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Akute Herzinsuffizienz: Leitlinie zur Diagnose & Therapie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • BNP < 100 ng/l oder NT-proBNP < 300 ng/l schließen eine akute Herzinsuffizienz zuverlässig aus.
  • Bei erhöhten Werten sollte innerhalb von 48 Stunden eine Echokardiografie erfolgen.
  • Opiate, Nitrate und Inotropika sollen nicht routinemäßig eingesetzt werden.
  • Intravenöse Diuretika sind die Basistherapie; bei bestehender Medikation ist die Dosis zu erhöhen.
  • Betablocker sollten nach Stabilisierung begonnen oder fortgeführt werden.
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Hintergrund

Die akute Herzinsuffizienz ist eine häufige Ursache für Krankenhauseinweisungen und die führende Indikation bei Patienten über 65 Jahren. Sie kann als neu aufgetretene Herzinsuffizienz oder als akute Dekompensation einer chronischen Herzinsuffizienz imponieren. Die NICE-Leitlinie fokussiert sich auf die unmittelbare Akutversorgung und Stabilisierung.

Organisation der Versorgung

Jedes Krankenhaus, das Patienten mit Verdacht auf akute Herzinsuffizienz aufnimmt, muss über ein spezialisiertes Herzinsuffizienz-Team auf einer kardiologischen Station verfügen.

  • Frühzeitige und kontinuierliche Betreuung durch das Spezialteam
  • Klinische Nachsorge durch das Team innerhalb von 2 Wochen nach Entlassung

Diagnostik und Monitoring

Neben Anamnese, klinischer Untersuchung, EKG und Röntgen-Thorax ist die Bestimmung der natriuretischen Peptide essenziell. Eine routinemäßige Pulmonalarterienkatheterisierung wird nicht empfohlen.

BiomarkerCut-off zum Ausschluss
BNP< 100 ng/l
NT-proBNP< 300 ng/l

Bei erhöhten Werten muss eine transthorakale 2D-Doppler-Echokardiografie durchgeführt werden, idealerweise innerhalb von 48 Stunden nach Aufnahme, um das weitere Management zu steuern.

Initiale medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Akuttherapie zielt auf die rasche Symptomlinderung und Entstauung ab.

MedikamentengruppeEmpfehlungBemerkung
SchleifendiuretikaIndiziert (i.v. Bolus oder Perfusor)Bei Vortherapie höhere Dosis erwägen. Nierenfunktion, Gewicht und Urinausscheidung engmaschig überwachen.
OpiateNicht routinemäßig-
NitrateNicht routinemäßigNur bei Begleitischämie, schwerer Hypertonie oder Klappeninsuffizienz (unter Level-2-Monitoring).
NatriumnitroprussidKontraindiziertSoll nicht angeboten werden.
Inotropika / VasopressorenNicht routinemäßigNur bei potenziell reversiblem kardiogenem Schock (unter Level-2-Monitoring).

Nicht-medikamentöse Therapie und Beatmung

MaßnahmeIndikation
NIV (CPAP/NIPPV)Bei kardiogenem Lungenödem mit schwerer Dyspnoe und Azidämie. Nicht routinemäßig!
Invasive BeatmungBei respiratorischem Versagen, Bewusstseinsminderung oder physischer Erschöpfung trotz Therapie.
UltrafiltrationNur bei bestätigter Diuretika-Resistenz (keine routinemäßige Anwendung).

Therapie nach Stabilisierung

Sobald der Patient hämodynamisch stabil ist (z.B. keine i.v. Diuretika mehr benötigt werden), muss die chronische Herzinsuffizienz-Medikation optimiert werden.

  • Betablocker: Bei Patienten mit reduzierter Ejektionsfraktion während des stationären Aufenthalts beginnen oder wieder ansetzen.
  • ACE-Hemmer / ARB & Aldosteronantagonisten: Bei reduzierter LVEF noch im Krankenhaus ansetzen.
  • Überwachung: Nierenfunktion, Elektrolyte, Herzfrequenz und Blutdruck engmaschig kontrollieren.
Betablocker-Status bei AufnahmeVorgehenAusnahmen (Absetzen/Pausieren)
Bereits etabliertFortführenHerzfrequenz < 50/min, AV-Block II/III, Schock
Neu-EinstellungBeginnen nach StabilisierungPatient muss vor Entlassung typischerweise 48h stabil sein

Mechanische Unterstützungssysteme

Bei potenziell reversibler, schwerer akuter Herzinsuffizienz oder bei Transplantationskandidaten sollte frühzeitig ein Zentrum für mechanische Kreislaufunterstützung kontaktiert werden.

💡Praxis-Tipp

Setzen Sie Betablocker bei Aufnahme wegen einer akuten Dekompensation nicht reflexartig ab. Führen Sie die Therapie fort, solange kein Schock, höhergradiger AV-Block oder eine schwere Bradykardie (< 50/min) vorliegt.

Häufig gestellte Fragen

Ein BNP-Wert unter 100 ng/l oder ein NT-proBNP-Wert unter 300 ng/l schließen eine akute Herzinsuffizienz aus.
Nein, eine bestehende Betablocker-Therapie sollte fortgeführt werden, es sei denn, es liegt eine Herzfrequenz < 50/min, ein AV-Block II. oder III. Grades oder ein Schock vor.
Bei erhöhten natriuretischen Peptiden sollte innerhalb von 48 Stunden nach Aufnahme eine transthorakale Echokardiografie durchgeführt werden.
Nein, Opiate sollen laut NICE-Leitlinie bei akuter Herzinsuffizienz nicht routinemäßig verabreicht werden.

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