf Sepsis)
  • Schwere eitrige Komplikationen (z. B. Peritonsillarabszess, Zellulitis, Parapharyngealabszess, Retropharyngealabszess oder Lemierre-Syndrom)

Zudem sollte bei systemisch sehr kranken Patienten oder solchen mit hohem Komplikationsrisiko immer ein sofortiges Antibiotikum verschrieben werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei moderaten Scores (FeverPAIN 2-3) das Konzept des 'Reserve-Rezepts' (Back-up-Rezept). Klären Sie den Patienten auf, das Rezept nur einzulösen, wenn nach 3-5 Tagen keine Besserung eintritt. Dies reduziert den Antibiotikaverbrauch im Praxisalltag signifikant.

Häufig gestellte Fragen

Die Symptome dauern in der Regel etwa eine Woche an und heilen bei den meisten Patienten auch ohne Antibiotika vollständig ab.
Der Centor-Score umfasst vier Kriterien (je 1 Punkt): Tonsillenexsudat, druckschmerzhafte vordere Halslymphknoten, Fieber über 38 °C und das Fehlen von Husten.
Ein sofortiges Antibiotikum sollte bei einem FeverPAIN-Score von 4-5, einem Centor-Score von 3-4 oder bei Patienten erwogen werden, die systemisch sehr krank sind bzw. ein hohes Komplikationsrisiko aufweisen.
Mittel der ersten Wahl ist Phenoxymethylpenicillin. Es wird für 5 bis 10 Tage verschrieben, wobei 5 Tage oft für die Symptomlinderung ausreichen, 10 Tage jedoch die mikrobiologische Heilungsrate verbessern.
Nein, die Leitlinie empfiehlt den Einsatz von Kortikosteroiden nicht. Die Erkrankung ist meist selbstlimitierend und es bestehen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und möglicher Nebenwirkungen.

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