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Ernaehrung in Schwangerschaft & Kindheit: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Folsaeure (400 µg/d) wird bis zur 12. SSW empfohlen; eine Hochdosis (5 mg/d) ist nur bei spezifischen Risikofaktoren indiziert.
  • Schwangere und Stillende sollten taeglich 10 µg (400 IE) Vitamin D supplementieren.
  • Ein routinemaessiges Wiegen in der Schwangerschaft wird ohne klinische Indikation nicht empfohlen.
  • Ausschliessliches Stillen wird fuer etwa 6 Monate empfohlen, die Beikosteinfuehrung nicht vor dem 6. Lebensmonat.
  • Kinder von 1 bis 5 Jahren sollten 3 Hauptmahlzeiten und 2 gesunde Snacks erhalten; Fruchtsaft ist auf max. 150 ml/Tag zu begrenzen.
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Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG247 fasst evidenzbasierte Empfehlungen zur Ernaehrung, Gewichtskontrolle und Supplementierung waehrend der Schwangerschaft sowie fuer Kinder bis zum 5. Lebensjahr zusammen. Ziel ist die Foerderung der maternalen und kindlichen Gesundheit durch praeventive Massnahmen.

Folsaeure-Supplementierung

Eine adaequate Folsaeure-Zufuhr ist zur Praevention von Neuralrohrdefekten essenziell. Die Supplementierung sollte idealerweise 3 Monate vor der Konzeption beginnen und mindestens bis zur 12. Schwangerschaftswoche (SSW) fortgefuehrt werden.

RisikoprofilFolsaeure-DosisBemerkung
Standardrisiko400 µg/TagFuer alle Frauen mit Kinderwunsch oder in den ersten 12 SSW
Erhoehtes Risiko5 mg/TagBei spezifischen Risikofaktoren (siehe unten)

Indikationen fuer die Hochdosis (5 mg/Tag):

  • Eigene oder familiaere Anamnese von Neuralrohrdefekten oder kongenitalen Fehlbildungen
  • Vorherige Schwangerschaft mit Neuralrohrdefekt
  • Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2
  • Haematologische Erkrankungen (z.B. Sichelzellanämie, Thalassämie)
  • Einnahme von Medikamenten, die den Folsaeure-Metabolismus beeinflussen (z.B. Antiepileptika, HIV-Medikamente)

Wichtig: Ein Body-Mass-Index (BMI) ≥ 25 kg/m² oder ein erhoehtes Praeeklampsie-Risiko rechtfertigen keine Erhoehung der Dosis auf 5 mg, sofern keine anderen Risikofaktoren vorliegen. Patientinnen nach bariatrischer Chirurgie benoetigen eine individualisierte fachaerztliche Beratung.

Vitamin D und weitere Supplemente

Schwangere und Stillende sollten ueber die Bedeutung von Vitamin-Supplementen aufgeklaert werden.

  • Vitamin D: Empfohlen wird eine taegliche Dosis von 10 µg (400 IE) zwischen Oktober und Maerz. Bei erhoehtem Risiko fuer einen Mangel (z.B. dunkler Hauttyp, geringe Sonnenexposition) sollte die Einnahme ganzjaehrig erfolgen.
  • Vitamin A: Waehrend der Schwangerschaft duerfen keine Supplemente eingenommen werden, die Vitamin A (Retinol) oder Lebertran enthalten.
  • Vitamin B12: Bei restriktiver Ernaehrung (z.B. vegan) kann eine Supplementierung erforderlich sein.

Vitamin-Supplementierung fuer Babys und Kinder (bis 5 Jahre)

AlterGestillte BabysFormula-ernaehrte Babys (≥ 500 ml/Tag)Taegliche Vitamin-D-Dosis
0 bis 6 MonateVitamin DKeine (Formula ist angereichert)8,5 bis 10 µg (340-400 IE)
6 bis 12 MonateVitamin A, C und DKeine (Formula ist angereichert)8,5 bis 10 µg (340-400 IE)
1 bis 4 JahreVitamin A, C und DVitamin A, C und D10 µg (400 IE)

Gewicht und Ernaehrung in der Schwangerschaft

Das Gewicht und die Koerpergroesse sollten beim ersten persoenlichen Antenatal-Termin gemessen und der BMI berechnet werden.

  • BMI ≥ 30 kg/m²: Angebot einer Testung auf Gestationsdiabetes.
  • BMI ≥ 40 kg/m²: Diskussion ueber eine Ueberweisung an einen Adipositas-Spezialisten.
  • Gewichtsmonitoring: Ein routinemaessiges Wiegen im weiteren Schwangerschaftsverlauf wird nicht empfohlen, es sei denn, es liegt eine klinische Indikation vor (z.B. Gestationsdiabetes, Hyperemesis gravidarum).
  • Gewichtsabnahme: Eine intentionale Gewichtsabnahme waehrend der Schwangerschaft wird aufgrund moeglicher negativer Effekte auf das Baby nicht empfohlen.

Bei einem diagnostizierten Gestationsdiabetes gibt es keine Evidenz, dass eine spezifische Diaet (z.B. Low-Carb oder Low-Fat) anderen ueberlegen ist. Die Ernaehrung sollte individuell und praeferenzbasiert angepasst werden.

Stillen und Formulanahrung

  • Stilldauer: Ausschliessliches Stillen wird fuer etwa 6 Monate empfohlen. Danach sollte das Stillen parallel zur Beikost im ersten Lebensjahr und idealerweise bis zum Alter von 2 Jahren oder darueber hinaus fortgefuehrt werden.
  • Rueckkehr an den Arbeitsplatz: Stillende sollten fruehzeitig ueber ihre Rechte (z.B. Stillpausen, Abpumpmoeglichkeiten) aufgeklaert und unterstuetzt werden.
  • Formulanahrung: Die Beratung zur sicheren Zubereitung muss unabhaengig und evidenzbasiert erfolgen. Kommerzielle Werbung fuer Formulanahrung durch medizinisches Personal ist strikt zu unterlassen.

Wiegen von Babys

Babys sollten bei der Geburt und in der ersten Lebenswoche gewogen werden. Bei einem Gewichtsverlust von >10% des Geburtsgewichts ist ein engmaschigeres Monitoring indiziert. Gesunde Babys sollten routinemaessig im Alter von 8, 12 und 16 Wochen sowie mit 1 Jahr (zu den Impfterminen) auf digitalen Waagen gewogen werden.

Beikost und Ernaehrung von Kindern (bis 5 Jahre)

Die Einfuehrung von fester Nahrung (Beikost) sollte nicht vor dem 6. Lebensmonat erfolgen. Eltern sollten bereits im letzten Trimenon und in den ersten Lebensmonaten des Babys entsprechend beraten werden.

Kernaussagen zur Kinderernaehrung (1 bis 5 Jahre):

  • Mahlzeitenstruktur: 3 Hauptmahlzeiten und 2 gesunde Snacks pro Tag.
  • Getraenke: Wasser oder Milch. Keine gesuessten Getraenke. Fruchtsaft auf maximal 150 ml pro Tag begrenzen.
  • Allergene: Potenziell allergene Lebensmittel (z.B. Ei, Erdnuss) sollten in kleinen Mengen altersgerecht parallel zur restlichen Beikost eingefuehrt werden.
  • Verhalten: Mahlzeiten sollten gemeinsam eingenommen werden. Lebensmittel duerfen nicht als Belohnung eingesetzt werden (stattdessen z.B. Sticker nutzen).

💡Praxis-Tipp

Verordnen Sie Schwangeren mit einem BMI ≥ 25 kg/m² ohne weitere Risikofaktoren die Standarddosis von 400 µg Folsaeure. Eine Hochdosis (5 mg) ist allein aufgrund des Gewichts nicht indiziert.

Häufig gestellte Fragen

Standardmaessig werden 400 µg/Tag empfohlen. Bei erhoehtem Risiko (z.B. Diabetes, Antiepileptika, Z.n. Neuralrohrdefekt) ist eine Hochdosis von 5 mg/Tag indiziert.
Die Einfuehrung von fester Nahrung (Beikost) sollte erst ab etwa dem 6. Lebensmonat erfolgen.
Gestillte Babys benoetigen ab Geburt 8,5 bis 10 µg (340-400 IE) Vitamin D taeglich. Formulanahrungs-ernaehrte Babys benoetigen keine Supplementierung, solange sie mehr als 500 ml Formula pro Tag trinken.
Das Gewicht sollte nur beim ersten Termin zur BMI-Bestimmung gemessen werden. Ein routinemaessiges Wiegen im weiteren Verlauf wird ohne klinischen Grund nicht empfohlen.

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