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Hüftfraktur-Management: Aktuelle NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die operative Versorgung sollte am Tag der Aufnahme oder am Folgetag stattfinden.
  • Bei Verdacht auf eine okkulte Fraktur und negativem Röntgenbild ist ein MRT indiziert.
  • Paracetamol ist die Basisanalgesie; NSAR werden ausdrücklich nicht empfohlen.
  • Das chirurgische Ziel ist die sofortige postoperative Vollbelastung.
  • Ein multidisziplinäres orthogeriatrisches Management ist ab der Aufnahme essenziell.
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Hintergrund

Hüftfrakturen stellen aufgrund der alternden Bevölkerung eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem dar. Die vorliegende NICE-Leitlinie definiert evidenzbasierte Standards für das Management von Hüftfrakturen bei Erwachsenen – von der akuten Aufnahme über die chirurgische Versorgung bis hin zur Rehabilitation. Ziel ist eine schnelle Genesung und die Wiederherstellung der Mobilität durch ein koordiniertes, multidisziplinäres Vorgehen.

Diagnostik bei okkulten Frakturen

Besteht trotz adäquater, aber unauffälliger Röntgenbilder weiterhin der klinische Verdacht auf eine Hüftfraktur, gelten folgende Empfehlungen:

  • MRT-Untersuchung als primäre weiterführende Diagnostik anbieten.
  • CT-Untersuchung in Erwägung ziehen, falls ein MRT kontraindiziert ist oder nicht innerhalb von 24 Stunden zur Verfügung steht.

Prä- und postoperative Analgesie

Eine adäquate Schmerzkontrolle ist essenziell, um notwendige Bewegungen für Untersuchungen, Pflege und Rehabilitation zu ermöglichen. Das Schmerzassessment muss sofort bei Aufnahme, 30 Minuten nach der initialen Analgesiegabe und anschließend regelmäßig erfolgen.

Medikament / MaßnahmeIndikation & DosierungBemerkung
ParacetamolAlle 6 Stunden prä- und postoperativBasisanalgesie, sofern nicht kontraindiziert.
OpioideBei unzureichender Wirkung von ParacetamolPostoperativ als schnell freisetzende Präparate (immediate-release).
NervenblöckeZur Opioid-Einsparung oder bei starken SchmerzenDurch geschultes Personal. Kein Ersatz für eine frühe OP!
NSAR-Nicht empfohlen.

Operationszeitpunkt und Anästhesie

Die Operation sollte am Tag der Aufnahme oder am Folgetag durchgeführt werden. Um Verzögerungen zu vermeiden, müssen korrigierbare Komorbiditäten (wie Anämie, Volumenmangel, Elektrolytentgleisungen, unkontrollierter Diabetes oder Herzinsuffizienz) sofort identifiziert und behandelt werden.

Bezüglich der Anästhesie sollten Patienten nach Aufklärung über Risiken und Nutzen die Wahl zwischen einer Spinal- und einer Allgemeinanästhesie haben. Intraoperative Nervenblöcke sollten bei allen Patienten erwogen werden.

Chirurgische Verfahren

Das primäre Ziel der Operation ist es, dem Patienten in der unmittelbaren postoperativen Phase eine uneingeschränkte Vollbelastung zu ermöglichen.

FrakturtypEmpfohlenes VerfahrenBemerkung
Dislozierte intrakapsuläre FrakturGelenkersatz (TEP oder Hemiarthroplastik)Zementierte Implantate verwenden.
Trochantäre Fraktur (ab Trochanter minor)Extramedulläres Implantat (z. B. Gleitnagel/DHS)Ausnahme: umgekehrte Schrägfrakturen (reverse oblique).
Subtrochantäre FrakturIntramedullärer Marknagel-

TEP vs. Hemiarthroplastik

Bei Patienten mit einer dislozierten intrakapsulären Fraktur sollte eine Totalendoprothese (TEP) anstelle einer Hemiarthroplastik erwogen werden, wenn alle folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Der Patient konnte vor der Fraktur unabhängig (mit maximal einem Gehstock) im Freien gehen.
  • Es liegen keine Kontraindikationen oder Komorbiditäten vor, die den Eingriff ungeeignet machen.
  • Es ist zu erwarten, dass der Patient seine Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) für mehr als 2 Jahre unabhängig ausführen kann.

Bei der Implantation einer Hemiarthroplastik sollte ein anterolateraler Zugang gegenüber einem posterioren Zugang bevorzugt werden. Kliniken sollten standardmäßig einen einheitlichen Typ von zementierten Femurkomponenten verwenden.

Postoperative Phase und Mobilisation

Eine zügige Mobilisation ist entscheidend für den Rehabilitationserfolg:

  • Physiotherapeutisches Assessment und Mobilisation am Tag nach der Operation (sofern medizinisch nicht kontraindiziert).
  • Tägliche Mobilisation (mindestens einmal pro Tag) und regelmäßige physiotherapeutische Reevaluation.

Multidisziplinäres Management

Ab der Aufnahme sollte ein formales, orthogeriatrisches Hip Fracture Programme etabliert werden. Dieses umfasst:

  • Ein orthogeriatrisches Assessment und die schnelle Optimierung der OP-Fähigkeit.
  • Die frühzeitige Definition individueller Rehabilitationsziele.
  • Aktives Screening auf kognitive Einschränkungen und die Prävention bzw. Behandlung eines Delirs.
  • Die Planung einer frühzeitigen unterstützten Entlassung (Early Supported Discharge), sofern der Patient medizinisch stabil ist und das Rehabilitationspotenzial noch nicht voll ausgeschöpft wurde.

💡Praxis-Tipp

Verzögern Sie die Operation nicht unnötig. Führen Sie den Eingriff am Tag der Aufnahme oder am Folgetag durch und nutzen Sie Nervenblöcke zur präoperativen Schmerzreduktion und Opioid-Einsparung.

Häufig gestellte Fragen

Die Operation sollte am Tag der Aufnahme oder am Folgetag durchgeführt werden. Korrigierbare Komorbiditäten müssen sofort behandelt werden, um den Eingriff nicht zu verzögern.
Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) werden laut Leitlinie zur Schmerzbehandlung bei Hüftfrakturen nicht empfohlen.
Eine TEP sollte bei dislozierten intrakapsulären Frakturen erwogen werden, wenn der Patient zuvor unabhängig (mit max. einem Stock) mobil war, keine Kontraindikationen vorliegen und eine unabhängige Lebensführung für mehr als 2 Jahre zu erwarten ist.
Primär sollte ein MRT angeboten werden. Falls dieses nicht innerhalb von 24 Stunden verfügbar oder kontraindiziert ist, sollte ein CT durchgeführt werden.
Sofern keine medizinischen oder chirurgischen Kontraindikationen vorliegen, sollte die Mobilisation bereits am Tag nach der Operation beginnen.

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