ClariMedClariMed

Betreuung unter der Geburt: Aktuelle NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Wahl des Geburtsortes sollte individuell unter Berücksichtigung von Parität und BMI erfolgen.
  • Bei vorzeitigem Blasensprung am Termin (ab 37+0 SSW) kann zwischen abwartendem Management (bis 24h) und sofortiger Einleitung gewählt werden.
  • Zur Schmerzlinderung können neben Wasserbad und PDA auch sterile Wasserinjektionen oder eine Remifentanil-PCA erwogen werden.
  • Eine Verlegung in ärztliche Betreuung ist bei Warnzeichen wie Mekonium im Fruchtwasser, Fieber oder pathologischem CTG indiziert.
  • Die flache Rückenlage sollte in der Austreibungsphase vermieden werden, da sie die plazentare Durchblutung mindern kann.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie zur Betreuung unter der Geburt (Intrapartum Care) richtet sich an gesunde Frauen mit unkomplizierten Schwangerschaften am Termin (37+0 bis 42+0 SSW). Sie fokussiert sich auf die Förderung einer sicheren, individuellen und respektvollen Geburtsbegleitung und bietet evidenzbasierte Empfehlungen für alle Geburtssettings.

Definition der Geburtsphasen

PhaseDefinitionBemerkung
LatenzphaseWehen + Zervixveränderung bis 4 cmKeine routinemäßige Intervention empfohlen
Aktive EröffnungsphaseRegelmäßige Wehen + Zervixdilatation ab 4 cmPartogramm-Führung empfohlen
Passive AustreibungsphaseVollständige Dilatation ohne aktives PressenBei PDA bis zu 2 Stunden möglich
Aktive AustreibungsphaseSichtbares Kind oder aktives Pressen bei vollständiger DilatationStündliche vaginale Untersuchung angeboten

Wahl des Geburtsortes

Frauen sollten darüber aufgeklärt werden, dass eine Geburt generell sehr sicher ist. Die Wahl des Geburtsortes (Hausgeburt, hebammengeleitete Einrichtung, ärztlich geleitete Geburtsklinik) hängt von Parität und Risikofaktoren ab:

  • Mehrgebärende (Low-Risk): Hausgeburten und hebammengeleitete Einrichtungen haben niedrigere Interventionsraten bei gleicher kindlicher Sicherheit wie Kliniken.
  • Erstgebärende (Low-Risk): Hebammengeleitete Einrichtungen senken Interventionsraten. Bei Hausgeburten besteht ein leicht erhöhtes Risiko für kindliche Komplikationen (ca. 4 zusätzliche Fälle pro 1.000 Geburten).
  • Einfluss des BMI: Ein BMI >35 kg/m2 erhöht das Risiko für Komplikationen (z.B. postpartale Hämorrhagie, ungeplanter Kaiserschnitt), weshalb eine ärztlich geleitete Einrichtung erwogen werden sollte.

Schmerztherapie unter der Geburt

Die Leitlinie empfiehlt eine individuelle Schmerztherapie. Aromatherapie, Yoga oder Akupressur werden in der Latenzphase nicht routinemäßig empfohlen, die Wahl der Frau sollte jedoch unterstützt werden.

MethodeIndikation / AnwendungWichtige Hinweise
WasserbadSchmerzlinderungWassertemperatur max. 37,5°C, stündliche Kontrolle
Sterile WasserinjektionenRückenschmerzen unter der Geburt4 Injektionen (intrakutan/subkutan) an der Michaelis-Raute, Wirkeintritt nach 10 Min
Remifentanil-PCAAlternative zu Epidural/OpioidenNur in ärztlich geleiteten Kliniken, 1:1 Betreuung, kontinuierliche Atemüberwachung nötig
Epiduralanalgesie (PDA)Starke SchmerzenVerlängert die Austreibungsphase, erhöht Rate vaginal-operativer Entbindungen

Vorzeitiger Blasensprung am Termin (PROM)

Bei Verdacht auf Blasensprung ab 37+0 SSW erfolgt eine telefonische Triage. Liegen keine Risikofaktoren vor, haben Frauen zwei Optionen:

  • Abwartendes Management: Bis zu 24 Stunden. Keine routinemäßigen vaginalen Abstriche oder CRP-Kontrollen. Temperatur alle 4 Stunden messen.
  • Sofortige Einleitung: Kann auf Wunsch direkt erfolgen.

Nach 24 Stunden ohne Wehenbeginn wird eine Einleitung empfohlen, und die Geburt sollte in einer Einrichtung mit Zugang zu Neonatologie stattfinden.

Überwachung und Verlegungskriterien

Während der Eröffnungsphase wird das fetale Herzschlagmuster nach Wehen auskultiert. Eine Verlegung in ärztliche Betreuung ist bei folgenden Warnzeichen indiziert:

KategorieVerlegungskriterien (Auswahl)
MütterlichPuls >120/min, RR >160/110 mmHg, Temperatur >38°C, frische Blutung, Mekonium im Fruchtwasser
FetalNicht-Schädellage, pathologisches CTG, verminderte Kindsbewegungen, Verdacht auf Wachstumsrestriktion

Verzögerung der Eröffnungsphase

Bei Verdacht auf Verzögerung (Zervixdilatation <2 cm in 4 Stunden) wird eine vaginale Untersuchung nach 2 Stunden empfohlen.

  • Amniotomie: Kann bei intakter Fruchtblase erwogen werden (verkürzt die Geburt um ca. 1 Stunde).
  • Oxytocin: Bei ausbleibendem Fortschritt nach Amniotomie. Erfordert kontinuierliches CTG. Dosissteigerung maximal alle 30 Minuten bis 3-4 Wehen/10 Minuten erreicht sind.

Austreibungsphase und Geburtsposition

Frauen sollten ermutigt werden, jede bequeme Position einzunehmen. Die flache Rückenlage ist zu vermeiden, da sie den Blutdruck senken und die plazentare Durchblutung vermindern kann. Bei Frauen ohne PDA können aufrechte Positionen fetale Herzfrequenzanomalien und Episiotomieraten reduzieren.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie bei einem vorzeitigen Blasensprung am Termin ohne Wehen keine routinemäßigen vaginalen Abstriche oder CRP-Werte, solange ein abwartendes Management (bis 24h) gewählt wird. Raten Sie der Patientin stattdessen zu 4-stündlichen Temperaturkontrollen.

Häufig gestellte Fragen

Frauen können zwischen sofortiger Einleitung und abwartendem Management (bis zu 24 Stunden) wählen. Nach 24 Stunden ohne Wehenbeginn wird eine Einleitung empfohlen.
Ja, sie kann als Alternative erwogen werden, erfordert jedoch zwingend eine 1:1-Betreuung, kontinuierliche Überwachung der Atmung und sofortige anästhesiologische Verfügbarkeit in einer ärztlich geleiteten Klinik.
Eine Muttermundserweiterung von weniger als 2 cm in 4 Stunden bei Erstgebärenden oder eine Verlangsamung des Fortschritts bei Mehrgebärenden.
Frauen sollten ermutigt werden, jede bequeme Position einzunehmen. Die flache Rückenlage sollte strikt vermieden werden, da sie den Blutdruck senken und die plazentare Durchblutung mindern kann.

Verwandte Leitlinien