Polytrauma: Erstversorgung und Schockraum-Management

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Schwere Traumata gehen mit einer hohen Mortalität und langfristigen Einschränkungen einher. Die initiale Beurteilung zielt darauf ab, lebensbedrohliche Verletzungen schnell zu identifizieren.

Hierbei wird laut Leitlinie ein strukturiertes Vorgehen nach dem ABCDE-Schema empfohlen. Dies umfasst die Kontrolle katastrophaler Blutungen, Atemwege, Atmung, Kreislauf, neurologischer Status und Exposition.

Die NICE-Leitlinie NG39 liefert evidenzbasierte Empfehlungen für die präklinische und innerklinische Erstversorgung. Der Fokus liegt auf einem raschen Transport in ein überregionales Traumazentrum sowie der zeitkritischen Blutungskontrolle.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Erstversorgung:

Atemwegsmanagement

  • Als definitive Methode zur Sicherung der Atemwege wird die medikamentengestützte Rapid Sequence Induction (RSI) empfohlen.

  • Präklinisch sollte die RSI innerhalb von 45 Minuten nach dem ersten Notruf angestrebt werden.

  • Bei einem Versagen der RSI wird die Nutzung supraglottischer Atemwegshilfen oder grundlegender Atemwegsmanöver empfohlen.

Thoraxverletzungen

  • Eine Entlastung bei Verdacht auf einen Spannungspneumothorax wird nur bei hämodynamischer Instabilität oder schwerer respiratorischer Insuffizienz empfohlen.

  • Sofern die entsprechende Expertise vorhanden ist, wird die offene Thorakostomie der Nadeldekompression vorgezogen.

  • Ein offener Pneumothorax sollte mit einem einfachen Okklusivverband abgedeckt werden.

Blutungskontrolle und Volumentherapie

  • Zur Kontrolle externer Blutungen wird direkter Druck empfohlen, bei Extremitätentraumata ein Tourniquet, falls der Druck nicht ausreicht.

  • Bei Verdacht auf eine Beckenblutung nach stumpfem Hochrasanztrauma wird die Anlage einer Beckenschlinge empfohlen.

  • Es wird eine restriktive Volumentherapie empfohlen, bis die Blutung definitiv kontrolliert ist.

  • Ist bei einem begleitenden Schädel-Hirn-Trauma dieses die führende Verletzung, wird eine weniger restriktive Volumentherapie zum Erhalt der zerebralen Perfusion empfohlen.

Bildgebung

  • Bei Erwachsenen mit stumpfem Polytrauma und Verdacht auf Mehrfachverletzungen wird ein Ganzkörper-CT empfohlen.

  • Bei Kindern wird von einem routinemäßigen Ganzkörper-CT abgeraten.

  • Ein negativer FAST-Ultraschall schließt eine Blutung nicht aus und sollte nicht als alleiniges Screening-Tool für die Indikation eines CTs verwendet werden.

Schmerztherapie

  • Als Analgetikum der ersten Wahl wird intravenöses Morphin empfohlen.

  • Bei fehlendem intravenösem Zugang kann eine intranasale Gabe von Diamorphin oder Ketamin erwogen werden.

  • Ketamin in analgetischer Dosierung wird als Mittel der zweiten Wahl eingestuft.

Dosierung

Die Leitlinie gibt folgende spezifische Dosierungs- und Therapieschemata für die Volumentherapie und Gerinnung vor:

MaßnahmeDosierung / SchemaIndikation / Zielgruppe
Tranexamsäure (TXA)Intravenös, so früh wie möglichAktive oder vermutete Blutung (Gabe < 3h nach Trauma)
Blutprodukte (Erwachsene)1 Einheit Plasma : 1 Einheit ErythrozytenkonzentratVolumenersatz bei aktiver Blutung
Blutprodukte (Kinder)1 Teil Plasma : 1 Teil Erythrozytenkonzentrat (gewichts-adaptiert)Volumenersatz bei aktiver Blutung
Prothrombinkomplex-Konzentrat (PPSB)Sofortige GabeNotfallmäßige Antagonisierung von Vitamin-K-Antagonisten

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert folgende explizite Warnhinweise und Kontraindikationen:

  • Tranexamsäure: Eine intravenöse Gabe später als 3 Stunden nach dem Trauma wird nicht empfohlen, es sei denn, es liegt eine nachgewiesene Hyperfibrinolyse vor.

  • Kristalloide Lösungen: Im innerklinischen Setting wird von der Verwendung von Kristalloiden bei Personen mit aktiver Blutung abgeraten.

  • Antikoagulanzien-Reversierung: Plasma soll nicht zur Antagonisierung von Vitamin-K-Antagonisten bei schwerem Trauma verwendet werden.

  • Bildgebung bei Kindern: Ein routinemäßiges Ganzkörper-CT zur Primärdiagnostik bei Kindern unter 16 Jahren wird nicht empfohlen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein negativer FAST-Ultraschall schließt eine intraperitoneale oder retroperitoneale Blutung nicht sicher aus. Zudem betont die Leitlinie, dass bei aktiven Blutungen im Krankenhaus auf kristalloide Lösungen verzichtet und stattdessen frühzeitig ein festes Verhältnis von Plasma zu Erythrozytenkonzentraten (1:1) verwendet werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird die intravenöse Gabe von Tranexamsäure so früh wie möglich bei aktiver oder vermuteter Blutung empfohlen. Nach Ablauf von 3 Stunden nach dem Trauma sollte sie jedoch nicht mehr routinemäßig verabreicht werden.

Die Leitlinie empfiehlt intravenöses Morphin als Analgetikum der ersten Wahl. Wenn kein intravenöser Zugang besteht, kann eine intranasale Gabe von Diamorphin oder Ketamin erwogen werden.

Eine Entlastung wird nur bei hämodynamischer Instabilität oder schwerer respiratorischer Insuffizienz empfohlen. Dabei wird die offene Thorakostomie gegenüber der Nadeldekompression bevorzugt.

Bei Erwachsenen wird ein Verhältnis von 1 Einheit Plasma zu 1 Einheit Erythrozytenkonzentrat empfohlen. Bei Kindern gilt das gleiche Verhältnis (1:1), wobei das Volumen an das Körpergewicht angepasst wird.

Nein, die Leitlinie rät von einem routinemäßigen Ganzkörper-CT bei Kindern unter 16 Jahren ab. Die Bildgebung sollte gezielt nach klinischer Einschätzung erfolgen.

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Quelle: NG39: Major trauma: assessment and initial management (NICE, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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