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Chronische Herzinsuffizienz: Leitlinie (SIGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf SIGN Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • BNP oder NT-proBNP dienen als primäre Filtertests vor der Echokardiografie.
  • Die Basistherapie für HF-REF (NYHA II-IV) besteht aus ACE-Hemmern und Betablockern.
  • Bei anhaltenden Symptomen (LVEF ≤35%) werden Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA) empfohlen.
  • Sacubitril/Valsartan ersetzt ACE-Hemmer/ARB bei symptomatischen Patienten (NYHA II-III, LVEF ≤40%).
  • Gerätebasierte Therapien (ICD, CRT) richten sich nach LVEF, NYHA-Klasse und QRS-Breite.
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Hintergrund

Die chronische Herzinsuffizienz wird klinisch anhand der Symptomatik und der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) eingeteilt. Die Leitlinie fokussiert sich primär auf die Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HF-REF, LVEF ≤40 %). Zur Klassifikation werden das NYHA- und das ACC/AHA-System genutzt.

NYHA-KlasseSymptomatik
IKeine Einschränkung: Alltägliche Belastung verursacht keine unverhältnismäßige Erschöpfung, Atemnot oder Palpitationen.
IILeichte Einschränkung: Beschwerdefrei in Ruhe, aber alltägliche Belastung führt zu Symptomen.
IIIDeutliche Einschränkung: Beschwerdefrei in Ruhe, aber geringe Belastung führt zu Symptomen.
IVBeschwerden bei jeder körperlichen Aktivität und in Ruhe.
ACC/AHA-StadiumBeschreibung
AHohes Risiko für Herzinsuffizienz, aber keine strukturelle Herzerkrankung oder Symptome.
BStrukturelle Herzerkrankung, aber keine Symptome.
CStrukturelle Herzerkrankung mit früheren oder aktuellen Symptomen.
DRefraktäre Herzinsuffizienz, die spezielle Interventionen erfordert.

Diagnostik

Bei Verdacht auf Herzinsuffizienz sollten natriuretische Peptide (BNP oder NT-proBNP) oder ein EKG bestimmt werden, um die Indikation zur Echokardiografie zu stellen. Blutproben sollten idealerweise vor Beginn einer Therapie entnommen werden.

  • BNP >400 pg/ml oder NT-proBNP >2.000 pg/ml: Echokardiografie und fachärztliche Beurteilung innerhalb von 2 Wochen.
  • BNP 100–400 pg/ml oder NT-proBNP 400–2.000 pg/ml: Echokardiografie innerhalb von 6 Wochen.
  • BNP <100 pg/ml oder NT-proBNP <400 pg/ml: Herzinsuffizienz als Ursache unwahrscheinlich.

Die Echokardiografie ist indiziert bei erhöhten Peptid-Werten oder abnormalem EKG, um die Diagnose zu sichern, die LVEF zu bestimmen und Klappenerkrankungen auszuschließen.

Lebensstil und psychische Gesundheit

  • Salzkonsum: Zielwert <6 g/Tag. "Low salt"-Ersatzprodukte wegen hohem Kaliumgehalt meiden.
  • Gewichtskontrolle: Tägliches Wiegen zur gleichen Zeit. Gewichtszunahme von >1,5–2 kg in 2 Tagen erfordert ärztliche Rücksprache.
  • Depression: Screening mittels validierter Instrumente. Kognitive Verhaltenstherapie sollte bei klinischer Depression erwogen werden. Trizyklische Antidepressiva sind kontraindiziert.
  • Interaktionen: Grapefruitsaft (bei Simvastatin), Cranberrysaft (bei Warfarin) und Johanniskraut meiden.

Medikamentöse Therapie (HF-REF)

Die medikamentöse Therapie erfolgt stufenweise. Die Kombination aus ACE-Hemmer, ARB und MRA wird wegen des Risikos für Nierenversagen und Hyperkaliämie nicht empfohlen.

WirkstoffklasseIndikationWichtige Hinweise
BetablockerNYHA II-IV, sobald stabilBisoprolol, Carvedilol oder Nebivolol als 1. Wahl.
ACE-HemmerAlle NYHA-KlassenBasistherapie für alle Patienten mit HF-REF.
ARBNYHA II-IV bei ACE-Hemmer-IntoleranzAlternative bei Husten unter ACE-Hemmern.
MRANYHA II-IV, LVEF ≤35 % trotz optimaler TherapieSpironolacton oder Eplerenon. Kontraindiziert bei K+ >5,0 mmol/l oder schwerer Niereninsuffizienz.
Sacubitril/ValsartanNYHA II-III, LVEF ≤40 % trotz optimaler TherapieErsetzt ACE-Hemmer/ARB. Wichtig: ACE-Hemmer 36 Stunden vor Start absetzen.
IvabradinNYHA II-IV, LVEF ≤35 %, Sinusrhythmus ≥75 bpmNur nach Hospitalisierung (<12 Monate) und unter maximal tolerierter Betablocker-Dosis.
DiuretikaKlinische Zeichen der ÜberwässerungDosis individuell anpassen (Schleifendiuretika bevorzugt).

Device-Therapie (ICD und CRT)

Implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) und kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) sind bei HF-REF (LVEF ≤35 %) nach folgendem Schema indiziert:

QRS-Intervall (ms)NYHA INYHA IINYHA IIINYHA IV
<120ICD bei hohem RisikoICDICDNicht indiziert
120-149 (ohne LSB)ICDICDICDCRT-P
120-149 (mit LSB)ICDCRT-DCRT-P oder CRT-DCRT-P
≥150 (mit/ohne LSB)CRT-DCRT-DCRT-P oder CRT-DCRT-P

(LSB = Linksschenkelblock; CRT-P = mit Schrittmacher; CRT-D = mit Defibrillator)

💡Praxis-Tipp

Setzen Sie ACE-Hemmer zwingend 36 Stunden vor der Initiierung von Sacubitril/Valsartan ab, um das Risiko eines lebensbedrohlichen Angioödems zu minimieren. Vermeiden Sie zudem die Dreifachkombination aus ACE-Hemmer, ARB und MRA.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie sind Bisoprolol, Carvedilol und Nebivolol die Mittel der ersten Wahl bei HF-REF.
Bei Patienten mit HF-REF (NYHA II-III, LVEF ≤40%), die trotz optimaler Therapie mit ACE-Hemmern/ARBs und Betablockern weiterhin symptomatisch sind.
Der Salzkonsum sollte 6 g pro Tag nicht überschreiten. Kaliumreiche Salzersatzprodukte sind zu vermeiden.
Bei einem BNP >400 pg/ml (oder NT-proBNP >2.000 pg/ml) innerhalb von 2 Wochen, bei Werten zwischen 100-400 pg/ml innerhalb von 6 Wochen.
Bei Patienten mit HF-REF (LVEF ≤35%), die trotz maximal tolerierter Betablocker-Dosis einen Sinusrhythmus von ≥75 Schlägen pro Minute haben.

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