ClariMedClariMed
Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN)2018Onkologie

Epitheliales Ovarialkarzinom: Leitlinie (SIGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein allgemeines Screening auf Ovarialkarzinome wird nicht empfohlen; Hochrisikopatientinnen sollten genetisch beraten werden.
  • Bei persistierenden Symptomen wie Blähbauch, Völlegefühl oder Harndrang (>12x/Monat) sollte der CA125-Wert bestimmt und ein Ultraschall durchgeführt werden.
  • Ab einem Risk of Malignancy Index (RMI 1) > 200 ist ein CT von Abdomen und Becken sowie die Überweisung in ein Zentrum indiziert.
  • Ziel der Operation bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom ist die komplette makroskopische Zytoreduktion.
  • Carboplatin ist das Platinpräparat der Wahl für die Erstlinien-Chemotherapie.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Das epitheliale Ovarialkarzinom wird aufgrund unspezifischer Symptome häufig erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Während die meisten Fälle sporadisch auftreten, liegt bei 5-10 % der Patientinnen eine erbliche Prädisposition (z. B. BRCA1- oder BRCA2-Mutationen) vor. Ein Screening in der Allgemeinbevölkerung wird nicht empfohlen.

Diagnostik in der Primärversorgung

Ovarialkarzinome sind selten asymptomatisch. Eine Abklärung sollte erfolgen, wenn folgende Symptome seit weniger als 12 Monaten bestehen und häufiger als 12-mal pro Monat auftreten:

  • Abdominelle Distension oder Blähbauch
  • Schnelles Völlegefühl oder Schwierigkeiten beim Essen
  • Becken- oder Bauchschmerzen
  • Erhöhter Harndrang oder erhöhte Miktionsfrequenz

Initiale Diagnostik: Bestimmung des CA125-Wertes im Serum und Durchführung eines dringlichen Becken-Ultraschalls.

Diagnostik in der Sekundärversorgung

Zur Einschätzung des Malignitätsrisikos sollte der Risk of Malignancy Index 1 (RMI 1) berechnet werden. Ab einem Schwellenwert von > 200 sollte die Überweisung an ein multidisziplinäres gynäko-onkologisches Team erfolgen.

ParameterKriterienPunkte
Ultraschall (U)Multilokuläre Zyste, solide Areale, bilaterale Läsionen, Aszites, intraabdominelle Metastasen0 = keine, 1 = 1 Anomalie, 3 = ≥ 2 Anomalien
Menopausenstatus (M)Prämenopausal / Postmenopausal1 / 3
CA125-WertAbsoluter Wert in U/mlWert in U/ml

Berechnung: RMI = U × M × CA125

Bildgebung:

  • CT Abdomen/Becken: Empfohlen bei RMI > 200 zum Staging.
  • MRT: Nur zur Charakterisierung unklarer adnexaler Raumforderungen, wenn eine benigne Ursache wahrscheinlicher ist.
  • PET-CT: Für die initiale Diagnostik und das Staging nicht empfohlen.

Chirurgische Therapie

Die chirurgische Strategie richtet sich nach dem Tumorstadium. Eine intraoperative Schnellschnittuntersuchung kann helfen, Malignität zu bestätigen und Zweiteingriffe zu vermeiden.

Frühes Stadium (auf Ovarien begrenzt)

  • Lymphadenektomie: Eine routinemäßige systematische Lymphadenektomie wird nicht empfohlen. Ein retroperitoneales Lymphknoten-Sampling sollte jedoch als Teil des operativen Stagings erwogen werden.
  • Fertilitätserhalt: Bei Stadium Ia (Grad 1 oder 2) ist eine fertilitätserhaltende Operation möglich, sofern das kontralaterale Ovar unauffällig ist und ein optimales Staging erfolgt.

Fortgeschrittenes Stadium

  • Zytoreduktion: Das primäre chirurgische Ziel ist die komplette makroskopische Zytoreduktion (kein makroskopischer Resttumor).
  • Neoadjuvante Chemotherapie (NACT): Bei Patientinnen im Stadium IIIc oder IV kann eine NACT als Alternative zur primären Debulking-Operation erwogen werden, insbesondere wenn eine komplette Resektion primär nicht möglich erscheint.

Rezidiv

Bei ausgewählten Patientinnen mit platin-sensiblem Rezidiv kann eine sekundäre zytoreduktive Operation das Gesamtüberleben verbessern. Auch hier ist die komplette Resektion das Ziel.

Chemotherapie

StadiumTherapieBemerkung
Frühes Stadium (Ia-Ib, High-Grade)Adjuvante platinbasierte ChemotherapieEine Erhaltungstherapie wird nicht empfohlen.
Fortgeschrittenes StadiumPlatinbasiert (Kombination oder Monotherapie)Carboplatin ist das Platinpräparat der Wahl.

Hinweis: Patientinnen mit low-grade serösen, klarzelligen oder muzinösen Subtypen sollten nach Möglichkeit in klinische Studien eingeschlossen werden.

Genetik und Prophylaxe

  • BRCA-Testung: Allen Patientinnen mit nicht-muzinösem Ovarial- oder Tubenkarzinom sollte eine BRCA1/2-Mutationsanalyse angeboten werden.
  • Prophylaxe: Frauen mit nachgewiesener BRCA1/2-Mutation sollte eine prophylaktische Salpingo-Oophorektomie zu einem geeigneten Zeitpunkt angeboten werden.

Nachsorge und Betreuung

Bei asymptomatischen Patientinnen ist die routinemäßige Messung des CA125-Wertes in der Nachsorge nicht zwingend erforderlich. Patientinnen sollten während ihres gesamten Behandlungsverlaufs Zugang zu einer spezialisierten Pflegekraft (Clinical Nurse Specialist) haben.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie den Risk of Malignancy Index (RMI 1) zur Risikostratifizierung. Bestimmen Sie bei unklaren abdominellen Beschwerden (wie Blähbauch oder Völlegefühl), die häufiger als 12-mal pro Monat auftreten, großzügig den CA125-Wert und veranlassen Sie einen Becken-Ultraschall.

Häufig gestellte Fragen

Bei Symptomen wie abdomineller Distension, Völlegefühl, Schwierigkeiten beim Essen oder urologischen Symptomen, die seit weniger als 12 Monaten bestehen und häufiger als 12-mal pro Monat auftreten.
Ein CT von Abdomen und Becken (inklusive der Lungenbasen) wird bei einem RMI > 200 empfohlen. MRT und PET-CT werden nicht routinemäßig für das initiale Staging empfohlen.
Bei Patientinnen im Stadium IIIc oder IV kann eine NACT als Alternative zur primären Debulking-Operation erwogen werden, insbesondere wenn eine komplette Resektion unwahrscheinlich ist.
Nein, bei asymptomatischen Patientinnen ist die routinemäßige Messung von CA125 in der Nachsorge nicht zwingend erforderlich.

Verwandte Leitlinien