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American College of Gastroenterology (ACG)2022GastroenterologieInnere MedizinAllgemeinmedizin

GERD-Leitlinie 2022: Diagnose & Therapie (ACG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf American College of Gastroenterology (ACG) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei klassischen Symptomen ohne Warnzeichen wird ein 8-wöchiger empirischer PPI-Versuch empfohlen.
  • Eine diagnostische Endoskopie sollte idealerweise nach einer 2- bis 4-wöchigen PPI-Pause erfolgen.
  • Patienten mit schwerer erosiver Ösophagitis (LA-Grad C oder D) benötigen eine dauerhafte PPI-Erhaltungstherapie.
  • Bei extraösophagealen Symptomen ohne klassisches Sodbrennen ist ein Refluxmonitoring vor Beginn einer PPI-Therapie indiziert.
  • Vor jeder Antireflux-Operation muss zwingend eine High-Resolution-Manometrie (HRM) zum Ausschluss einer Achalasie durchgeführt werden.
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Hintergrund

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) ist definiert als ein Zustand, bei dem der Reflux von Mageninhalt in die Speiseröhre zu Symptomen und/oder Komplikationen führt. Objektiv wird GERD durch charakteristische Schleimhautschäden in der Endoskopie und/oder eine abnormale Säureexposition im Refluxmonitoring nachgewiesen. Die Pathophysiologie ist multifaktoriell und umfasst eine Dysfunktion des unteren Ösophagussphinkters (uÖS), eine gestörte ösophageale Clearance sowie Veränderungen der Schleimhautintegrität.

Diagnostik

Die Diagnose der GERD basiert auf einer Kombination aus Symptomen, endoskopischer Evaluation, Refluxmonitoring und dem Ansprechen auf eine probatorische Therapie.

SituationEmpfohlene MaßnahmeBemerkung
Klassische Symptome (Sodbrennen, Regurgitation) ohne Warnzeichen8-wöchiger PPI-VersuchEinnahme 1x täglich, 30-60 Min. vor einer Mahlzeit.
Warnzeichen (Dysphagie, Gewichtsverlust, Blutung)Frühe EndoskopieErste diagnostische Wahl zum Ausschluss von Malignomen oder Komplikationen.
PPI-Versuch frustran oder Symptomrückkehr nach AbsetzenEndoskopieIdealerweise nach 2-4 Wochen PPI-Pause, um erosive Ösophagitis (EE) oder eosinophile Ösophagitis (EoE) nicht zu maskieren.
Unklare Diagnose, unauffällige EndoskopieRefluxmonitoring (Off-PPI)Zur objektiven Diagnosesicherung.
Barium-BreischluckNicht empfohlenDarf nicht als alleiniger diagnostischer Test für GERD verwendet werden.

Endoskopische Befunde: Die Los-Angeles-Klassifikation (LA) wird zur Graduierung der erosiven Ösophagitis genutzt. LA-Grad A ist nicht ausreichend für eine definitive GERD-Diagnose. LA-Grad B (mit Symptomen) sowie LA-Grad C und D sind diagnostisch beweisend. Ein Barrett-Ösophagus (>3 cm) beweist ebenfalls eine GERD.

Konservative und Medikamentöse Therapie

Die Basis der Behandlung bilden Lebensstilanpassungen und säuresuppressive Medikamente.

Lebensstilmodifikationen

  • Gewichtsreduktion: Bei übergewichtigen und adipösen Patienten zur Symptomverbesserung.
  • Schlafposition: Oberkörperhochlagerung bei nächtlichen Symptomen. Vermeidung der Rechtsseitenlage.
  • Mahlzeiten: Keine Nahrungsaufnahme 2-3 Stunden vor dem Zubettgehen.
  • Verzicht: Nikotinkarenz und Vermeidung individueller "Trigger-Nahrungsmittel".

Medikamentöse Stufentherapie

WirkstoffklasseIndikationEvidenz / Empfehlung
Protonenpumpeninhibitoren (PPI)Mittel der Wahl zur Heilung der EE und SymptomkontrolleStarke Empfehlung, überlegen gegenüber H2-Rezeptor-Antagonisten (H2RA). Einnahme 30-60 Min. vor dem Essen.
H2-Rezeptor-Antagonisten (H2RA)Bedtime-Gabe bei nächtlichen Symptomen unter PPITachyphylaxie nach 1 Monat möglich.
Prokinetika (z.B. Metoclopramid)Nur bei objektiver GastropareseStarke Empfehlung gegen den routinemäßigen Einsatz bei GERD aufgrund von Nebenwirkungen.
BaclofenBei objektivem Reflux trotz PPI-TherapieReduziert transiente uÖS-Relaxationen. Nicht ohne objektive GERD-Evidenz einsetzen.
SucralfatGERD in der SchwangerschaftAußerhalb der Schwangerschaft nicht empfohlen.

Erhaltungstherapie: Patienten mit LA-Grad C oder D Ösophagitis benötigen eine dauerhafte PPI-Therapie, da die Rezidivrate nach Absetzen extrem hoch ist. Bei unkomplizierter GERD (NERD) sollte die Dosis auf das minimal wirksame Maß reduziert oder eine "On-Demand"-Therapie versucht werden.

Extraösophageale Manifestationen

Symptome wie chronischer Husten, Heiserkeit, Asthma oder Laryngitis können durch GERD bedingt sein, überlappen aber häufig mit anderen Erkrankungen.

  • Vor der Diagnose einer extraösophagealen GERD müssen nicht-gastroenterologische Ursachen (HNO, Pulmologie, Allergologie) ausgeschlossen werden.
  • Eine Diagnose des laryngopharyngealen Refluxes (LPR) darf nicht allein auf Basis laryngoskopischer Befunde gestellt werden.
  • Bei Patienten mit extraösophagealen Symptomen ohne klassisches Sodbrennen wird ein Refluxmonitoring vor einer PPI-Therapie empfohlen.
  • Bei gleichzeitigem Vorliegen von typischen GERD-Symptomen kann ein empirischer Versuch mit hochdosierten PPI (2x täglich für 8-12 Wochen) erwogen werden.

Refraktäre GERD

Etwa 30-40 % der Patienten berichten über persistierende Symptome unter PPI-Therapie. Ein strukturiertes Vorgehen ist essenziell, da echtes PPI-refraktäres Sodbrennen selten ist.

StufeMaßnahmeBemerkung
1PPI-OptimierungCompliance prüfen. Einnahme zwingend 30-60 Min. vor dem Essen. Ggf. Umstellung auf 2x tägliche Gabe.
2Endoskopie (Off-PPI)Nach 2-4 Wochen Pause. Wichtig zum Ausschluss einer eosinophilen Ösophagitis (EoE) mittels Biopsien.
3RefluxmonitoringOff-PPI, wenn die GERD-Diagnose nie objektiviert wurde. On-PPI (Impedanz-pH-Metrie), wenn GERD zuvor gesichert wurde und Symptome persistieren.
4Manometrie (HRM)Bei unauffälliger Endoskopie und pH-Metrie zum Ausschluss von Motilitätsstörungen (z.B. Achalasie).

Chirurgische und Endoskopische Therapie

Invasive Verfahren sind eine Option für Patienten mit objektivierter GERD, die eine Langzeit-PPI-Therapie vermeiden möchten oder bei denen eine medikamentös refraktäre Regurgitation vorliegt. Vor jedem Eingriff ist eine High-Resolution-Manometrie (HRM) zwingend erforderlich, um eine Achalasie oder fehlende Kontraktilität auszuschließen.

VerfahrenIndikationBemerkung
Laparoskopische FundoplicatioObjektive GERD, LA-Grad C/D, große HiatushernieGoldstandard. Bietet langfristige Symptomkontrolle, birgt aber Risiken wie Dysphagie oder Gas-Bloat-Syndrom.
Magnetische Sphinkteraugmentation (MSA/LINX)Therapieresistente RegurgitationStarke Empfehlung als Alternative zur Fundoplicatio. Kürzere OP-Zeit, weniger Gas-Bloat.
Roux-en-Y Magenbypass (RYGB)Adipöse GERD-Patienten (BMI >35)Behandelt effektiv Adipositas und GERD gleichzeitig.
Transorale inzisisionslose Fundoplicatio (TIF)Regurgitation/Sodbrennen ohne schwere Ösophagitis oder große Hernie (>2 cm)Endoskopische Alternative für Patienten, die eine Operation ablehnen.
Radiofrequenztherapie (Stretta)-Wird aufgrund inkonsistenter Datenlage nicht als Alternative empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Setzen Sie PPI vor einer diagnostischen Endoskopie für 2-4 Wochen ab, um die diagnostische Ausbeute für erosive Ösophagitis und eosinophile Ösophagitis (EoE) zu maximieren. Bei 'refraktärem' GERD ist der erste und wichtigste Schritt immer die Überprüfung und Optimierung der PPI-Einnahme (strikt 30-60 Minuten vor der Mahlzeit).

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt einen 8-wöchigen Versuch mit einer einmal täglichen PPI-Gabe, 30 bis 60 Minuten vor einer Mahlzeit.
Ein Refluxmonitoring unter PPI-Therapie (On-PPI) wird nur bei Patienten empfohlen, bei denen die GERD-Diagnose bereits in der Vergangenheit objektiv gesichert wurde (z.B. durch schwere Ösophagitis) und die weiterhin refraktäre Symptome aufweisen.
Patienten mit einer schweren erosiven Ösophagitis (LA-Grad C oder D) oder einem Barrett-Ösophagus sollten dauerhaft mit PPI behandelt werden, da die Rezidivgefahr nach dem Absetzen extrem hoch ist.
Nein, die Leitlinie spricht sich explizit dagegen aus, den Barium-Breischluck als alleinigen diagnostischen Test für GERD zu verwenden, da Sensitivität und Spezifität zu gering sind.
Nein. Die Leitlinie rät davon ab, die Diagnose LPR allein auf Basis von Laryngoskopie-Befunden zu stellen, da diese unspezifisch sind und auch bei gesunden Probanden auftreten können. Ein Refluxmonitoring ist hier indiziert.

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