SIGN2018Onkologie

Ovarialkarzinom: Diagnostik, Chirurgie & Chemotherapie

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SIGN (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das epitheliale Ovarialkarzinom ist eine der häufigsten gynäkologischen Krebserkrankungen. Die genaue Ätiologie ist unbekannt, jedoch stellt eine genetische Prädisposition (wie BRCA-Mutationen) einen wesentlichen Risikofaktor dar.

Da ein effektives Screening-Programm für die Allgemeinbevölkerung fehlt, wird die Erkrankung oft erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Die Prognose hängt maßgeblich vom Tumorstadium bei der Erstdiagnose ab.

Die Standardtherapie besteht in der Regel aus einer Kombination von chirurgischer Tumorreduktion und platinbasierter Chemotherapie. Ein Rezidiv tritt bei der Mehrheit der Patientinnen auf und erfordert eine angepasste systemische Behandlung.

Empfehlungen

Die SIGN-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management des epithelialen Ovarialkarzinoms:

Diagnostik

Bei Symptomen wie anhaltender abdomineller Distension, raschem Sättigungsgefühl oder Beckenschmerzen (über 12-mal pro Monat) wird die Bestimmung von CA125 und ein Becken-Ultraschall empfohlen.

In der Sekundärversorgung sollte laut Leitlinie der Risk of Malignancy Index 1 (RMI 1) berechnet werden. Bei einem RMI-1-Wert über 200 wird eine Computertomographie (CT) von Abdomen und Becken empfohlen (Empfehlungsgrad B).

Chirurgische Therapie

Bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom ist das chirurgische Ziel die komplette Zytoreduktion ohne makroskopischen Tumorrest.

Für das Frühstadium wird eine systematische Lymphadenektomie nicht routinemäßig empfohlen, jedoch sollte ein retroperitoneales Lymphknoten-Sampling erwogen werden.

Bei Patientinnen mit Stadium IIIc oder IV kann eine neoadjuvante Chemotherapie als Alternative zur primären Debulking-Operation in Betracht gezogen werden (Empfehlungsgrad A).

Chemotherapie

Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie:

  • Eine platinbasierte Therapie, vorzugsweise Carboplatin (Empfehlungsgrad A)

  • Die Kombination von Carboplatin mit Paclitaxel, sofern die Toxizität vertretbar ist

  • Bevacizumab in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel bei Stadium IV

Nachsorge

Die Behandlung eines ersten Rezidivs sollte sich an der klinischen Symptomatik orientieren. Eine routinemäßige Bestimmung von CA125 bei asymptomatischen Patientinnen ist laut Leitlinie nicht zwingend erforderlich.

Dosierung

WirkstoffDosierung / SchemaIndikation
Paclitaxel + CarboplatinPaclitaxel 80 mg/m2 (Tag 1, 8, 15) + Carboplatin AUC 6 (Tag 1) q21Erstlinientherapie (dosisdichtes Schema)
Bevacizumab15 mg/kg (in Kombination mit Carboplatin/Paclitaxel)Ovarialkarzinom Stadium IV
OlaparibMonotherapieErhaltungstherapie bei platin-sensitivem Rezidiv mit BRCA-Mutation
NiraparibMonotherapieErhaltungstherapie bei platin-sensitivem Rezidiv ohne Keimbahn-BRCA-Mutation

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt spezifische Kontraindikationen für eine chirurgische Intervention bei malignem Darmverschluss im Rahmen eines fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms.

Zu den absoluten Kontraindikationen zählen unter anderem eine diffuse Karzinomatose mit schweren Motilitätsstörungen, eine Beteiligung des proximalen Magens sowie ein massiver Aszites, der nach Drainage rasch rezidiviert.

Relative Kontraindikationen umfassen einen schlechten Allgemeinzustand, schwere Kachexie und eine vorangegangene Strahlentherapie des Abdomens oder Beckens.

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💡Praxis-Tipp

Ein wichtiger Praxis-Hinweis der Leitlinie betrifft die Interpretation von Symptomen in der Primärversorgung. Es wird betont, dass das Ovarialkarzinom keine asymptomatische Erkrankung ist und unspezifische gastrointestinale Beschwerden oft fälschlicherweise als Reizdarmsyndrom fehldiagnostiziert werden. Eine zeitnahe CA125-Bestimmung und Sonographie bei neu aufgetretenen, häufigen abdominellen Symptomen wird empfohlen, um Verzögerungen in der Diagnostik zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt die Verwendung des Risk of Malignancy Index 1 (RMI 1). Bei einem Schwellenwert von über 200 sollte eine Überweisung an ein gynäko-onkologisches Zentrum erfolgen.

Laut Leitlinie wird ein Screening in der Allgemeinbevölkerung außerhalb von klinischen Studien nicht empfohlen. Bei Hochrisikopatientinnen sollte eine genetische Beratung und Testung auf BRCA-Mutationen erfolgen.

Eine fertilitätserhaltende Operation kann bei Frauen mit einem Ovarialkarzinom im Stadium Ia (Grad 1 oder 2) erwogen werden. Voraussetzung ist laut Leitlinie ein unauffälliges kontralaterales Ovar und das Fehlen von peritonealen Metastasen.

Für das Staging wird eine Computertomographie (CT) von Abdomen und Becken empfohlen. Die routinemäßige Durchführung eines MRT oder PET-CT wird von der Leitlinie für das initiale Staging nicht empfohlen.

Die Leitlinie gibt an, dass eine routinemäßige CA125-Messung bei asymptomatischen Patientinnen nicht zwingend erforderlich ist. Die Therapie eines Rezidivs sollte sich primär an den klinischen Symptomen orientieren.

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Quelle: SIGN 135: Management of epithelial ovarian cancer (SIGN, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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