ClariMedClariMed
NICE2025Gynäkologie

Fruehgeburt und vorzeitige Wehen: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Prophylaktisches vaginales Progesteron oder eine Cerclage werden bei einer Zervixlaenge von <= 25 mm und stattgehabter Fruehgeburt empfohlen.
  • Die Diagnostik bei intakter Fruchtblase ab 30+0 SSW erfolgt mittels transvaginalem Ultraschall (Zervixlaenge) oder fetalem Fibronektin.
  • Mittel der Wahl zur Tokolyse ist Nifedipin (Off-Label); Betamimetika sollen nicht verwendet werden.
  • Kortikosteroide zur Lungenreife sollen primaer zwischen 24+0 und 33+6 SSW angeboten werden (maximal 2 Zyklen insgesamt).
  • Magnesiumsulfat zur Neuroprotektion des Neugeborenen wird zwischen 24+0 und 29+6 SSW empfohlen.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie behandelt die Betreuung von Frauen mit Einlingsschwangerschaften, die ein erhoehtes Risiko fuer eine Fruehgeburt (vor 37+0 SSW) aufweisen oder Symptome vorzeitiger Wehen zeigen. Ziel ist es, die Risiken fuer das Neugeborene durch evidenzbasierte Interventionen zu minimieren.

Prophylaxe der Fruehgeburt

Fuer Frauen mit erhoehtem Risiko stehen prophylaktisches vaginales Progesteron und die prophylaktische Zervixcerclage zur Verfuegung. Die Entscheidung sollte gemeinsam mit der Patientin nach Aufklaerung ueber Risiken und Nutzen getroffen werden.

MassnahmeIndikationBemerkung
Vaginales ProgesteronZervixlaenge <= 25 mm (16+0 bis 24+0 SSW) UND/ODER stattgehabte Fruehgeburt/SpuetabortStart zwischen 16+0 und 24+0 SSW, Fortfuehrung bis mind. 34 SSW
ZervixcerclageZervixlaenge <= 25 mm UND P-PROM in Vor-Schwangerschaft oder ZervixtraumaPlan zur Fadenentfernung muss zwingend dokumentiert werden

Vorzeitiger Blasensprung (P-PROM)

Diagnostik

Bei Verdacht auf P-PROM erfolgt zunaechst eine Spekulumuntersuchung.

  • Fruchtwasser sichtbar: Keine weiteren diagnostischen Tests, direkte Behandlung einleiten.
  • Kein Fruchtwasser sichtbar: Test auf IGFBP-1 (Insulin-like growth factor binding protein-1) oder PAMG-1 (Placental alpha-microglobulin-1) im Vaginalsekret.
  • Nicht empfohlen: Nitrazin-Tests duerfen nicht zur Diagnose verwendet werden.

Antibiotische Prophylaxe

Zur Prophylaxe einer intrauterinen Infektion bei P-PROM:

WirkstoffDosierungDauer
Erythromycin (1. Wahl)250 mg oral, 4x taeglichMax. 10 Tage oder bis zur etablierten Geburt
Penicillin oralIndividuellNur bei Kontraindikation/Unvertraeglichkeit gegen Erythromycin
Amoxicillin/ClavulansaeureKontraindiziertSoll nicht verwendet werden

Hinweis zur Infektionsdiagnostik: Eine intrauterine Infektion darf niemals nur durch einen einzelnen Parameter (z. B. isoliertes CRP, Leukozyten oder CTG) bestaetigt oder ausgeschlossen werden. Es ist stets eine Kombination aus klinischer Einschaetzung und Tests erforderlich.

Diagnostik bei vorzeitigen Wehen (intakte Fruchtblase)

Das Vorgehen richtet sich nach dem Gestationsalter bei Praesentation:

GestationsalterDiagnostik & Vorgehen
<= 29+6 SSWKlinische Diagnose. Direkte Therapie (Tokolyse, Lungenreife) bei Verdacht.
>= 30+0 SSWTransvaginaler Ultraschall (Zervixlaenge) oder fetales Fibronektin.

Interpretation ab 30+0 SSW:

  • Zervixlaenge > 15 mm oder Fibronektin <= 50 ng/ml: Fruehgeburt unwahrscheinlich.
  • Zervixlaenge <= 15 mm oder Fibronektin > 50 ng/ml: Diagnose gesichert, Therapie einleiten.
  • Wichtig: Ultraschall und Fibronektin-Test duerfen nicht in Kombination angewendet werden.

Tokolyse

Die Entscheidung zur Tokolyse haengt von Gestationsalter, Infektionszeichen und dem Nutzen der Lungenreife ab.

WirkstoffIndikation (SSW)Empfehlung
Nifedipin26+0 bis 33+6Mittel der 1. Wahl (Off-Label)
Nifedipin24+0 bis 25+6Kann erwogen werden
Oxytocin-Rezeptor-AntagonistenWie Nifedipin2. Wahl (wenn Nifedipin kontraindiziert ist)
BetamimetikaKeineSollen nicht angeboten werden

Kortikosteroide (Lungenreife)

Die Gabe von maternalen Kortikosteroiden verbessert die fetale Lungenfunktion. Es duerfen maximal 2 Zyklen verabreicht werden.

GestationsalterEmpfehlungsgrad
22+0 bis 23+6 SSWMit der Patientin diskutieren
24+0 bis 33+6 SSWSoll angeboten werden
34+0 bis 35+6 SSWKann erwogen werden

Ein einzelner Wiederholungszyklus kann erwogen werden, wenn die Schwangerschaft < 34+0 SSW ist, der erste Zyklus > 7 Tage zurueckliegt und ein sehr hohes Risiko fuer eine Geburt innerhalb von 48 Stunden besteht.

Magnesiumsulfat zur Neuroprotektion

Magnesiumsulfat senkt das Risiko fuer neurologische Schaeden beim Fruehgeborenen.

GestationsalterEmpfehlungsgrad
23+0 bis 23+6 SSWMit der Patientin diskutieren
24+0 bis 29+6 SSWSoll angeboten werden
30+0 bis 33+6 SSWKann erwogen werden

Dosierungsschema:

  • 4 g intravenoeser Bolus ueber 15 Minuten.
  • Gefolgt von 1 g/Stunde als Dauerinfusion bis zur Geburt oder fuer maximal 24 Stunden.
  • Monitoring: Mindestens alle 4 Stunden Puls, Blutdruck, Atemfrequenz und tiefe Sehnenreflexe (z. B. Patellarsehnenreflex) pruefen. Bei Oligurie Dosis reduzieren oder stoppen.

Fetale Ueberwachung und Geburt

  • Ueberwachung: Bei etablierten vorzeitigen Wehen ohne weitere Risikofaktoren kann zwischen CTG und intermittierender Auskultation gewaehlt werden. Eine fetale Kopfschwartenelektrode oder Fetalblutanalyse soll bei < 34+0 SSW nicht routinemaessig durchgefuehrt werden.
  • Geburtsmodus: Bei Beckenendlage zwischen 26+0 und 36+6 SSW sollte eine Sectio caesarea erwogen werden.
  • Abnabeln: Bei Fruehgeborenen (vaginal oder Sectio) soll mindestens 60 Sekunden mit dem Abnabeln gewartet werden, sofern keine akuten muetterlichen oder fetalen Notfaelle vorliegen. Das Baby sollte dabei auf oder unter Plazentaniveau gehalten werden.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie zur Diagnostik eines P-PROM keine Nitrazin-Tests. Schliessen Sie eine intrauterine Infektion niemals nur anhand eines einzelnen Parameters (wie einem alleinigen CRP-Wert) aus.

Häufig gestellte Fragen

Nifedipin (Off-Label) wird fuer Frauen zwischen 26+0 und 33+6 SSW als Mittel der ersten Wahl empfohlen. Betamimetika sollen nicht verwendet werden.
Sie soll zwischen 24+0 und 33+6 SSW angeboten werden. Ein einzelner Wiederholungszyklus ist moeglich, wenn der erste >7 Tage zurueckliegt und die Geburt in 48h droht.
Ein 4 g i.v. Bolus ueber 15 Minuten, gefolgt von einer Erhaltungsdosis von 1 g/h bis zur Geburt (maximal fuer 24 Stunden).
Bei Frauen ab 30+0 SSW mit intakter Fruchtblase spricht eine Zervixlaenge von <= 15 mm im transvaginalen Ultraschall fuer eine drohende Fruehgeburt.
Erythromycin 250 mg oral 4-mal taeglich fuer maximal 10 Tage. Amoxicillin/Clavulansaeure darf nicht verwendet werden.

Verwandte Leitlinien