ClariMedClariMed

Schilddrüsenerkrankungen: NICE-Leitlinie 2024

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • TSH ist der primäre Suchtest; bei Auffälligkeiten erfolgt eine Kaskadentestung aus derselben Probe (fT4, fT3).
  • Levothyroxin ist die Therapie der Wahl bei Hypothyreose (Startdosis 1,6 µg/kg KG bei <65 Jahren ohne kardiovaskuläre Erkrankung).
  • Bei Morbus Basedow ist die Radiojodtherapie oft die definitive Erstlinientherapie, alternativ Thyreostatika für 12 bis 18 Monate.
  • Routinekontrollen von Blutbild und Leberwerten unter Thyreostatika werden ohne klinischen Verdacht nicht empfohlen.
  • Biotin-Einnahme kann Schilddrüsenwerte verfälschen und muss vor der Testung anamnestiziert werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Schilddrüsenerkrankungen umfassen Funktionsstörungen (Hypo- und Hyperthyreose) sowie morphologische Veränderungen (Struma, Knoten). Die vorliegende NICE-Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Überwachung von Schilddrüsenerkrankungen bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen.

Indikationen zur Diagnostik

Die Testung der Schilddrüsenfunktion sollte bei klinischem Verdacht erfolgen, wobei ein einzelnes Symptom oft nicht aussagekräftig ist.

Testung empfohlen bei:

  • Typ-1-Diabetes und anderen Autoimmunerkrankungen
  • Neu aufgetretenem Vorhofflimmern
  • Unerklärlichen Angstzuständen oder Depressionen
  • Kindern mit unerklärlichen Wachstums-, Verhaltens- oder Schulveränderungen

Keine Testung empfohlen:

  • Routinemäßig bei Typ-2-Diabetes
  • Während akuter Erkrankungen (außer die Erkrankung ist mutmaßlich schilddrüsenbedingt), da dies die Werte verfälscht

Wichtig: Fragen Sie Patienten nach der Einnahme von Biotin (Nahrungsergänzungsmittel), da hohe Dosen zu falsch-hohen oder falsch-niedrigen Laborwerten führen können.

Diagnostisches Vorgehen (Kaskadentestung)

Bei Verdacht auf eine primäre Schilddrüsenfunktionsstörung wird bei Erwachsenen zunächst nur der TSH-Wert bestimmt. Weitere Tests erfolgen als Kaskade aus derselben Probe:

TSH-WertFolgetest (Kaskade)Verdachtsdiagnose
Erhöht (> Referenzbereich)Freies T4 (fT4)Hypothyreose
Erniedrigt (< Referenzbereich)Freies T4 (fT4) + Freies T3 (fT3)Hyperthyreose / Thyreotoxikose

Ausnahme: Bei Verdacht auf eine sekundäre (hypophysäre) Störung oder bei Kindern immer initial TSH und fT4 bestimmen.

Primäre Hypothyreose

Zur Ursachenklärung bei erhöhtem TSH sollten einmalig TPO-Antikörper (TPO-AK) bestimmt werden. Eine wiederholte Messung bei Erwachsenen ist nicht indiziert.

Die Therapie der Wahl ist Levothyroxin. Liothyronin (T3) oder natürliche Schilddrüsenextrakte werden aufgrund fehlender Evidenz und unklarer Langzeitsicherheit nicht routinemäßig empfohlen.

PatientengruppeLevothyroxin-StartdosisBemerkung
Erwachsene < 65 Jahre (ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung)1,6 µg/kg KG/TagGerundet auf 25 µg
Erwachsene ≥ 65 Jahre oder mit Herz-Kreislauf-Erkrankung25 - 50 µg/TagAnschließende Titration nach TSH-Wert

Monitoring: Ziel ist ein TSH-Wert im Referenzbereich. TSH alle 3 Monate kontrollieren, bis der Wert stabil ist, danach jährlich. Es kann bis zu 6 Monate dauern, bis sich der TSH-Wert nach Therapiebeginn normalisiert.

Thyreotoxikose und Hyperthyreose

Zur Differenzierung der Ursache (z. B. Morbus Basedow vs. transiente Thyreoiditis) sollten TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAk) bestimmt werden. Bei negativem TRAk kann eine Technetium-Szintigrafie erwogen werden. Ultraschall ist nur bei tastbaren Knoten indiziert.

Therapieoptionen bei Hyperthyreose

UrsacheBevorzugte ErstlinientherapieAlternativen / Bemerkungen
Morbus BasedowRadiojodtherapieThyreostatika (12-18 Monate) bei mildem Verlauf; Thyreoidektomie bei Kompression
Toxische Knotenstruma (multinodulär)RadiojodtherapieThyreoidektomie oder lebenslange Thyreostatika
Toxischer EinzelknotenRadiojodtherapie oder HemithyreoidektomieLebenslange Thyreostatika

Einsatz von Thyreostatika

  • Vor Therapiebeginn: Blutbild und Leberwerte kontrollieren.
  • Mittel der Wahl: Carbimazol (Titrations- oder Block-and-Replace-Schema).
  • Alternative: Propylthiouracil (bei Carbimazol-Unverträglichkeit, Schwangerschaftswunsch in <6 Monaten oder Pankreatitis-Anamnese).
  • Monitoring: TSH, fT4 und fT3 alle 6 Wochen bis zur Euthyreose, dann TSH alle 3 Monate.
  • Wichtig: Unter laufender Therapie keine routinemäßigen Blutbild- oder Leberwertkontrollen, es sei denn, es besteht klinischer Verdacht auf Agranulozytose oder Leberschaden. Bei Agranulozytose Medikament sofort absetzen.

Euthyreote Schilddrüsenvergrößerung

Bei Verdacht auf Malignität ist ein Ultraschall indiziert. Die Indikation zur Feinnadelpunktion sollte anhand eines etablierten Ultraschall-Grading-Systems gestellt werden (Beurteilung von Echogenität, Mikroverkalkungen, Randbegrenzung, Form, Vaskularisation und Lymphknoten). Die Punktion muss ultraschallgesteuert erfolgen.

Asymptomatische, gutartige Vergrößerungen bedürfen keiner Therapie. Bei Kompressionssymptomen kommen Zystenaspiration, Chirurgie oder thermische Ablationsverfahren in Betracht.

💡Praxis-Tipp

Fragen Sie bei unplausiblen Schilddrüsenwerten immer nach der Einnahme von Biotin (Vitamin B7), da dies zu falsch-hohen oder falsch-niedrigen Laborergebnissen führen kann. Verzichten Sie zudem auf routinemäßige Schilddrüsentests bei akuten Erkrankungen.

Häufig gestellte Fragen

Bei klinischem Verdacht, Typ-1-Diabetes, anderen Autoimmunerkrankungen oder neuem Vorhofflimmern. Eine routinemäßige Testung bei Typ-2-Diabetes oder während akuter Erkrankungen wird nicht empfohlen.
Erwachsene unter 65 Jahren ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung starten mit 1,6 µg/kg Körpergewicht täglich. Bei Patienten ab 65 Jahren oder mit kardiovaskulären Vorerkrankungen wird eine Startdosis von 25 bis 50 µg/Tag mit anschließender Titration empfohlen.
Nein. Blutbild und Leberwerte sollten vor Therapiebeginn bestimmt werden. Unter laufender Therapie sind Kontrollen nur bei klinischem Verdacht auf eine Agranulozytose oder Leberdysfunktion indiziert.
Die Radiojodtherapie ist oft die definitive Erstlinientherapie. Alternativ können Thyreostatika (Carbimazol) für 12 bis 18 Monate eingesetzt werden, insbesondere wenn eine Remission wahrscheinlich ist.

Verwandte Leitlinien