ClariMedClariMed
NICE

STI-Prävention & sexuelle Gesundheit: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Remote-Selbsttests sollen asymptomatischen Personen als Alternative zum Klinikbesuch angeboten werden.
  • Die Partnerbenachrichtigung (Partner Notification) ist essenziell, um Reinfektionen zu vermeiden und Infektionsketten zu unterbrechen.
  • Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sollen opportunistisch gegen HPV, Hepatitis A und Hepatitis B geimpft werden.
  • Personen unter HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) benötigen alle 3 Monate ein HIV- und STI-Screening sowie eine Überwachung der Nierenfunktion.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Sexuell übertragbare Infektionen (STIs) haben erhebliche Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit und können zu schwerwiegenden Komplikationen wie Beckenentzündungen, ektopen Schwangerschaften und Unfruchtbarkeit führen. Die Inzidenz ist besonders hoch bei jungen Menschen (15-24 Jahre), bestimmten ethnischen Gruppen sowie schwulen, bisexuellen und anderen Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Die NICE-Leitlinie NG221 fokussiert sich auf den Abbau von Zugangsbarrieren, die Ausweitung von Testangeboten und gezielte Präventionsmaßnahmen wie Impfungen und die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP).

Zugang zu Angeboten und STI-Testung

Um die Hürden für sexuelle Gesundheitsdienste zu senken, müssen Angebote vertraulich, empathisch und vorurteilsfrei gestaltet sein. Es ist wichtig, dass Dienste für alle kostenlos zugänglich sind, unabhängig vom Wohnort.

TestmethodeZielgruppeBemerkung
Remote-Selbsttest (Self-sampling)Asymptomatische PersonenSollte auf die gleichen Infektionen testen wie ein Klinikbesuch. Kits müssen barrierefrei und inklusiv gestaltet sein.
KlinikbesuchSymptomatische PersonenBevorzugte Methode bei Vorliegen von Symptomen.
Outreach-AngeboteUnterversorgte GruppenGezielte Ansprache in nicht-klinischen Settings (z.B. Drogen- und Alkoholhilfe).

Partnerbenachrichtigung (Partner Notification)

Personen mit einer diagnostizierten STI müssen über die Wichtigkeit der Partnerbenachrichtigung aufgeklärt werden. Auch asymptomatische Sexualpartner können infiziert sein, was ein hohes Risiko für Reinfektionen birgt.

  • Unterstützung: Patienten sollen bei der Entscheidung geholfen werden, wie sie ihre Partner informieren. Bei Schwierigkeiten ist eine Überweisung an spezialisierte Dienste indiziert.
  • Methoden: Die Benachrichtigung kann durch den Patienten selbst, durch medizinisches Personal (Provider Referral) oder in bestimmten Kontexten anonym erfolgen.
  • Digitale Tools: Geospatial Networking Apps (z.B. Dating-Apps) können genutzt werden, um Partner zu benachrichtigen, insbesondere wenn keine anderen Kontaktdaten vorliegen.

Impfungen für MSM

Schwule, bisexuelle und andere Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), haben ein erhöhtes Risiko für bestimmte Infektionen. Die Impfquoten und die Vollständigkeit der Impfserien müssen verbessert werden.

ImpfungZielgruppeEmpfehlung zur Umsetzung
HPVMSM (bis inkl. 45 Jahre)Opportunistische Aufklärung und Impfung bei Routine-Terminen.
Hepatitis AMSMAufklärung über Krankheitsverlauf und Nutzen der Impfung.
Hepatitis BMSMErinnerungssysteme (Reminders) für die 2. und 3. Dosis etablieren, um Therapieabbrüche zu verhindern.

HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP)

Die PrEP ist eine hochwirksame Maßnahme zur HIV-Prävention. Das Bewusstsein für PrEP muss insbesondere in Gruppen mit geringer Inanspruchnahme (z.B. Cis-Frauen, junge Menschen, Trans-Personen) gestärkt werden. Es muss klar kommuniziert werden, dass PrEP nur vor HIV schützt, nicht aber vor anderen STIs (Barrieremethoden bleiben wichtig).

MaßnahmeIntervall / ZeitpunktKlinische Bemerkung
HIV- & STI-ScreeningAlle 3 MonateRegelmäßige Testung ist zwingend erforderlich.
NierenfunktionRegelmäßigÜberwachung auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen.
Adhärenz-FörderungFortlaufendAufklärung über Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Resistenzrisiken bei Non-Adhärenz.

Trans-Personen, die sich in einer medizinischen Transition befinden, sollten darüber aufgeklärt werden, dass keine klinisch signifikanten Wechselwirkungen zwischen der PrEP und gängigen Hormontherapien zu erwarten sind.

💡Praxis-Tipp

Bieten Sie asymptomatischen Patienten aktiv Remote-Selbsttests an und nutzen Sie jeden Routine-Termin bei MSM zur opportunistischen Überprüfung und Komplettierung der HPV-, Hepatitis-A- und Hepatitis-B-Impfserien.

Häufig gestellte Fragen

Remote-Selbsttests (Self-sampling) sollten primär asymptomatischen Personen als Alternative zum Klinikbesuch angeboten werden. Sie sollten auf dieselben Infektionen testen wie ein regulärer Klinikbesuch.
Patienten, die eine HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) einnehmen, sollten alle 3 Monate einem regelmäßigen HIV- und STI-Screening unterzogen werden.
Neben den regelmäßigen HIV- und STI-Tests muss bei Patienten unter PrEP die Nierenfunktion überwacht werden, um unerwünschte Ereignisse frühzeitig zu erkennen.
MSM sollten opportunistisch gegen HPV (bis einschließlich 45 Jahre), Hepatitis A und Hepatitis B geimpft werden. Es ist wichtig, die Patienten an die Komplettierung der Impfserie (2. und 3. Dosis) zu erinnern.
Ja. Trans-Personen sollten darüber aufgeklärt werden, dass keine klinisch signifikanten Wechselwirkungen zwischen der PrEP und den gängigen Hormonen zur Transition erwartet werden.

Verwandte Leitlinien