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NICEA2017Rheumatologie

Spondyloarthritis: Diagnostik & Therapie (NICE-Leitlinie)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Axiale Spondyloarthritis sollte bei chronischen Rückenschmerzen (Beginn <45 Jahre, Dauer >3 Monate) und weiteren spezifischen Kriterien bedacht werden.
  • Die Basisdiagnostik der axialen Form erfolgt per Röntgen der Iliosakralgelenke, bei unauffälligem Befund mittels MRT.
  • NSAR in der niedrigsten effektiven Dosis sind die medikamentöse Erstlinientherapie bei axialer Spondyloarthritis.
  • Bei peripherer Spondyloarthritis kommen primär konventionelle DMARDs zum Einsatz.
  • Patienten mit akuter anteriorer Uveitis benötigen eine taggleiche augenärztliche Untersuchung.
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Hintergrund

Spondyloarthritiden sind eine Gruppe entzündlicher Erkrankungen mit vielfältigen Manifestationen. Sie werden primär in zwei Hauptgruppen unterteilt:

  • Axiale Spondyloarthritis: Ankylosierende Spondylitis (radiografisch) und nicht-radiografische axiale Spondyloarthritis.
  • Periphere Spondyloarthritis: Psoriasis-Arthritis, reaktive Arthritis und enteropathische Spondyloarthritis.

Patienten mit vorwiegend axialer Spondyloarthritis können zusätzliche periphere Symptome aufweisen und umgekehrt. Die Erkrankung wird häufig als mechanischer Kreuzschmerz fehldiagnostiziert, was zu Therapieverzögerungen führt.

Überweisungskriterien (Axiale Spondyloarthritis)

Patienten mit tiefen Rückenschmerzen, die vor dem 45. Lebensjahr begannen und länger als 3 Monate anhalten, sollten an einen Rheumatologen überwiesen werden, wenn 4 oder mehr der folgenden Kriterien erfüllt sind. Sind genau 3 Kriterien erfüllt, ist ein HLA-B27-Test durchzuführen; bei positivem Ausfall erfolgt ebenfalls die Überweisung.

KriteriumBemerkung
SymptombeginnVor dem 35. Lebensjahr (erhöht die Wahrscheinlichkeit weiter)
Nächtliches ErwachenIn der zweiten Nachthälfte
SchmerzlokalisationGesäßschmerzen
SchmerzlinderungBesserung durch Bewegung
NSAR-AnsprechenBesserung innerhalb von 48 Stunden nach Einnahme
FamilienanamneseVerwandte 1. Grades mit Spondyloarthritis
BegleiterkrankungenAktuelle/frühere Arthritis, Enthesitis oder Psoriasis

Diagnostik

Die Diagnose darf nicht allein aufgrund eines negativen HLA-B27-Ergebnisses oder normaler Entzündungsparameter (CRP, BSG) ausgeschlossen werden.

Bildgebung bei axialer Spondyloarthritis

StufeMethodeIndikation / Befund
1Röntgen der IliosakralgelenkeBasisdiagnostik (außer bei unreifem Skelett). Diagnose bei bilateral Grad 2-4 oder unilateral Grad 3-4.
2MRT (STIR und T1)Bei unauffälligem Röntgen oder unreifem Skelett.
-SzintigrafieNicht empfohlen zur Diagnostik.

Pharmakologische Therapie

Die medikamentöse Therapie richtet sich nach der Manifestationsform. Es sollte stets das kostengünstigste Präparat bei gleicher Eignung gewählt werden.

Axiale Spondyloarthritis

StufeTherapieBemerkung
1NSARNiedrigste effektive Dosis. Bei unzureichender Wirkung nach 2-4 Wochen (Maximaldosis) Wechsel auf anderes NSAR.
2Biologika / Targeted DMARDsBei unzureichender NSAR-Wirkung und hoher Krankheitsaktivität (z.B. TNF-alpha-Inhibitoren, IL-17-Inhibitoren, JAK-Inhibitoren).

Periphere Spondyloarthritis

TherapieIndikationBemerkung
Lokale KortikosteroideNicht-progrediente MonoarthritisAls Monotherapie möglich.
Konventionelle DMARDsPolyarthritis, Oligoarthritis, progrediente MonoarthritisBei unzureichender Wirkung nach 3 Monaten Wechsel oder Kombination.
Biologika / Targeted DMARDsAktive Psoriasis-ArthritisNach Versagen von mind. 2 konventionellen DMARDs.

Hinweis: Antibiotika sollen nach Ausheilung der Initialinfektion nicht langfristig (≥4 Wochen) zur alleinigen Behandlung einer reaktiven Arthritis eingesetzt werden.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Physiotherapie: Überweisung an spezialisierte Physiotherapeuten für ein individualisiertes Übungsprogramm (Dehnung, Kräftigung, tiefe Atmung, Wirbelsäulenextension, Aerobic).
  • Hydrotherapie: Als ergänzende Maßnahme zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung.

Langzeitkomplikationen

Patienten mit Spondyloarthritis haben ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Osteoporose.

  • Osteoporose-Screening: Regelmäßige DEXA-Messungen (alle 2 Jahre) bei axialer Spondyloarthritis erwägen. Achtung: Spinale Messwerte können durch Syndesmophyten und Bandverkalkungen falsch hoch sein; Hüftmessungen sind zuverlässiger.
  • Hautkrebsrisiko: Patienten unter TNF-alpha-Inhibitoren auf ein potenziell erhöhtes Risiko hinweisen.

💡Praxis-Tipp

Schließen Sie eine Spondyloarthritis niemals allein aufgrund eines negativen HLA-B27-Tests oder normaler CRP/BSG-Werte aus. Überweisen Sie Patienten mit Symptomen einer akuten anterioren Uveitis noch am selben Tag zum Augenarzt.

Häufig gestellte Fragen

Bei tiefen Rückenschmerzen, die vor dem 45. Lebensjahr begannen, länger als 3 Monate anhalten und mit weiteren Kriterien wie nächtlichem Erwachen oder Besserung durch Bewegung einhergehen.
Zunächst ein Röntgen der Iliosakralgelenke. Bei unauffälligem Befund oder unreifem Skelett sollte ein MRT (STIR und T1) durchgeführt werden. Eine Szintigrafie wird nicht empfohlen.
Mit konventionellen DMARDs. Bei einer nicht-progredienten Monoarthritis können auch lokale Kortikosteroid-Injektionen als Monotherapie erwogen werden.
Spinale DEXA-Messwerte können durch Syndesmophyten und Bandverkalkungen falsch hoch ausfallen. Hüftmessungen sind in diesen Fällen zuverlässiger.

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