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Polytrauma-Management: NICE-Leitlinie zur Erstversorgung

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Rapid Sequence Induction (RSI) ist die definitive Methode der Atemwegssicherung und sollte präklinisch innerhalb von 45 Minuten erfolgen.
  • Tranexamsäure muss bei aktiver Blutung so früh wie möglich, spätestens jedoch nach 3 Stunden verabreicht werden.
  • Bei aktiver Blutung wird eine restriktive Volumentherapie empfohlen; im klinischen Setting sollen hierfür keine Kristalloide verwendet werden.
  • Erwachsene mit stumpfem Polytrauma erhalten standardmäßig ein Ganzkörper-CT, bei Kindern ist dies nicht routinemäßig indiziert.
  • Intravenöses Morphin ist das Analgetikum der ersten Wahl in der Traumaversorgung.
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Hintergrund

Das initiale Assessment von Polytraumapatienten zielt auf die rasche Identifikation und Behandlung lebensbedrohlicher Verletzungen ab. Die Beurteilung erfolgt strukturiert nach dem <C>ABCDE-Schema (Catastrophic haemorrhage, Airway, Breathing, Circulation, Disability, Exposure). Die optimale Zielklinik für Patienten mit schwerem Trauma ist in der Regel ein überregionales Traumazentrum (Major Trauma Centre).

Atemwegsmanagement

Die Sicherung der Atemwege hat höchste Priorität bei Patienten, die diese nicht selbstständig aufrechterhalten können.

StufeMaßnahmeBemerkung
1Drug-assisted RSIDefinitive Methode der Wahl. Präklinisch Ziel: <45 min nach Notruf.
2Supraglottischer AtemwegBei fehlenden Atemwegsreflexen, wenn RSI nicht möglich oder fehlgeschlagen.
3Basic Manoeuvres / AdjunctsBei vorhandenen Reflexen oder wenn supraglottische Devices nicht möglich sind.
4Chirurgischer AtemwegUltima Ratio bei Versagen der vorherigen Maßnahmen.

Thoraxtrauma

Die Diagnose eines Pneumothorax erfolgt primär durch klinische Beurteilung. Ein eFAST (extended Focused Assessment with Sonography for Trauma) kann ergänzend eingesetzt werden, schließt aber einen Pneumothorax bei negativem Befund nicht aus.

  • Führen Sie eine Thoraxdekompression bei Verdacht auf Spannungspneumothorax nur bei hämodynamischer Instabilität oder schwerer respiratorischer Beeinträchtigung durch.
  • Verwenden Sie bevorzugt die offene Thorakostomie anstelle einer Nadeldekompression, sofern die Expertise vorhanden ist.
  • Bei einem offenen Pneumothorax: Abdeckung mit einem einfachen Okklusivverband und Beobachtung auf Entwicklung eines Spannungspneumothorax.

Blutungsmanagement und Gerinnung

Die Kontrolle von katastrophalen Blutungen ist der erste Schritt der Traumaversorgung.

MaßnahmeIndikationBemerkung
Manueller Druck / VerbandExterne BlutungErste Maßnahme zur Blutungskontrolle.
TourniquetSchwere ExtremitätenblutungWenn direkter Druck nicht ausreicht.
BeckenschlingeVerdacht auf BeckenfrakturBei stumpfem Hochrasanztrauma.
Tranexamsäure (TXA) i.v.Aktive/vermutete BlutungSo früh wie möglich, max. 3 Stunden nach Trauma (außer bei Hyperfibrinolyse).
Prothrombinkomplex (PPSB)Blutung unter Vitamin-K-AntagonistenSofortige Gabe. Kein Plasma zur Antagonisierung verwenden!

Volumentherapie

Bei aktiver Blutung ist eine restriktive Volumentherapie indiziert, bis die Blutung definitiv kontrolliert ist.

Setting / SituationStrategieZielparameter / Bemerkung
PräklinischRestriktivTitration auf tastbaren zentralen Puls (Carotis/Femoralis). Kristalloide nur, wenn keine Blutprodukte verfügbar.
KlinischRestriktivKeine Kristalloide bei aktiver Blutung.
Transfusion (Erwachsene)Fixed-Ratio-ProtokollVerhältnis 1:1 (Plasma zu Erythrozyten).
Transfusion (Kinder)GewichtsadaptiertVerhältnis 1 Teil Plasma zu 1 Teil Erythrozyten.
Hämorrhagie + SHTSituationsabhängigBei führendem SHT weniger restriktiv zur Erhaltung der zerebralen Perfusion.

Bildgebung

Die Bildgebung muss dringlich erfolgen und sofort von geschultem Personal befundet werden.

  • Erwachsene mit stumpfem Polytrauma: Führen Sie ein Ganzkörper-CT durch (Scanogramm Vertex bis Zehen, gefolgt von CT Vertex bis Mitte Oberschenkel). Patienten dürfen währenddessen nicht umgelagert werden.
  • Kinder (<16 Jahre): Kein routinemäßiges Ganzkörper-CT. Die CT-Diagnostik sollte nach klinischem Ermessen auf die notwendigen Körperregionen beschränkt werden.
  • FAST-Ultraschall: Ein negativer FAST schließt eine intra- oder retroperitoneale Blutung nicht aus. FAST darf ein indiziertes CT nicht verzögern und nicht als Screening-Tool zur Indikationsstellung eines CTs verwendet werden.

Schmerztherapie

Die Schmerzerfassung muss regelmäßig mit alters- und kognitionsgerechten Skalen erfolgen.

WirkstoffApplikationswegIndikation / Bemerkung
Morphini.v.1. Wahl. Dosierung nach Bedarf titrieren.
Diamorphin / Ketaminintranasal (zerstäubt)Alternative, wenn kein i.v.-Zugang etabliert ist.
Ketamini.v.2. Wahl in analgetischer Dosierung.

💡Praxis-Tipp

Verabreichen Sie bei Patienten mit aktiver Blutung Tranexamsäure zwingend innerhalb der ersten 3 Stunden. Nutzen Sie im klinischen Setting bei aktiver Blutung keine Kristalloide, sondern transfundieren Sie Blutprodukte im Verhältnis 1:1 (Plasma zu Erythrozyten).

Häufig gestellte Fragen

Tranexamsäure sollte so früh wie möglich, jedoch maximal bis zu 3 Stunden nach dem Trauma verabreicht werden, es sei denn, es liegt eine nachgewiesene Hyperfibrinolyse vor.
Es wird ein Ganzkörper-CT (Vertex bis Mitte Oberschenkel) empfohlen. Die Patienten sollten während des Scans nicht umgelagert werden.
Es wird eine restriktive Volumentherapie empfohlen, bis die Blutung definitiv kontrolliert ist. Präklinisch wird auf einen tastbaren zentralen Puls titriert, klinisch sollen keine Kristalloide verwendet werden.
Intravenöses Morphin ist das Analgetikum der ersten Wahl und sollte nach Bedarf titriert werden. Bei fehlendem Zugang kann intranasales Diamorphin oder Ketamin erwogen werden.
Die Antagonisierung von Vitamin-K-Antagonisten sollte sofort mit Prothrombinkomplex-Konzentrat (PPSB) erfolgen. Plasma darf hierfür nicht verwendet werden.

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