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NICE

IV-Flüssigkeitstherapie bei Kindern: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Flüssigkeitsbedarf für die Erhaltungstherapie bei Kindern wird nach der Holliday-Segar-Formel berechnet.
  • Zur Flüssigkeitsreanimation werden glukosefreie, isotone Kristalloide (Na 131-154 mmol/l) mit einem Bolus von 10 ml/kg verwendet.
  • Tetrastärke darf zur Flüssigkeitsreanimation nicht eingesetzt werden.
  • Bei asymptomatischer Hyponatriämie unter hypotonen Lösungen sollte auf isotone Lösungen umgestellt werden.
  • Eine akute symptomatische Hyponatriämie erfordert sofortiges Handeln mit 2,7% NaCl (2 ml/kg Bolus).
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Hintergrund

Die korrekte intravenöse (IV) Flüssigkeitstherapie ist essenziell, um den physiologischen Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt bei hospitalisierten Kindern und Jugendlichen aufrechtzuerhalten. Die NICE-Leitlinie definiert die Altersgruppen wie folgt:

  • Neugeborene: ≤ 28 Tage (Termingeborene)
  • Kinder: 29 Tage bis < 12 Jahre
  • Jugendliche: 12 bis < 16 Jahre

Klinische Beurteilung und Monitoring

Das Körpergewicht ist die Grundlage zur Berechnung des IV-Flüssigkeits- und Elektrolytbedarfs. Bei Patienten mit IV-Therapie müssen Flüssigkeitseinfuhr, -ausfuhr und -bilanz über 24 Stunden dokumentiert werden. Plasmaelektrolyte und Blutzucker sind bei Beginn und danach mindestens alle 24 Stunden zu kontrollieren.

Die Diagnose von Dehydratation und hypovolämischem Schock erfolgt anhand klinischer Zeichen:

Klinisches ZeichenKlinische DehydratationHypovolämischer Schock (Red Flags)
BewusstseinVerändert (z. B. reizbar, lethargisch)Vermindert
AussehenWirkt krank oder verschlechtert sich-
AugenEingesunken-
SchleimhäuteTrocken-
BlutdruckNormalHypotension (dekompensiert)
AtmungTachypnoeTachypnoe
RekapillarisierungszeitNormalVerlängert
HerzfrequenzTachykardieTachykardie
Periphere PulseNormalSchwach
HautturgorVermindert-
UrinausscheidungVermindert-
Hautfarbe / TemperaturUnverändert / Warme ExtremitätenBlass oder marmoriert / Kalte Extremitäten

Flüssigkeitsreanimation

Wenn eine IV-Flüssigkeitsreanimation erforderlich ist, gelten folgende Vorgaben:

  • Kinder und Jugendliche: Glukosefreie Kristalloide (Natrium 131–154 mmol/l), Bolus von 10 ml/kg über weniger als 10 Minuten.
  • Neugeborene: Glukosefreie Kristalloide (Natrium 131–154 mmol/l), Bolus von 10–20 ml/kg über weniger als 10 Minuten.
  • Kontraindikation: Tetrastärke darf nicht zur Flüssigkeitsreanimation verwendet werden.
  • Expertenrat: Einholen, wenn 40–60 ml/kg oder mehr als initialer Volumenersatz benötigt werden.

Erhaltungstherapie

Für die routinemäßige Erhaltungstherapie sollten initial isotone Kristalloide (Natrium 131–154 mmol/l) verwendet werden.

Berechnung für Kinder und Jugendliche (Holliday-Segar-Formel)

KörpergewichtTäglicher Flüssigkeitsbedarf
Erste 10 kg100 ml/kg/Tag
Nächste 10 kg50 ml/kg/Tag
Gewicht über 20 kg20 ml/kg/Tag

Hinweis: Über 24 Stunden benötigen männliche Jugendliche selten mehr als 2.500 ml und weibliche selten mehr als 2.000 ml.

Berechnung für Neugeborene (Termingeboren)

AlterTäglicher Flüssigkeitsbedarf
Tag 150–60 ml/kg/Tag
Tag 270–80 ml/kg/Tag
Tag 380–100 ml/kg/Tag
Tag 4100–120 ml/kg/Tag
Tag 5–28120–150 ml/kg/Tag

Hinweis: Ab Tag 8 sollten isotone Kristalloide mit 5–10 % Glukose verwendet werden.

Management von Elektrolytstörungen

Hypernatriämie

  • Bei fehlender Dehydratation unter isotonen Lösungen: Wechsel auf hypotone Lösung (z. B. 0,45 % NaCl mit Glukose).
  • Bei Dehydratation: Wasserdefizit berechnen und über 48 Stunden ersetzen (initial mit 0,9 % NaCl).
  • Wichtig: Der Abfall des Plasmanatriums darf 12 mmol/l in 24 Stunden nicht überschreiten.

Hyponatriämie

  • Asymptomatisch: Wechsel von hypotoner auf isotone Lösung. Bei Hypervolämie Flüssigkeitsrestriktion auf 50–80 % des Erhaltungsbedarfs.
  • Symptomatisch (Kopfschmerzen, Erbrechen, Verwirrtheit, Krämpfe):
    • Sofortiger Bolus von 2 ml/kg (max. 100 ml) 2,7 % NaCl über 10–15 Minuten.
    • Bei anhaltenden Symptomen bis zu zweimal wiederholen.
    • Wichtig: Der Anstieg des Plasmanatriums darf nach Abklingen der Symptome 12 mmol/l in 24 Stunden nicht überschreiten.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie zur Flüssigkeitsreanimation bei Kindern stets glukosefreie, isotone Kristalloide (10 ml/kg) und berechnen Sie den Erhaltungsbedarf strikt nach der Holliday-Segar-Formel, um iatrogene Hyponatriämien zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Nach der Holliday-Segar-Formel: 100 ml/kg für die ersten 10 kg, 50 ml/kg für die nächsten 10 kg und 20 ml/kg für jedes weitere Kilogramm Körpergewicht.
Ein Bolus von 10 ml/kg glukosefreier, isotoner Kristalloide (Natrium 131-154 mmol/l) über weniger als 10 Minuten.
Mit einem Bolus von 2 ml/kg (maximal 100 ml) 2,7%iger NaCl-Lösung über 10 bis 15 Minuten. Dies kann bei anhaltenden Symptomen wiederholt werden.
Nein, die Leitlinie empfiehlt initial isotone Kristalloide (Natrium 131-154 mmol/l), um das Risiko einer iatrogenen Hyponatriämie zu minimieren.

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