ClariMedClariMed
NICE

GORD bei Kindern: NICE-Leitlinie zu Reflux

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Müheloses Aufstoßen (GOR) ist bei Säuglingen physiologisch, betrifft mindestens 40 % und sistiert bei 90 % bis zum 1. Lebensjahr.
  • Ein routinemäßiger Einsatz von PPI oder H2-Rezeptor-Antagonisten bei isoliertem Aufstoßen wird nicht empfohlen.
  • Bei formulagenährten Säuglingen mit Leidensdruck gilt ein Stufenschema: Fütterungsanpassung, Andickung, dann Alginate.
  • Warnsignale (Red Flags) wie galliges Erbrechen, Hämatemesis oder ein später Symptombeginn (>6 Monate) erfordern eine sofortige Abklärung.
  • Prokinetika (Metoclopramid, Domperidon) sollen wegen schwerer Nebenwirkungen nur in strengen Ausnahmefällen durch Spezialisten verordnet werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Der gastroösophageale Reflux (GOR) ist ein normaler physiologischer Prozess, der bei gesunden Säuglingen, Kindern und Jugendlichen auftritt. Bei Säuglingen ist müheloses Aufstoßen sehr häufig (mindestens 40 % sind betroffen), beginnt meist vor der 8. Lebenswoche und löst sich bei 90 % der betroffenen Säuglinge bis zum ersten Lebensjahr von selbst.

Von einer gastroösophagealen Refluxkrankheit (GORD) spricht man, wenn der Reflux zu Symptomen führt, die stark genug sind, um eine medizinische Behandlung zu rechtfertigen, oder Komplikationen (z. B. Refluxösophagitis, rezidivierende Aspirationspneumonien) verursacht.

Warnsignale (Red Flags)

Bei Erbrechen oder Regurgitation muss auf Warnsignale geachtet werden, die auf andere, potenziell schwerwiegende Erkrankungen hinweisen.

Symptom / BefundMögliche DiagnoseEmpfohlene Maßnahme
Galliges Erbrechen (grün/gelb-grün)DarmobstruktionDringende pädiatrisch-chirurgische Überweisung
Projektilartiges Erbrechen (< 2 Monate)Hypertrophe PylorusstenosePädiatrisch-chirurgische Überweisung
Hämatemesis (Blut im Erbrochenen)Blutung im oberen GastrointestinaltraktFachärztliche Überweisung
Später Beginn (> 6 Monate) oder Persistenz (> 1 Jahr)Harnwegsinfekt oder andere UrsachenUrindiagnostik, fachärztliche Überweisung
Blut im StuhlKuhmilchproteinallergie, GastroenteritisStuhldiagnostik, fachärztliche Überweisung
Vorgewölbte Fontanelle / MakrozephalieErhöhter Hirndruck (z. B. Meningitis, Hydrozephalus)Fachärztliche Überweisung

Diagnostik

Eine routinemäßige Untersuchung oder Behandlung auf GOR wird nicht empfohlen, wenn ein Säugling oder Kind ohne sichtbares Aufstoßen nur eines der folgenden Symptome zeigt: unerklärliche Fütterungsschwierigkeiten, unruhiges Verhalten, Gedeihstörung, chronischer Husten, Heiserkeit oder eine einzelne Pneumonie.

  • Kontrastmittelbreischluck: Nicht zur Diagnose oder Schweregradbeurteilung von GORD einsetzen. Indiziert bei Verdacht auf anatomische Ursachen (z. B. galliges Erbrechen, Dysphagie).
  • Endoskopie mit Biopsie: Indiziert bei Hämatemesis, Melaena, Dysphagie, ausbleibender Besserung nach dem 1. Lebensjahr, Gedeihstörung, unerklärlicher Anämie oder Verdacht auf Sandifer-Syndrom.
  • pH-Metrie (ggf. mit Impedanz): Erwägen bei rezidivierenden Aspirationspneumonien, unerklärlichen Apnoen, nicht-epileptischen anfallsartigen Ereignissen oder vor einer Fundoplicatio.

Therapie bei Säuglingen

Die wichtigste Maßnahme bei unkompliziertem GOR ist die Aufklärung und Beruhigung der Eltern. Eine positionelle Therapie (Hochlagerung) bei schlafenden Säuglingen wird nicht empfohlen, da Säuglinge zur Prävention des plötzlichen Kindstods (SIDS) auf dem Rücken schlafen sollten.

Stufenschema für formulagenährte Säuglinge

Bei formulagenährten Säuglingen mit häufigem Aufstoßen und deutlichem Leidensdruck gilt folgendes Stufenschema:

StufeMaßnahmeBemerkung
1Fütterungshistorie prüfenVolumen reduzieren, falls für das Gewicht übermäßig.
2Mahlzeiten anpassenKleinere, häufigere Mahlzeiten (Tagesgesamtmenge beibehalten).
3Nahrung andickenVersuch mit angedickter Formula (z. B. mit Reis- oder Maisstärke, Johannisbrotkernmehl).
4Alginat-TherapieWenn Stufe 3 erfolglos: Andickung absetzen und Alginat für 1-2 Wochen testen. Bei Erfolg fortführen und periodisch Pausen einlegen.

Hinweis für gestillte Säuglinge: Hier sollte zunächst eine professionelle Stillberatung erfolgen. Bei anhaltendem Leidensdruck kann direkt ein 1- bis 2-wöchiger Versuch mit Alginaten erwogen werden.

Medikamentöse Therapie

WirkstoffklasseIndikationWichtige Hinweise
PPI / H2-Rezeptor-AntagonistenEndoskopisch gesicherte Refluxösophagitis; 4-wöchiger Versuch bei persistierendem Sodbrennen oder bei Säuglingen mit Aufstoßen + Gedeihstörung/Fütterungsproblemen.Nicht bei isoliertem, sichtbarem Aufstoßen ohne weitere Komplikationen einsetzen.
Prokinetika (Metoclopramid, Domperidon, Erythromycin)Nur wenn der Nutzen die Risiken überwiegt, andere Therapien versagt haben UND fachärztliche Zustimmung vorliegt.Nicht für Kinder zugelassen. Strenge Indikationsstellung wegen kardialer und neurologischer Nebenwirkungen.

Chirurgische Intervention

Eine Fundoplicatio kann bei schwerer, therapierefraktärer GORD erwogen werden, insbesondere wenn die medizinische Behandlung erfolglos war oder Fütterungsregime (z. B. kontinuierliche Sondenernährung) unpraktisch sind. Vorab muss zwingend eine obere GI-Endoskopie mit Biopsien erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei schlafenden Säuglingen auf eine Hochlagerung zur Refluxbehandlung, da dies dem SIDS-Präventionsgebot (Rückenlage) widerspricht.

Häufig gestellte Fragen

Müheloses Aufstoßen ist bei Säuglingen sehr häufig (mindestens 40 % sind betroffen), beginnt meist vor der 8. Lebenswoche und verschwindet bei 90 % der Kinder bis zum 1. Lebensjahr von selbst.
PPI sollten nur bei endoskopisch gesicherter Refluxösophagitis oder als 4-wöchiger Versuch bei Gedeihstörung bzw. starkem Leidensdruck eingesetzt werden. Sie sind nicht bei isoliertem Aufstoßen indiziert.
Galliges oder blutiges Erbrechen, projektilartiges Erbrechen in den ersten Lebensmonaten, Blut im Stuhl sowie ein später Beginn der Symptome nach dem 6. Lebensmonat erfordern eine sofortige fachärztliche Abklärung.
Nur in absoluten Ausnahmefällen, wenn andere Therapien versagt haben, der Nutzen die Risiken überwiegt und ein Spezialist zustimmt. Sie sind für Kinder nicht zugelassen und können schwere kardiale und neurologische Nebenwirkungen haben.
Nein, ein Kontrastmittelbreischluck wird nicht zur Diagnose oder Schweregradbeurteilung von GORD empfohlen. Er ist nur indiziert, um anatomische Ursachen (z. B. bei galligem Erbrechen) auszuschließen.

Verwandte Leitlinien