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Canadian Cardiovascular Society (CCS)2017KardiologieInnere Medizin

Herzinsuffizienz Leitlinie 2017 (CCS): Diagnostik & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Canadian Cardiovascular Society (CCS) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Basistherapie der HFrEF (LVEF ≤ 40 %) besteht aus ACE-Hemmer/ARB, Betablocker und MRA.
  • Bei fortbestehenden Symptomen (NYHA II-IV) wird die Umstellung auf einen ARNI (Sacubitril/Valsartan) empfohlen.
  • Bei der Umstellung von einem ACE-Hemmer auf einen ARNI muss ein auswaschfreies Intervall von 36 Stunden eingehalten werden.
  • Die akute Herzinsuffizienz wird primär mit intravenösen Schleifendiuretika (z. B. Furosemid) behandelt, um Euvolämie zu erreichen.
  • Eine ICD/CRT-Evaluation ist bei einer LVEF ≤ 35 % nach mindestens 3 Monaten optimaler medikamentöser Therapie indiziert.
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Hintergrund

Die Herzinsuffizienz (HF) wird basierend auf der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) klassifiziert. Die kanadische Leitlinie (CCS 2017) unterscheidet primär:

  • HFrEF (Heart Failure with reduced Ejection Fraction): LVEF ≤ 40 %
  • HFpEF (Heart Failure with preserved Ejection Fraction): LVEF ≥ 50 %

Diagnostik

Die Diagnose stützt sich auf Anamnese, körperliche Untersuchung, EKG, Röntgen-Thorax und Echokardiographie. Natriuretische Peptide helfen bei der Risikostratifizierung und Diagnosestellung.

BiomarkerAmbulantes Setting (HF Verdacht)Akute Herzinsuffizienz (AHF) wahrscheinlichAHF unwahrscheinlich
BNP> 50 pg/ml> 400 pg/ml< 100 pg/ml
NT-proBNP> 125 pg/ml> 900 pg/ml (50-75 J.) / > 1800 pg/ml (> 75 J.)< 300 pg/ml

Medikamentöse Therapie bei HFrEF

Die Basistherapie (Tripeltherapie) besteht aus einem ACE-Hemmer (oder ARB), einem Betablocker und einem Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA). Die Medikamente sollten auf die in großen klinischen Studien bewiesenen Zieldosen titriert werden.

WirkstoffklasseMedikamentStartdosisZieldosis
ACE-HemmerRamipril1,25-2,5 mg BID5 mg BID
ACE-HemmerPerindopril2-4 mg täglich4-8 mg täglich
ARBValsartan40 mg BID160 mg BID
BetablockerBisoprolol1,25 mg täglich10 mg täglich
BetablockerCarvedilol3,125 mg BID25 mg BID (50 mg BID bei >85 kg)
MRASpironolacton12,5-25 mg täglich25-50 mg täglich

Stufenschema und Therapieeskalation (HFrEF)

Bei fortbestehenden Symptomen (NYHA II-IV) und einer LVEF ≤ 40 % trotz optimaler Tripeltherapie:

  • ARNI (Sacubitril/Valsartan): Wechsel von ACE-Hemmer/ARB auf ARNI.
  • Ivabradin: Zusätzlich bei Sinusrhythmus und Herzfrequenz ≥ 70 bpm.

Umstellung auf ARNI:

  • Von ACE-Hemmer: ACE-Hemmer absetzen, zwingend 36 Stunden warten (Risiko für Angioödem), dann ARNI starten.
  • Von ARB: ARB absetzen, keine Auswaschphase nötig, ARNI zur nächsten fälligen Dosis starten.

Akute Herzinsuffizienz (AHF)

Das primäre Ziel ist die Beseitigung der Stauungssymptomatik (Euvolämie) und die Optimierung der Basistherapie.

  • Sauerstoff: Ziel-SpO2 ≥ 92 %. Erwäge CPAP/BiPAP bei Bedarf.
  • Diuretika: Intravenöse Schleifendiuretika (z. B. Furosemid 20-80 mg Bolus oder 5-20 mg/h Infusion).
  • Therapiekontrolle: Urinausscheidung und Gewicht (Ziel: 0,5-1,5 kg Gewichtsverlust oder 3-5 L Urin/Tag). Bei unzureichender Diurese Dosis um ca. 50 % steigern oder Metolazon (1,25-5 mg) ergänzen.

Gerätetherapie (ICD und CRT)

Eine Überweisung zur Evaluation einer Device-Therapie wird empfohlen, wenn:

  • Die LVEF ≤ 35 % beträgt.
  • Der Patient seit mindestens 3 Monaten eine optimale medikamentöse Therapie erhält.
  • Symptome der Klasse NYHA II-IV bestehen.
  • Für CRT: EKG zeigt Sinusrhythmus, QRS-Dauer > 130 ms mit LSB-Morphologie (LBBB).

💡Praxis-Tipp

Bei der Umstellung von einem ACE-Hemmer auf einen ARNI (Sacubitril/Valsartan) muss zwingend ein auswaschfreies Intervall von mindestens 36 Stunden eingehalten werden, um das Risiko eines lebensbedrohlichen Angioödems zu minimieren. Bei vorheriger ARB-Gabe ist dies nicht erforderlich.

Häufig gestellte Fragen

Ein ARNI (Sacubitril/Valsartan) wird bei Patienten mit HFrEF (LVEF ≤ 40 %) und fortbestehenden Symptomen (NYHA II-IV) trotz optimaler Tripeltherapie empfohlen.
Eine akute Herzinsuffizienz ist wahrscheinlich bei einem BNP > 400 pg/ml oder einem NT-proBNP > 900 pg/ml (bei 50-75-Jährigen) bzw. > 1800 pg/ml (bei über 75-Jährigen).
Die Therapie erfolgt mit intravenösen Schleifendiuretika, z. B. Furosemid als 20-80 mg Bolus oder 5-20 mg/h Infusion. Bei unzureichender Wirkung kann die Dosis um 50 % gesteigert oder Metolazon ergänzt werden.
Eine Überweisung zur ICD-Evaluation sollte erfolgen, wenn die LVEF ≤ 35 % beträgt und der Patient seit mindestens 3 Monaten optimal medikamentös eingestellt ist, aber weiterhin symptomatisch (NYHA II-IV) bleibt.

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