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Hüftfraktur Management: Aktuelle NICE-Leitlinie (2024)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Operation sollte am Tag der Aufnahme oder am Folgetag stattfinden; korrigierbare Komorbiditäten sind sofort zu behandeln.
  • Paracetamol (alle 6h) ist die Basisanalgesie; NSAR werden ausdrücklich nicht empfohlen.
  • Das chirurgische Ziel ist die uneingeschränkte Vollbelastung in der unmittelbaren postoperativen Phase.
  • Bei dislozierten intrakapsulären Frakturen ist eine zementierte Arthroplastik indiziert (TEP bei fitten Patienten, sonst Hemiarthroplastik).
  • Die Mobilisation und physiotherapeutische Beurteilung müssen am ersten postoperativen Tag beginnen.
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Hintergrund

Die Hüftfraktur ist ein bedeutendes Gesundheitsproblem, das vor allem ältere Menschen betrifft und eine hohe Mortalität sowie Morbidität aufweist. Da Stürze und Frakturen oft auf einen schlechten allgemeinen Gesundheitszustand hinweisen, fordert die NICE-Leitlinie einen umfassenden, multidisziplinären Ansatz von der Aufnahme bis zur Entlassung. Ein orthogeriatrisches Co-Management ist dabei essenziell.

Diagnostik bei okkulten Frakturen

  • MRT anbieten, wenn trotz eines adäquaten, unauffälligen Röntgenbildes weiterhin der klinische Verdacht auf eine Hüftfraktur besteht.
  • CT erwägen, falls ein MRT nicht innerhalb von 24 Stunden verfügbar oder medizinisch kontraindiziert ist.

Operationszeitpunkt und Vorbereitung

Die Operation sollte am Tag der Aufnahme oder am Folgetag durchgeführt werden. Um dies zu gewährleisten, müssen korrigierbare Komorbiditäten sofort identifiziert und behandelt werden. Die Operation darf durch folgende Faktoren nicht unnötig verzögert werden:

Zu korrigierende Faktoren vor OP
Anämie
Antikoagulation
Volumenmangel
Elektrolytstörungen
Entgleister Diabetes mellitus
Unkontrollierte Herzinsuffizienz
Behandelbare kardiale Arrhythmien oder Ischämien
Akute Atemwegsinfekte oder Exazerbation chronischer Atemwegserkrankungen

Analgesie und Anästhesie

Die Schmerzintensität muss unmittelbar bei Aufnahme, 30 Minuten nach der ersten Analgetikagabe, stündlich bis zur Beruhigung auf Station und danach regelmäßig erfasst werden. Die Analgesie muss ausreichen, um notwendige Bewegungen für Untersuchungen (z.B. passive Außenrotation) und Pflege zu tolerieren.

MedikamentenklasseEmpfehlungBemerkung
ParacetamolEmpfohlenAlle 6 Stunden prä- und postoperativ (sofern nicht kontraindiziert).
OpioideBei BedarfPräoperativ sowie postoperativ (hier als schnell freisetzende Präparate), wenn Paracetamol nicht ausreicht.
NervenblöckeErwägenPräoperativ zur Opioid-Einsparung oder intraoperativ. Kein Ersatz für eine frühe OP!
NSARNicht empfohlenWerden in der Leitlinie explizit nicht empfohlen.

Zur Anästhesie sollte den Patienten nach Aufklärung über Risiken und Nutzen die Wahl zwischen einer Spinal- und einer Allgemeinanästhesie gelassen werden.

Chirurgische Strategien

Das primäre Ziel der Operation ist es, den Patienten in der unmittelbaren postoperativen Phase eine uneingeschränkte Vollbelastung zu ermöglichen.

Implantatwahl nach Frakturtyp

FrakturtypEmpfohlene Versorgung
Dislozierte intrakapsuläre FrakturZementierte Arthroplastik (TEP oder Hemiarthroplastik).
Trochantäre Fraktur (oberhalb/inkl. Trochanter minor, außer reverse oblique)Extramedulläre Implantate (z.B. dynamische Hüftschraube) gegenüber Marknägeln bevorzugen.
Subtrochantäre FrakturIntramedullärer Marknagel.

TEP vs. Hemiarthroplastik

Eine totale Hüftendoprothese (TEP) sollte anstelle einer Hemiarthroplastik bei dislozierten intrakapsulären Frakturen erwogen werden, wenn der Patient alle folgenden Kriterien erfüllt:

  • Konnte zuvor im Freien mit maximal einer Gehhilfe (Stock) unabhängig gehen.
  • Hat keine Komorbiditäten, die das Verfahren ungeeignet machen.
  • Es wird erwartet, dass der Patient für mehr als 2 Jahre unabhängig Aktivitäten des täglichen Lebens ausführen kann.

Bei Hemiarthroplastiken sollte ein anterolateraler Zugang gegenüber einem posterioren Zugang erwogen werden. Krankenhäuser sollten standardmäßig einen einheitlichen zementierten Femurkomponententyp verwenden.

Postoperative Phase und Rehabilitation

  • Frühmobilisation: Physiotherapeutische Beurteilung und Mobilisation am Tag nach der Operation (sofern medizinisch nicht kontraindiziert).
  • Frequenz: Mindestens einmal tägliche Mobilisation mit regelmäßiger physiotherapeutischer Reevaluation.
  • Orthogeriatrisches Programm: Ab Aufnahme sollte ein formelles, multidisziplinäres Programm etabliert werden. Dieses umfasst die präoperative Optimierung, Delirprävention (aktives Screening auf kognitive Einschränkungen), Zielsetzung für die Rehabilitation und die Entlassungsplanung (inklusive "Early Supported Discharge", sofern die Kriterien erfüllt sind).

💡Praxis-Tipp

Verzögern Sie die Operation nicht unnötig: Korrigierbare Komorbiditäten (z.B. Volumenmangel, Elektrolytentgleisung) müssen sofort identifiziert und parallel zur OP-Vorbereitung behandelt werden, um eine chirurgische Versorgung am Aufnahme- oder Folgetag zu ermöglichen.

Häufig gestellte Fragen

Ein MRT sollte angeboten werden, wenn der klinische Verdacht auf eine Hüftfraktur trotz eines unauffälligen, qualitativ ausreichenden Röntgenbildes fortbesteht. Ist ein MRT binnen 24 Stunden nicht verfügbar oder kontraindiziert, sollte ein CT erwogen werden.
Paracetamol (alle 6 Stunden) dient als Basisanalgesie, ergänzt durch Opioide bei Bedarf (postoperativ als schnell freisetzende Präparate). NSAR werden ausdrücklich nicht empfohlen.
Bei dislozierten intrakapsulären Frakturen, wenn der Patient zuvor mit maximal einem Gehstock im Freien mobil war, keine Kontraindikationen vorliegen und eine unabhängige Lebensführung für mehr als 2 Jahre zu erwarten ist.
Sofern medizinisch oder chirurgisch nicht kontraindiziert, sollte die Mobilisation und physiotherapeutische Beurteilung bereits am Tag nach der Operation beginnen (mindestens einmal täglich).

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