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NICE2025Gynäkologie

Kaiserschnitt (Sectio): Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Dringlichkeit der Sectio wird in vier Kategorien eingeteilt (Kategorie 1 erfordert eine Entbindung innerhalb von 30 Minuten).
  • Bei mütterlichem Wunsch nach einer Sectio ohne medizinische Indikation soll nach ausführlicher Beratung dem Wunsch entsprochen werden.
  • Die prophylaktische Antibiotikagabe muss zwingend vor dem Hautschnitt erfolgen (ohne Co-Amoxiclav).
  • Zur Hautdesinfektion wird alkoholbasiertes Chlorhexidin empfohlen, bei vorzeitigem Blasensprung zusätzlich eine vaginale Vorbereitung mit Povidon-Jod.
  • Die postoperative Schmerztherapie basiert primär auf intrathekalem/epiduralem Diamorphin oder Morphin sowie Paracetamol kombiniert mit NSAR.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie fasst die evidenzbasierten Empfehlungen zur Planung, Durchführung und Nachsorge der Sectio caesarea (Kaiserschnitt) zusammen. Sie zielt darauf ab, die Konsistenz und Qualität der Versorgung für Schwangere zu verbessern.

Indikationen und Planung

Die Entscheidung zum Geburtsmodus soll frühzeitig und partizipativ getroffen werden. Spezifische klinische Situationen erfordern ein differenziertes Vorgehen:

  • Beckenendlage: Ab 36+0 SSW soll eine äußere Wendung angeboten werden. Vor einer geplanten Sectio ist ein Ultraschall zur Lagekontrolle durchzuführen.
  • Placenta praevia/accreta: Bei Placenta praevia wird die Sectio empfohlen. Bei Verdacht auf Placenta accreta (Ultraschall in der 28.-29. SSW) muss die Überweisung in ein Spezialzentrum erfolgen.
  • Mütterliche Infektionen: Ein primärer Herpes genitalis im 3. Trimenon sowie eine Koinfektion von HIV und Hepatitis C sind Indikationen zur Sectio. Hepatitis B oder C allein rechtfertigen keine geplante Sectio.
  • Adipositas: Ein BMI > 50 kg/m² ist für sich allein keine Indikation zur geplanten Sectio.

Mütterlicher Wunsch nach Sectio

Besteht keine medizinische Indikation, sollen die Gründe für den Wunsch exploriert und Alternativen besprochen werden. Bei Tokophobie ist psychologische Unterstützung anzubieten. Bleibt der Wunsch bestehen, ist dieser zu respektieren und die Sectio in der eigenen Klinik durchzuführen.

Dringlichkeitskategorien

Zur klaren Kommunikation im interdisziplinären Team wird die Dringlichkeit standardisiert klassifiziert:

KategorieDefinitionZielzeit (Entscheidung bis Geburt)
1Unmittelbare Lebensgefahr für Mutter oder Fetus (z.B. Uterusruptur, Nabelschnurvorfall, fetale Bradykardie)< 30 Minuten
2Mütterliche oder fetale Gefährdung, nicht unmittelbar lebensbedrohlich< 75 Minuten
3Keine Gefährdung, aber frühe Entbindung erforderlich-
4Elektiv (angepasst an Mutter/Klinik)-

Präoperative Vorbereitung und Anästhesie

  • Anästhesieverfahren: Die Regionalanästhesie ist der Allgemeinanästhesie vorzuziehen.
  • Lagerung: Linksseitenlage (bis 15 Grad) zur Vermeidung eines Vena-cava-Kompressionssyndroms.
  • Kreislaufmanagement: Bei Spinalanästhesie prophylaktische Phenylephrin-Infusion starten (Ziel: RR > 90% des Ausgangswerts).
  • Medikation: Gabe von Antazida (z.B. PPI) und Antiemetika vor der Sectio.
  • Wärmemanagement: IV-Flüssigkeiten auf 37°C und Spüllösungen auf 38-40°C anwärmen.

Operationstechnik

Die Leitlinie empfiehlt standardisierte chirurgische Schritte zur Reduktion von Morbidität und Infektionen:

OP-SchrittEmpfehlungBemerkung
HautdesinfektionAlkoholbasiertes ChlorhexidinReduziert Wundinfektionen
Vaginale VorbereitungWässriges Povidon-JodIndiziert bei vorzeitigem Blasensprung
HautschnittTiefer, transversaler, gerader SchnittBei BMI > 40 kg/m² ggf. höherer Schnitt
UterusinzisionStumpfe ErweiterungReduziert Blutverlust und Transfusionsbedarf
PlazentalösungKontrollierter SchnurzugKeine manuelle Lösung (Infektionsrisiko)
UterusverschlussEin- oder zweischichtigIntraperitoneale Naht
PeritoneumNicht nähenWeder viszeral noch parietal (spart OP-Zeit/Schmerzmittel)
SubkutangewebeNur bei > 2 cm Fettschicht nähenKeine routinemäßigen Wunddrainagen
AntibiotikaVor dem HautschnittKein Co-Amoxiclav verwenden

Postoperative Überwachung und Schmerztherapie

Überwachung

Nach rückenmarksnaher Opioidgabe (Diamorphin oder Morphin) muss bei Patientinnen mit Risikofaktoren für eine Atemdepression eine stündliche Kontrolle von Atemfrequenz, Sedierung und O2-Sättigung für mindestens 12 Stunden erfolgen.

Schmerztherapie

MedikamentApplikationIndikation / Bemerkung
DiamorphinIntrathekal (bis 300 µg) / Epidural (bis 3 mg)Mittel der 1. Wahl zur Reduktion des postoperativen Bedarfs
Morphin (ohne Konservierungsstoffe) + FentanylIntrathekal (bis 100 µg Morphin + 15 µg Fentanyl)Alternative bei Diamorphin-Mangel
Paracetamol + NSAR (z.B. Ibuprofen)OralBasisschmerztherapie zur Opioid-Einsparung
Codein / Co-CodamolOralKontraindiziert in der Stillzeit (Gefahr der Atemdepression beim Neugeborenen)

Vaginale Geburt nach Sectio (VBAC)

Frauen, die eine vaginale Geburt nach vorheriger Sectio planen, sollen kontinuierlich per CTG überwacht werden. Die Entbindung darf nur in Kliniken stattfinden, die über eine sofortige Sectio-Bereitschaft und eine Blutbank verfügen.

💡Praxis-Tipp

Verabreichen Sie die Antibiotikaprophylaxe zwingend vor dem Hautschnitt (ohne Co-Amoxiclav) und verzichten Sie auf den Verschluss des Peritoneums, um OP-Zeit und postoperativen Schmerzmittelbedarf zu reduzieren.

Häufig gestellte Fragen

Die Entbindung sollte so schnell wie möglich erfolgen, in den meisten Situationen innerhalb von 30 Minuten nach der Entscheidung.
Nein, ein BMI über 50 kg/m² allein ist laut NICE-Leitlinie keine Indikation für eine geplante Sectio.
Codein und Co-Codamol dürfen in der Stillzeit nicht verwendet werden, da sie zu schwerer Sedierung und Atemdepression beim Neugeborenen führen können.
Die Plazenta sollte durch kontrollierten Schnurzug und nicht manuell gelöst werden, um das Risiko einer Endometritis zu senken.
Nein, weder das viszerale noch das parietale Peritoneum sollten genäht werden. Dies spart OP-Zeit und reduziert den postoperativen Schmerzmittelbedarf.

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