Gastroösophagealer Reflux (GERD): Diagnostik & Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG1 behandelt die Diagnostik und das Management der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen. Dabei wird zwischen dem physiologischen gastroösophagealen Reflux (GER) und der pathologischen Refluxkrankheit unterschieden.

Ein unkomplizierter Reflux ist bei gesunden Säuglingen sehr häufig und zeigt sich durch anstrengungsloses Aufstoßen von Nahrung. Laut Leitlinie beginnt dies meist vor der achten Lebenswoche und bildet sich bei 90 Prozent der betroffenen Säuglinge bis zum ersten Lebensjahr von selbst zurück.

Eine behandlungsbedürftige Refluxkrankheit liegt vor, wenn der Reflux zu starken Beschwerden oder Komplikationen wie Ösophagitis oder Aspirationspneumonien führt. Besondere Risikogruppen sind Frühgeborene sowie Kinder mit komplexen neurologischen Behinderungen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die klinische Praxis:

Diagnostik und Red Flags

Es wird empfohlen, Eltern darüber aufzuklären, dass anstrengungsloses Aufstoßen bei Säuglingen meist normal ist und keine weitere Diagnostik erfordert. Eine routinemäßige Untersuchung oder Behandlung wird nicht empfohlen, wenn lediglich ein einzelnes Symptom wie chronischer Husten oder eine Gedeihstörung ohne offensichtliches Aufstoßen vorliegt.

Bei Erbrechen oder Regurgitation muss laut Leitlinie auf Warnzeichen (Red Flags) geachtet werden, die auf andere Erkrankungen hinweisen:

SymptomMögliche ImplikationEmpfohlenes Vorgehen
Projektilartiges ErbrechenHypertrophe Pylorusstenose (bis 2 Monate)Überweisung an Kinderchirurgie
Galliges Erbrechen (grün/gelb)DarmobstruktionÜberweisung an Kinderchirurgie
Hämatemesis (Blut im Erbrochenen)Blutung im oberen GastrointestinaltraktFachärztliche Überweisung
Beginn nach 6. Lebensmonat / Persistenz nach 1. JahrAndere Ursache (z.B. Harnwegsinfekt)Urindiagnostik, fachärztliche Überweisung
Blut im StuhlGastroenteritis, Kuhmilchallergie, chirurgischer NotfallStuhldiagnostik, fachärztliche Überweisung
Vorgewölbte Fontanelle / MakrozephalieErhöhter Hirndruck (z.B. Meningitis, Hydrozephalus)Fachärztliche Überweisung

Von einer routinemäßigen oberen gastrointestinalen Kontrastmitteluntersuchung zur Diagnose von GERD wird abgeraten. Eine dringende Kontrastmitteluntersuchung wird jedoch bei unerklärtem galligem Erbrechen empfohlen.

Nicht-medikamentöse Therapie

Die Leitlinie rät davon ab, Säuglinge zur Refluxbehandlung in einer bestimmten Schlafposition zu lagern. Zur Prävention des plötzlichen Kindstods sollen Säuglinge auf dem Rücken schlafen.

Für mit Formula-Nahrung gefütterte Säuglinge mit häufigem Aufstoßen und deutlichem Leidensdruck wird ein Stufenschema empfohlen:

  • Überprüfung der Fütterungshistorie und Reduktion der Nahrungsmenge, falls diese für das Gewicht zu hoch ist

  • Versuch mit kleineren, häufigeren Mahlzeiten

  • Versuch mit angedickter Formula-Nahrung (z.B. mit Reis- oder Maisstärke)

Medikamentöse Therapie

Säureblocker wie Protonenpumpeninhibitoren (PPI) oder H2-Rezeptor-Antagonisten sollen nicht zur Behandlung von isoliertem, offensichtlichem Aufstoßen eingesetzt werden.

Ein vierwöchiger Behandlungsversuch mit einem PPI oder H2-Rezeptor-Antagonisten kann laut Leitlinie erwogen werden bei:

  • Säuglingen und Kindern mit unerklärten Fütterungsschwierigkeiten, Gedeihstörungen oder deutlichem Leidensdruck

  • Kindern und Jugendlichen mit anhaltendem Sodbrennen oder retrosternalen Schmerzen

  • Endoskopisch gesicherter Refluxösophagitis

Wenn das Stufenschema bei Formula-ernährten Säuglingen erfolglos bleibt, wird empfohlen, die angedickte Nahrung abzusetzen und probeweise für ein bis zwei Wochen Alginate einzusetzen.

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Metoclopramid: Ist bei Säuglingen kontraindiziert. Aufgrund neurologischer Nebenwirkungen sollte es generell nur kurzzeitig (bis zu 5 Tage) verordnet werden.

  • Prokinetika und Makrolide: Metoclopramid, Domperidon und Erythromycin sollen nicht zur Behandlung von GERD eingesetzt werden, es sei denn, der potenzielle Nutzen überwiegt die Risiken, andere Interventionen waren erfolglos und es besteht ein fachärztlicher Konsens.

  • Erythromycin: Es wird vor dem Risiko einer infantilen hypertrophen Pylorusstenose, kardialen Risiken (QT-Zeit-Verlängerung) und potenziellen Wechselwirkungen mit Rivaroxaban gewarnt.

  • Domperidon: Es besteht ein Risiko für kardiale Nebenwirkungen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die vorschnelle Verordnung von Säureblockern (PPI oder H2-Rezeptor-Antagonisten) bei Säuglingen, die lediglich häufig aufstoßen. Die Leitlinie betont, dass isoliertes Aufstoßen ohne weitere Warnzeichen keine medikamentöse Therapie rechtfertigt. Zudem wird ausdrücklich davor gewarnt, Säuglinge zur Refluxvermeidung in Bauch- oder Seitenlage schlafen zu lassen, da dies das Risiko für den plötzlichen Kindstod erhöht.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie beginnt das anstrengungslose Aufstoßen meist vor der achten Lebenswoche. Bei 90 Prozent der betroffenen Säuglinge bildet es sich vor dem ersten Geburtstag von selbst zurück.

Die Leitlinie rät davon ab, PPI bei isoliertem Aufstoßen zu verordnen. Ein vierwöchiger Therapieversuch wird nur bei zusätzlichen Symptomen wie Gedeihstörungen, unerklärten Fütterungsschwierigkeiten oder gesicherter Ösophagitis empfohlen.

Bei Formula-ernährten Säuglingen mit Leidensdruck wird ein Stufenschema empfohlen. Dieses umfasst zunächst kleinere, häufigere Mahlzeiten und bei Erfolglosigkeit den Versuch mit angedickter Formula-Nahrung.

Eine fachärztliche Überweisung wird unter anderem bei galligem Erbrechen, Blut im Erbrochenen oder Stuhl, Gedeihstörungen sowie bei einem späten Beginn der Symptome nach dem sechsten Lebensmonat empfohlen.

Der routinemäßige Einsatz von Domperidon, Metoclopramid oder Erythromycin wird nicht empfohlen. Diese Medikamente sollen nur nach Ausschöpfung anderer Maßnahmen und nach fachärztlicher Abstimmung eingesetzt werden, da signifikante Nebenwirkungen drohen.

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Quelle: NG1: Gastro-oesophageal reflux disease in children and young people: diagnosis and management (NICE, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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