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Nicht-komplexe Frakturen: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Schmerztherapie richtet sich nach Alter und Schmerzintensität; NSAR sind bei gebrechlichen oder älteren Patienten kontraindiziert.
  • Zur Indikationsstellung von Röntgenaufnahmen sollen die Ottawa-Regeln bei Knie- (>2 Jahre) und Sprunggelenksfrakturen (>5 Jahre) angewendet werden.
  • Torusfrakturen des distalen Radius bei Kindern erfordern keinen starren Gips und keine routinemäßige Nachkontrolle.
  • Bei unimalleolären Sprunggelenksfrakturen wird eine sofortige, uneingeschränkte Vollbelastung empfohlen.
  • Bei allen Kindern mit Femurfrakturen muss vor der Entlassung zwingend eine nicht-akzidentelle Verletzung (Kindesmisshandlung) ausgeschlossen werden.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie (NG38) befasst sich mit der Diagnostik und Behandlung nicht-komplexer Frakturen bei Erwachsenen und Kindern. Ziel ist es, eine Überversorgung harmloser Verletzungen zu vermeiden und gleichzeitig potenziell folgenschwere Frakturen sicher zu identifizieren.

Schmerztherapie und Immobilisation

Die initiale Schmerztherapie richtet sich nach dem Alter und der Schmerzintensität. Bei Verdacht auf Frakturen der langen Röhrenknochen gelten folgende Empfehlungen:

Erwachsene (ab 16 Jahren):

SchmerzintensitätEmpfohlene Medikation
LeichtParacetamol p.o.
MittelParacetamol p.o. + Codein p.o.
SchwerParacetamol i.v. + Morphin i.v. (titriert)
  • Wichtig: Bei gebrechlichen oder älteren Patienten keine NSAR anwenden und i.v.-Opioide nur mit Vorsicht einsetzen.
  • Bei anderen Patienten können NSAR ergänzend erwogen werden.

Kinder (unter 16 Jahren):

SchmerzintensitätEmpfohlene Medikation
Leicht bis mittelIbuprofen p.o. und/oder Paracetamol p.o.
Mittel bis schwerOpioide intranasal oder i.v.

Zur präklinischen Immobilisation von Beinbrüchen sollte oberhalb des Knies eine Traktionsschiene oder das gesunde Bein als Schiene genutzt werden. Für alle anderen langen Röhrenknochen wird eine Vakuumschiene empfohlen. Bei Kindern mit dislozierten Femurfrakturen ist in der Notaufnahme ein Femoralis- oder Fascia-iliaca-Block zu erwägen.

Diagnostik und Bildgebung

Zur Vermeidung unnötiger Röntgenaufnahmen sollen klinische Entscheidungsregeln angewendet werden:

  • Ottawa-Knie-Regeln: Bei Patienten >2 Jahre mit Verdacht auf Kniefraktur.
  • Ottawa-Sprunggelenks-Regeln: Bei Patienten >5 Jahre mit Verdacht auf Sprunggelenksfraktur.

Bei Verdacht auf eine Scaphoidfraktur sollte nach einer gründlichen klinischen Untersuchung ein MRT als primäre Bildgebung erwogen werden.

Management in der Notaufnahme

  • Distale Radiusfraktur (Erwachsene): Zur Reposition dorsal dislozierter Frakturen kann eine intravenöse Regionalanästhesie (Bier-Block) erwogen werden. Lachgas darf nicht als alleiniges Analgetikum zur Reposition verwendet werden.
  • Torusfrakturen (Kinder): Für Torusfrakturen des distalen Radius darf kein starrer Gips verwendet werden. Die Kinder können nach der Erstbeurteilung entlassen werden; eine routinemäßige Nachkontrolle ist nicht erforderlich.

Orthopädische Weiterbehandlung

Operationszeitpunkte

FrakturtypEmpfohlener OP-Zeitpunkt
SprunggelenksfrakturAm Tag der Verletzung oder am Folgetag
Distaler Radius (intraartikulär)Innerhalb von 72 Stunden
Distaler Radius (extraartikulär)Innerhalb von 7 Tagen
Distaler Radius (Re-Dislokation)Innerhalb von 72 Stunden nach OP-Entscheidung

Spezifische Frakturbehandlungen

  • Unimalleoläre Sprunggelenksfraktur (konservativ): Sofortige uneingeschränkte Vollbelastung empfehlen. Follow-up innerhalb von 2 Wochen nur bei unklarer Stabilität.
  • Distale Femurfraktur (post-OP): Sofortige uneingeschränkte Vollbelastung erwägen.
  • Proximale Humerusfraktur (Erwachsene): Unkomplizierte Verletzungen konservativ behandeln. OP erwägen bei offenen Wunden, Hautzeltung, Gefäßverletzungen, Luxationsfrakturen oder Head-Split.

Kindliche Femurschaftfrakturen

Alle Kinder mit Femurschaftfrakturen müssen stationär aufgenommen werden. Die Therapie richtet sich nach Alter und Gewicht:

Alter / GewichtTherapieoption
Frühgeborene / GeburtsverletzungEinfache gepolsterte Schiene
0-6 MonatePavlik-Bandage oder Overhead-Extension (Gallows)
3-18 Monate (<15 kg)Overhead-Extension (Gallows)
1-6 Jahre (<25 kg)Hautzug (ggf. Wechsel auf Becken-Bein-Gips)
4-12 Jahre (<50 kg)Elastischer intramedullärer Nagel (ESIN)
>11 Jahre (>50 kg)ESIN mit Endkappen, starrer Marknagel oder submuskuläre Platte

Kinderschutz

Bei allen Kindern mit Femurfrakturen muss vor der Entlassung eine nicht-akzidentelle Verletzung (Kindesmisshandlung) ausgeschlossen werden. Dies gilt insbesondere für Kinder, die noch nicht laufen oder sprechen können.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei kindlichen Torusfrakturen des distalen Radius auf einen starren Gips und aufwendige Nachkontrollen - eine einfache Schienung und Entlassung nach der Erstbeurteilung sind ausreichend.

Häufig gestellte Fragen

Nach einer gründlichen klinischen Untersuchung sollte ein MRT als primäre Bildgebung erwogen werden.
Die Operation sollte am Tag der Verletzung oder am Folgetag stattfinden.
Nein, bei gebrechlichen oder älteren Erwachsenen mit Frakturen sollten keine NSAR verabreicht werden.
Die Ottawa-Knie-Regeln gelten ab 2 Jahren, die Ottawa-Sprunggelenks-Regeln ab 5 Jahren.

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