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NICEA2024HNONeurologie

Herzinsuffizienz: NICE-Leitlinie zu Diagnostik & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Dringlichkeit der Echokardiographie richtet sich nach dem NT-proBNP-Wert (>2.000 ng/l innerhalb von 2 Wochen, 400-2.000 ng/l innerhalb von 6 Wochen).
  • Die Basistherapie der HFrEF besteht aus vier Säulen: ACE-Hemmer, Betablocker, MRA und SGLT2-Inhibitor.
  • Bei fortbestehenden Symptomen unter maximal tolerierter HFrEF-Basistherapie sollte der ACE-Hemmer auf einen ARNI umgestellt werden.
  • Bei HFpEF werden primär Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA) und SGLT2-Inhibitoren empfohlen.
  • Intravenöses Eisen ist bei HFrEF mit Eisenmangel (TSAT <20% oder Ferritin <100 ng/ml) und einem Hb <150 g/l indiziert.
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Hintergrund

Die Herzinsuffizienz wird anhand der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) und struktureller Kriterien in drei Phänotypen unterteilt. Die aktuelle NICE-Leitlinie (NG106) fokussiert sich auf die frühzeitige Diagnostik und eine optimierte Kombinationstherapie.

PhänotypLVEFZusätzliche Kriterien
HFrEF (Reduced)≤ 40 %-
HFmrEF (Mildly reduced)41–49 %-
HFpEF (Preserved)≥ 50 %Strukturelle Herzerkrankung (z. B. LA-Volumen >34 ml/m² im Sinusrhythmus, E:e' >11, LV-Hypertrophie >12 mm, PAP >35 mmHg)

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Herzinsuffizienz ist die Bestimmung des NT-proBNP der zentrale erste Schritt. Der Wert steuert die Dringlichkeit der weiteren fachärztlichen Abklärung und Echokardiographie.

NT-proBNP-WertEmpfehlungZeitfenster für Echokardiographie
> 2.000 ng/lDringende fachärztliche VorstellungInnerhalb von 2 Wochen
400 – 2.000 ng/lFachärztliche VorstellungInnerhalb von 6 Wochen
< 400 ng/lHerzinsuffizienz unwahrscheinlichAlternative Ursachen prüfen

Hinweis: Adipositas, afrikanische/karibische Abstammung sowie die Einnahme von Diuretika, ACE-Hemmern, ARBs, ARNIs, Betablockern oder MRAs können die NT-proBNP-Spiegel senken.

Zur Basisdiagnostik gehören zudem ein 12-Kanal-EKG, Röntgen-Thorax, Urinstatus, Peak-Flow/Spirometrie sowie Laborparameter (Nieren-, Schilddrüsen- und Leberfunktion, Lipidprofil, HbA1c, Blutbild).

Medikamentöse Therapie

Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF)

Die Therapie der HFrEF basiert auf einer Kombinationstherapie. Die Reihenfolge der Eindosierung sollte individuell nach Symptomen, Gebrechlichkeit und Präferenzen erfolgen.

Klinische SituationEmpfohlene Kombinationstherapie
StandardtherapieACE-Hemmer + Betablocker + MRA + SGLT2-Inhibitor
Persistierende Symptome (unter Maximaldosis)Wechsel von ACE-Hemmer auf ARNI
ACE-Hemmer-Intoleranz (kein Angioödem)ARNI + Betablocker + MRA + SGLT2-Inhibitor
Z.n. Angioödem (oder ARNI-Intoleranz)Betablocker + MRA + SGLT2-Inhibitor (+ ARB erwägen)
  • Kontraindizierte Medikamente: Verapamil, Diltiazem und kurzwirksame Dihydropyridine sind bei HFrEF zu vermeiden.
  • Digoxin: Kann bei sich verschlechternder oder schwerer HFrEF trotz optimierter Kombinationstherapie nach fachärztlicher Rücksprache angeboten werden.

Herzinsuffizienz mit leicht reduzierter (HFmrEF) und erhaltener (HFpEF) Ejektionsfraktion

  • HFmrEF: Erwägung einer Therapie mit ACE-Hemmer (oder ARB bei Intoleranz), Betablocker, MRA und SGLT2-Inhibitor.
  • HFpEF: Erwägung einer Therapie mit MRA und SGLT2-Inhibitor.

Therapiesteuerung und Monitoring

Nierenfunktion und Elektrolyte

Vor und während der Therapie mit ACE-Hemmern, ARNIs, ARBs oder MRAs müssen Nierenfunktion und Elektrolyte engmaschig kontrolliert werden:

  • 1 bis 2 Wochen nach Therapiestart
  • 1 bis 2 Wochen nach jeder Dosissteigerung
  • Alle 3 bis 6 Monate nach Erreichen der maximal tolerierten Dosis

Bei einer eGFR ≤ 45 ml/min/1,73 m² sollten niedrigere Startdosen und kleinere Dosissteigerungen erwogen werden. Bei einer eGFR < 30 ml/min/1,73 m² ist eine Abstimmung mit einem Nephrologen empfohlen.

Betablocker-Gabe

Vor der Verordnung eines Betablockers ist zwingend ein 12-Kanal-EKG durchzuführen.

  • Kontraindikationen: AV-Block II. oder III. Grades (ohne Schrittmacher) sowie Bradykardie (Herzfrequenz < 50 Schläge/Minute).
  • Bei symptomatischen Patienten mit Bradykardie sollte nach jeder Dosissteigerung ein erneutes EKG geschrieben werden.

Intravenöse Eisentherapie

Bei HFrEF-Patienten muss der Eisenstatus (Transferrinsättigung [TSAT], Serumferritin, Hämoglobin) bestimmt werden.

  • Indikation für i.v. Eisen (Eisensaccharose, Eisencarboxymaltose oder Eisenderisomaltose): Hämoglobin < 150 g/l UND Eisenmangel (TSAT < 20 % oder Serumferritin < 100 ng/ml).

Allgemeine Maßnahmen

  • Impfungen: Jährliche Influenza-Impfung und einmalige Pneumokokken-Impfung anbieten.
  • Flüssigkeit und Salz: Keine routinemäßige Restriktion. Eine Einschränkung ist nur bei Verdünnungshyponatriämie oder exzessivem Konsum indiziert. Kaliumhaltige Salzersatzstoffe sind zu vermeiden.
  • Rehabilitation: Allen Patienten sollte ein personalisiertes, übungsbasiertes kardiales Rehabilitationsprogramm angeboten werden.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie Nierenfunktion und Elektrolyte konsequent 1 bis 2 Wochen nach jedem Dosis-Schritt von ACE-Hemmern, ARBs, ARNIs oder MRAs. Führen Sie vor der Erstverordnung eines Betablockers immer ein 12-Kanal-EKG zum Ausschluss höhergradiger AV-Blöcke durch.

Häufig gestellte Fragen

Die Dringlichkeit richtet sich nach dem NT-proBNP-Wert: Bei >2.000 ng/l sollte das Echo innerhalb von 2 Wochen erfolgen, bei Werten zwischen 400 und 2.000 ng/l innerhalb von 6 Wochen.
Die Standardtherapie besteht aus vier Säulen: einem ACE-Hemmer, einem Betablocker, einem Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA) und einem SGLT2-Inhibitor.
Ein ARNI sollte anstelle des ACE-Hemmers eingesetzt werden, wenn der Patient unter der maximal tolerierten 4-Säulen-Basistherapie weiterhin symptomatisch ist, oder primär bei einer ACE-Hemmer-Intoleranz (ausgenommen Angioödem).
Ein Eisenmangel liegt vor bei einer Transferrinsättigung (TSAT) < 20 % oder einem Serumferritin < 100 ng/ml. Bei HFrEF und einem Hb < 150 g/l sollte dann eine intravenöse Eisentherapie erwogen werden.
Verapamil, Diltiazem und kurzwirksame Dihydropyridine (Calciumkanalblocker) sollten bei Patienten mit HFrEF vermieden werden.

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