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Obstipation bei Kindern: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose der idiopathischen Obstipation wird primär klinisch anhand von Anamnese und körperlicher Untersuchung gestellt.
  • Apparative Untersuchungen wie Röntgen, Ultraschall oder Endoskopie sind zur Primärdiagnostik nicht indiziert.
  • Mittel der ersten Wahl zur Desimpaktion und Erhaltungstherapie ist Polyethylenglykol 3350 (PEG) mit Elektrolyten.
  • Diätetische Maßnahmen allein sind als Erstlinientherapie nicht ausreichend.
  • Laxanzien dürfen nach erfolgreicher Therapie nicht abrupt abgesetzt, sondern müssen schrittweise ausgeschlichen werden.
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Hintergrund

Obstipation ist im Kindesalter ein häufiges Problem mit einer Prävalenz von 5 bis 30 %. Die genaue Ursache ist oft unklar (idiopathisch), wobei Faktoren wie Schmerzen, Dehydration, Ernährung, psychologische Aspekte und das Toilettentraining eine Rolle spielen können. Ohne frühzeitige Diagnose und Behandlung kann eine akute Obstipation chronisch werden und zu weitreichenden psychosozialen Belastungen führen.

Diagnostik

Die Diagnose der idiopathischen Obstipation wird klinisch gestellt. Wenn zwei oder mehr der folgenden Kriterien erfüllt sind, liegt eine Obstipation vor:

AltersgruppeStuhlmusterBegleitsymptome
< 1 Jahr< 3 Stuhlgänge/Woche (außer bei voll gestillten Säuglingen > 6 Wochen), harter/großer Stuhl, "Hasenköttel"Schmerzen beim Stuhlgang, Pressen, Blutungen durch harten Stuhl
> 1 Jahr< 3 Stuhlgänge/Woche, Überlaufinkontinenz (oft sehr weich/übelriechend), "Hasenköttel", sehr große StühlePressen, anale Schmerzen, Stuhlverhalt (typische Körperhaltung: gestreckte Beine, Zehenspitzen, Hohlkreuz)

Warnsignale (Red Flags)

Bei Vorliegen von Red Flags darf keine empirische Therapie erfolgen. Die Patienten müssen dringend fachärztlich überwiesen werden, um zugrunde liegende Erkrankungen auszuschließen:

  • Verzögerter Mekoniumabgang (> 48 Stunden bei Reifgeborenen)
  • Beginn der Symptomatik in den ersten Lebenswochen
  • Bandförmige Stühle ("Ribbon stools")
  • Gedeihstörung (Faltering growth)
  • Schwäche in den Beinen oder motorische Entwicklungsverzögerung
  • Ausgeprägte abdominelle Distension mit Erbrechen
  • Auffälligkeiten der Analregion (Fisteln, fehlender Analreflex, vordere Analposition)

Apparative Diagnostik

Zur Primärdiagnostik der idiopathischen Obstipation sind apparative Untersuchungen nicht indiziert. Verzichten Sie auf:

  • Gastrointestinale Endoskopie
  • Anorektale Manometrie
  • Abdomenröntgen (nativ)
  • Transitzeit-Messungen
  • Abdomensonografie

Ausnahme: Bei Hinweisen auf eine Gedeihstörung sollte auf Zöliakie und Hypothyreose getestet werden. Eine Rektumbiopsie ist nur bei klinischem Verdacht auf Morbus Hirschsprung indiziert.

Therapie

Die Behandlung basiert auf einer Kombination aus medikamentöser Therapie (Desimpaktion und Erhaltung) sowie Verhaltens- und Ernährungsempfehlungen. Diätetische Maßnahmen allein reichen als Erstlinientherapie nicht aus.

1. Desimpaktion

Vor Beginn einer Erhaltungstherapie muss eine eventuell vorliegende Stuhlimpaktion (Koprostase) gelöst werden.

StufeTherapieBemerkung
1Polyethylenglykol 3350 (PEG) + Elektrolyte oralEskalierendes Dosisregime; kann mit Kaltgetränken gemischt werden
2+ Stimulierendes LaxansWenn nach 2 Wochen keine Desimpaktion erreicht ist
3Natriumcitrat-KlistierNur wenn alle oralen Medikamente versagt haben

Hinweis: Manuelle Ausräumung in Narkose oder Phosphat-Klistiere dürfen nur unter strenger fachärztlicher Supervision erfolgen, wenn alle anderen Maßnahmen versagt haben.

2. Erhaltungstherapie

Die Erhaltungstherapie beginnt sofort nach erfolgreicher Desimpaktion.

  • Erstlinientherapie: PEG 3350 + Elektrolyte (Startdosis entspricht ca. der Hälfte der Desimpaktionsdosis).
  • Zweitlinientherapie: Hinzufügen oder Wechsel auf ein stimulierendes Laxans. Bei hartem Stuhl kann Lactulose oder Docusat ergänzt werden.
  • Dauer: Medikamente über mehrere Wochen bis Monate fortführen. Bei Kindern im Toilettentraining bis zur sicheren Etablierung beibehalten.
  • Absetzen: Nicht abrupt absetzen, sondern die Dosis schrittweise über Monate reduzieren.

3. Begleitende Maßnahmen

  • Verhaltenstherapie: Geplantes Toilettentraining, Führen eines Stuhltagebuchs, positive Verstärkung (Belohnungssysteme, keine Bestrafung).
  • Ernährung: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Ballaststoffe (Obst, Gemüse, Vollkornprodukte). Keine unverarbeitete Kleie empfehlen, da diese Blähungen verursacht und die Mikronährstoffaufnahme hemmen kann.
  • Bewegung: Tägliche, altersgerechte körperliche Aktivität fördern.

💡Praxis-Tipp

Setzen Sie Laxanzien nach einer erfolgreichen Desimpaktion niemals abrupt ab. Führen Sie die Erhaltungstherapie über Wochen bis Monate fort und schleichen Sie die Dosis nur sehr langsam aus, um Rückfälle zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Unter anderem bei weniger als 3 Stuhlgängen pro Woche, hartem Stuhl, Schmerzen beim Stuhlgang, typischem Stuhlverhalt (Hohlkreuz, Zehenspitzen) oder Überlaufinkontinenz.
Zur Primärdiagnostik der idiopathischen Obstipation sind Röntgen, Ultraschall oder Endoskopie nicht indiziert. Die Diagnose wird rein klinisch gestellt.
Polyethylenglykol 3350 (Macrogol) mit Elektrolyten ist das Mittel der ersten Wahl, sowohl zur initialen Desimpaktion als auch zur anschließenden Erhaltungstherapie.
Eine DRU sollte nicht routinemäßig erfolgen, sondern nur von erfahrenen Spezialisten durchgeführt werden, insbesondere wenn Red Flags auf anatomische Anomalien oder Morbus Hirschsprung hindeuten.

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