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WHO2007

Chirurgische Notfallversorgung im Katastrophenfall (WHO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine Antibiotikaprophylaxe erfolgt präoperativ (innerhalb von 2 Stunden vor Schnitt) bei hohem Infektionsrisiko.
  • Offene Frakturen gelten immer als kontaminiert und dürfen nicht primär verschlossen werden (Debridement innerhalb von 6 Stunden).
  • Die Tetanusprophylaxe richtet sich nach dem Immunstatus des Patienten und dem Risikoprofil der Wunde.
  • Wunden, die älter als 6 Stunden sind, gelten als kolonisiert und erfordern eine therapeutische Antibiotikagabe für 5-7 Tage.
  • Die Autoklavierung (Dampfsterilisation) ist die bevorzugte und sicherste Methode zur Instrumentenaufbereitung.
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Hintergrund

In Katastrophensituationen erfordert die chirurgische Notfallversorgung pragmatische und sichere Ansätze unter oft stark eingeschränkten Ressourcen. Die WHO-Leitlinie fokussiert sich auf Infektionsprävention, Wundversorgung, Reanimation und das Management von Traumata.

Infektionsprävention und Hygiene

Antibiotikaprophylaxe zielt darauf ab, Infektionen zu verhindern, nicht aber bestehende Kontaminationen zu behandeln.

  • Gabe innerhalb von 2 Stunden vor dem Hautschnitt, um adäquate Gewebespiegel zu erreichen.
  • Indiziert bei Wunden, die nicht sofort operiert werden (Verzögerung > 6 Stunden), bei offenen Frakturen, penetrierenden Verletzungen oder bei Hochrisikopatienten (z.B. Diabetes, Klappenvitien).
  • Topische Antibiotika oder Wundspülungen mit Antibiotika werden nicht empfohlen.

Wunden, die älter als 6 Stunden sind, gelten als kolonisiert und erfordern eine therapeutische Antibiotikagabe (z.B. Penicillin und Metronidazol) für 5–7 Tage.

Tetanusprophylaxe

Die Indikation zur aktiven und passiven Immunisierung richtet sich nach dem Impfstatus und der Wundart.

ImmunstatusSaubere WundeModerates RisikoHohes Risiko
Immunisiert, Booster < 5 JahreKeineKeineKeine
Immunisiert, Booster 5-10 JahreKeineTT oder TDTT oder TD
Immunisiert, Booster > 10 JahreTT oder TDTT oder TDTT oder TD
Unvollständig / UnbekanntTT oder TDTT oder TD + TIGTT oder TD + TIG

(TT = Tetanus-Toxoid, TD = Tetanus-Diphtherie, TIG = Tetanus-Immunglobulin)

Sterilisation

Die Autoklavierung (Dampfsterilisation) ist die Hauptmethode (20 Minuten bei 121–132 °C). Kochen von Instrumenten gilt als unzuverlässig und wird nicht routinemäßig empfohlen.

Schockmanagement

Das Erkennen und Behandeln von Schockzuständen hat oberste Priorität. Zu den klinischen Zeichen gehören Tachykardie, fadenförmiger Puls, kalte Extremitäten und Verwirrtheit.

SchockformPrimäre UrsacheTherapieansatz
HypovolämischBlut- oder FlüssigkeitsverlustSchnelle Volumengabe (NaCl oder Ringer-Laktat)
SeptischInadäquate GewebeperfusionVolumengabe (ggf. reduziertes Ansprechen)
AnaphylaktischAllergie / MedikamentenreaktionEpinephrin und i.v. Flüssigkeit
NeurogenSpinales TraumaAtropin (bei Bradykardie) und Flüssigkeit

Wundmanagement

Die Entscheidung über den Wundverschluss hängt vom Kontaminationsgrad ab:

WundtypDefinitionManagement
SauberKeine KontaminationPrimärer Wundverschluss
Sauber-kontaminiertNormales, aber kolonisiertes GewebeVerzögerter Primärverschluss (nach 48h)
KontaminiertEnthält Fremdkörper / totes GewebeSekundäre Wundheilung (offen lassen)
InfiziertEiter vorhandenSekundäre Wundheilung (offen lassen)

Kernaussagen zur Wundversorgung:

  • Kontaminierte und infizierte Wunden niemals primär verschließen.
  • Ein chirurgisches Debridement umfasst die Entfernung von Fremdkörpern und devitalisiertem Gewebe (totes Gewebe blutet nicht, wenn es geschnitten wird).
  • Wunden zur sekundären Heilung werden mit feuchter Kochsalzgaze tamponiert.

Frakturmanagement

Offene Frakturen

  • Gelten immer als kontaminiert. Primärer Verschluss ist absolut kontraindiziert (Gefahr von Anaerobier-Infektionen und chronischer Osteomyelitis).
  • Chirurgisches Debridement muss innerhalb von 6 Stunden erfolgen.
  • Fraktur nach Debridement stabilisieren (z.B. Gips, Traktion, Fixateur externe).

Spezifische Frakturen (Auswahl)

  • Beckenfrakturen: Instabile Frakturen führen oft zu hämorrhagischem Schock. Notfallmaßnahme: Kompression der Iliakalflügel (z.B. mit einem Laken) zur Tamponade der Blutung.
  • Femurschaftfrakturen: Debridement bei offenen Brüchen, ansonsten Behandlung mittels Traktion (z.B. Perkin-Traktion).
  • Tibiaschaftfrakturen: Hohes Risiko für offene Frakturen und Kompartmentsyndrom. Bei Zeichen eines Kompartmentsyndroms (zunehmender Schmerz, Blässe, Schmerz bei passiver Zehenbewegung) ist eine sofortige chirurgische Entlastung (Fasziotomie) indiziert.

Amputationen

Amputationen sind definitive Eingriffe bei irreparablen Traumata, schweren Infektionen oder Tumoren.

  • Guillotine-Amputation: Notfallverfahren bei kontaminierten Wunden/Infektionen. Haut, Muskeln und Knochen werden auf gleicher Höhe durchtrennt. Die Wunde bleibt offen und wird alle 2-5 Tage debridiert, bis sie sauber ist.
  • Definitive Amputation: Elektiver Eingriff an sauberen Extremitäten. Hautlappen werden so geformt, dass sie spannungsfrei verschlossen werden können.

💡Praxis-Tipp

Verschließen Sie offene Frakturen oder kontaminierte Wunden niemals primär. Führen Sie stattdessen ein chirurgisches Debridement durch und lassen Sie die Wunde für eine sekundäre oder verzögerte primäre Heilung offen.

Häufig gestellte Fragen

Bei Wunden mit hohem Risiko (z.B. penetrierende Verletzungen, offene Frakturen) oder wenn ein chirurgischer Eingriff um mehr als 6 Stunden verzögert wird.
Sie gelten als bakteriell kolonisiert. Es sollte eine therapeutische Antibiotikagabe (5-7 Tage) erfolgen, ein primärer Wundverschluss ist zu vermeiden.
Die Autoklavierung (Dampfsterilisation) bei 121–132 °C für 20-30 Minuten. Das Kochen von Instrumenten wird nicht mehr empfohlen.
Anlage einer Beckenschlinge (oder eines Lakens) zur Kompression der Iliakalflügel, um aktive Blutungen zu tamponieren, kombiniert mit systemischer Reanimation.
Das chirurgische Debridement ist ein Notfall und muss innerhalb von 6 Stunden durchgeführt werden.

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