Herzinsuffizienz und Ejektionsfraktion: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie behandelt die Diagnostik und Therapie der Herzinsuffizienz. Es handelt sich um ein komplexes klinisches Syndrom, das durch eine strukturelle oder funktionelle Beeinträchtigung der ventrikulären Füllung oder Ejektion entsteht.
Die Prävalenz der Herzinsuffizienz steigt weltweit kontinuierlich an. Dies wird unter anderem auf die alternde Bevölkerung und verbesserte Überlebensraten durch moderne kardiologische Therapien zurückgeführt.
Die Leitlinie unterteilt die Erkrankung anhand der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) sowie nach den ACC/AHA-Stadien und der NYHA-Klassifikation. Diese Einteilungen sind entscheidend für die Prognose und die Auswahl der leitliniengerechten medizinischen Therapie (GDMT).
Empfehlungen
Klassifikation der Herzinsuffizienz
Die Leitlinie klassifiziert die Herzinsuffizienz basierend auf der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF). Diese Einteilung leitet die spezifischen Therapieentscheidungen.
| HF-Klasse | LVEF-Kriterium | Beschreibung |
|---|---|---|
| HFrEF | ≤ 40% | Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion |
| HFmrEF | 41% - 49% | Herzinsuffizienz mit leicht reduzierter Ejektionsfraktion |
| HFpEF | ≥ 50% | Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion |
| HFimpEF | > 40% | Herzinsuffizienz mit verbesserter Ejektionsfraktion (zuvor ≤ 40%) |
Zusätzlich wird eine Einteilung nach den ACC/AHA-Stadien vorgenommen, um die Progression der Erkrankung abzubilden.
| Stadium | Beschreibung |
|---|---|
| Stadium A | Hohes Risiko für Herzinsuffizienz, keine strukturelle Herzerkrankung oder Symptome |
| Stadium B | Strukturelle Herzerkrankung vorhanden, aber keine Symptome |
| Stadium C | Strukturelle Herzerkrankung mit aktuellen oder früheren Symptomen |
| Stadium D | Refraktäre Herzinsuffizienz, die spezialisierte Interventionen erfordert |
NYHA-Klassifikation
Die subjektive Beurteilung der funktionellen Kapazität erfolgt nach der New York Heart Association (NYHA).
| NYHA-Klasse | Symptomatik |
|---|---|
| Klasse I | Keine Einschränkung der körperlichen Aktivität. Alltägliche Belastung verursacht keine Symptome. |
| Klasse II | Leichte Einschränkung der körperlichen Aktivität. Beschwerdefreiheit in Ruhe, aber Symptome bei alltäglicher Belastung. |
| Klasse III | Erhebliche Einschränkung der körperlichen Aktivität. Beschwerdefreiheit in Ruhe, aber Symptome bereits bei geringer Belastung. |
| Klasse IV | Unfähigkeit, körperliche Aktivitäten ohne Beschwerden auszuführen. Symptome treten bereits in Ruhe auf. |
Diagnostik
Bei klinischem Verdacht wird laut Leitlinie eine umfassende Basisdiagnostik empfohlen. Diese umfasst ein Elektrokardiogramm, ein großes Blutbild sowie ein umfassendes Stoffwechselpanel.
Zur spezifischen kardialen Evaluation wird die Bestimmung der natriuretischen Peptide empfohlen. Ein NT-proBNP-Wert über 125 pg/ml oder ein BNP-Wert von mindestens 35 pg/ml gelten als zuverlässige Indikatoren für eine Herzinsuffizienz.
Für die Beurteilung der linksventrikulären Ejektionsfraktion wird standardmäßig ein transthorakales Echokardiogramm empfohlen. Bei unzureichender Bildqualität sollten alternative Modalitäten wie ein kardiales MRT oder ein CT-Angiogramm in Betracht gezogen werden.
Medikamentöse Therapie
Die Leitlinie empfiehlt für symptomatische Patienten eine leitliniengerechte medizinische Therapie (GDMT). Folgende Substanzklassen bilden die Basis der Behandlung:
-
Betablocker zur Verbesserung der Überlebensrate und Reduktion von Hospitalisierungen bei HFrEF
-
ARNI (Sacubitril/Valsartan) bei HFrEF, HFmrEF und HFpEF zur Senkung der kardiovaskulären Mortalität
-
ACE-Hemmer oder ARBs als primäre Therapie bei chronischer Herzinsuffizienz, falls ARNI nicht verfügbar ist
-
SGLT2-Inhibitoren zur Reduktion von Hospitalisierungen und Mortalität über alle LVEF-Klassen hinweg
-
Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA) bei NYHA-Klasse II-IV und einer LVEF ≤ 35%
Nebenwirkungsprofil der medikamentösen Therapie
Die Leitlinie weist auf spezifische Komplikationen der Herzinsuffizienz-Medikation hin, die eine regelmäßige Überwachung erfordern.
| Medikamentenklasse | Mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen |
|---|---|
| ACE-Hemmer | Trockener Husten, Hyperkaliämie, Hypotonie |
| Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) | Hyperkaliämie, Hypotonie |
| Betablocker | Bradykardie, Hypotonie, Fatigue |
| Diuretika | Elektrolytstörungen (Hypokaliämie), Dehydratation, Nierenfunktionsstörungen |
| Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten | Hyperkaliämie, Nierenfunktionsstörungen |
| SGLT2-Inhibitoren | Genitale Infektionen, Hypotonie |
Apparative und chirurgische Therapie
Vor der Implantation von Geräten wird empfohlen, die medikamentöse Therapie für mindestens drei Monate zu optimieren. Anschließend sollte die LVEF neu bewertet werden.
Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) wird zur Primärprävention des plötzlichen Herztodes bei einer LVEF ≤ 35% und NYHA-Klasse II-III empfohlen.
Eine kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) ist laut Leitlinie bei Patienten mit Sinusrhythmus, einer LVEF ≤ 35% und einem Linksschenkelblock mit einer QRS-Dauer von ≥ 150 ms indiziert.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie sollten bestimmte Medikamente bei Herzinsuffizienz vermieden werden, da sie den Zustand verschlechtern können.
Folgende Substanzen gelten als kontraindiziert oder potenziell schädlich:
-
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und COX-2-Hemmer
-
Kalziumkanalblocker (mit Ausnahme von Amlodipin und Felodipin)
-
Thiazolidindione (Glitazone)
-
Die Kombination aus ACE-Hemmern und Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB)
-
Dronedaron, Metformin und Cilostazol
Bei einer akut dekompensierten Herzinsuffizienz wird zusätzlich vor dem Einsatz von DPP-4-Inhibitoren (wie Sitagliptin oder Saxagliptin) gewarnt.
💡Praxis-Tipp
Vor der Entscheidung für eine apparative Therapie (wie ICD oder CRT) wird empfohlen, die leitliniengerechte medikamentöse Therapie (GDMT) für mindestens drei Monate konsequent durchzuführen. Erst nach dieser Phase sollte die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) neu bewertet werden, um unnötige Eingriffe zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie nennt einen NT-proBNP-Wert von über 125 pg/ml als zuverlässigen Indikator für eine Herzinsuffizienz. Alternativ gilt ein BNP-Wert von mindestens 35 pg/ml als auffällig.
Es wird empfohlen, Kalziumkanalblocker bei Herzinsuffizienz generell zu vermeiden. Ausnahmen bilden laut Leitlinie lediglich Amlodipin und Felodipin.
Eine CRT wird bei symptomatischen Patienten mit Sinusrhythmus und einer LVEF von maximal 35% empfohlen. Voraussetzung ist zudem ein Linksschenkelblock mit einer QRS-Dauer von mindestens 150 ms unter optimierter medikamentöser Therapie.
Bei einer akut dekompensierten Herzinsuffizienz wird der Einsatz von Schleifendiuretika gegenüber Thiaziden bevorzugt. Die Leitlinie stellt fest, dass es keine wissenschaftliche Evidenz gibt, die ein bestimmtes Schleifendiuretikum gegenüber einem anderen favorisiert.
Als HFimpEF wird eine Herzinsuffizienz bezeichnet, bei der die LVEF initial bei 40% oder darunter lag und sich im Verlauf auf über 40% verbessert hat. Es wird empfohlen, die medikamentöse Therapie bei diesen Patienten fortzuführen.
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Quelle: StatPearls: Heart Failure and Ejection Fraction (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.