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Herzklappenerkrankungen bei Erwachsenen: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Dringliche Echokardiografie (< 2 Wochen) bei systolischem Geräusch und Belastungssynkope.
  • Spezialisten-Überweisung bei jeder mittelgradigen oder schweren Klappenerkrankung sowie bei bikuspider Aortenklappe jeglichen Schweregrads.
  • TAVI ist bei nicht-bikuspider schwerer Aortenklappenstenose indiziert, wenn ein hohes chirurgisches Risiko besteht oder eine Operation ungeeignet ist.
  • Asymptomatische schwere Klappenerkrankungen erfordern alle 6 bis 12 Monate eine klinische und echokardiografische Kontrolle.
  • Keine routinemäßige Antikoagulation nach chirurgischem biologischem Klappenersatz ohne anderweitige Indikation.
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Hintergrund

Herzklappenerkrankungen sind bei Erwachsenen häufig und erfordern eine präzise Diagnostik, um den optimalen Zeitpunkt für eine Intervention zu bestimmen. Die aktuelle NICE-Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Untersuchung, Überweisung und Behandlung von Patienten mit Herzklappenerkrankungen.

Indikationen zur Echokardiografie und Überweisung

Nicht jedes Herzgeräusch erfordert sofortige Diagnostik. Die Indikation zur Echokardiografie richtet sich nach Begleitsymptomen und Patientencharakteristika.

Symptomatik / BefundMaßnahmeDringlichkeit
Systolisches Geräusch + BelastungssynkopeFachärztliches Assessment inkl. EchoDringlich (< 2 Wochen)
Geräusch + schwere Symptome (Ruhe/minimale Belastung)Fachärztliches Assessment inkl. EchoDringlich (< 2 Wochen)
Mittelgradige/schwere KlappenerkrankungÜberweisung zum SpezialistenElektiv
Bikuspide Aortenklappe (jeder Schweregrad)Überweisung zum SpezialistenElektiv
  • Milde Klappenerkrankungen sind häufig und progredieren selten klinisch signifikant. Eine routinemäßige Überweisung ist hier meist nicht erforderlich.

Schwangerschaft

Die meisten Frauen mit Herzklappenerkrankungen können komplikationslos schwanger werden. Eine Überweisung an einen Kardiologen mit Expertise in der Schwangerenbetreuung sollte erfolgen bei:

  • Mittelgradiger oder schwerer Klappenerkrankung
  • Bikuspider Aortenklappe (jeder Schweregrad) mit assoziierter Aortopathie
  • Vorhandener Klappenprothese

Indikationen zur Intervention

Bei symptomatischer schwerer Herzklappenerkrankung sollte grundsätzlich eine Intervention angeboten werden. Bei asymptomatischen Patienten gelten spezifische echokardiografische Kriterien, um eine frühzeitige myokardiale Dekompensation zu erkennen:

KlappenfehlerKriterien für Interventionsprüfung (asymptomatisch)
AortenklappenstenoseVmax > 5 m/s, Klappenöffnungsfläche < 0,6 cm², LVEF < 55%, BNP/NT-proBNP > 2x oberer Normwert
AortenklappeninsuffizienzLVEF < 55%, endsystolischer Durchmesser (ESD) > 50 mm oder ESD-Index > 24 mm/m²
Primäre MitralklappeninsuffizienzLVEF < 60%, ESD > 45 mm oder ESD-Index > 22 mm/m², systolischer Pulmonalarteriendruck > 60 mmHg unter Belastung

Wahl der Intervention

Die Entscheidung über die Art der Intervention (chirurgisch vs. kathetergestützt) basiert auf dem Operationsrisiko, der Klappenmorphologie und den Patientenpräferenzen.

Klappenfehler1. WahlAlternative / Bemerkung
Aortenklappenstenose/-insuffizienzChirurgischer Ersatz (bei niedrigem/intermediärem Risiko)TAVI (bei hohem Risiko oder Inoperabilität, nicht-bikuspide)
Rheumatische MitralklappenstenoseTranskatheter-ValvulotomieChirurgischer Ersatz (wenn Katheter ungeeignet)
Primäre MitralklappeninsuffizienzChirurgische RekonstruktionChirurgischer Ersatz (wenn Rekonstruktion ungeeignet), Transkatheter-Edge-to-Edge (wenn inoperabel)
Sekundäre MitralklappeninsuffizienzMedikamentöse Herzinsuffizienz-TherapieChirurgisch (nur bei Begleiteingriffen), Transkatheter-Edge-to-Edge (wenn symptomatisch trotz Medikation)

Monitoring ohne aktuelle Interventionsindikation

  • Asymptomatische schwere Klappenerkrankung: Klinische und echokardiografische Kontrolle alle 6 bis 12 Monate.
  • Milde Aorten- oder Mitralklappenstenose: Echokardiografische Kontrolle alle 3 bis 5 Jahre.

Medikamentöse Therapie und Nachsorge

  • Herzinsuffizienz: Erwägen Sie einen Betablocker bei Erwachsenen mit mittelgradiger bis schwerer Mitralklappenstenose und Herzinsuffizienz.
  • Antikoagulation: Bieten Sie keine routinemäßige Antikoagulation nach einem chirurgischen biologischen Klappenersatz an, es sei denn, es bestehen andere Indikationen (z. B. Vorhofflimmern).
  • Nach TAVI: Erwägen Sie Aspirin (oder Clopidogrel bei Aspirin-Unverträglichkeit).

💡Praxis-Tipp

Überweisen Sie Patienten mit milden Herzklappenerkrankungen nicht routinemäßig zum Spezialisten, da diese häufig sind und selten progredieren. Eine Ausnahme bildet die bikuspide Aortenklappe, die unabhängig vom Schweregrad überwiesen werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Bei einem systolischen Geräusch in Kombination mit einer Belastungssynkope oder bei schweren Symptomen (Angina pectoris, Dyspnoe) in Ruhe oder bei minimaler Belastung sollte innerhalb von 2 Wochen ein fachärztliches Assessment erfolgen.
Diese Patienten sollten alle 6 bis 12 Monate klinisch und echokardiografisch kontrolliert werden.
Nein, eine routinemäßige Antikoagulation nach chirurgischem biologischem Klappenersatz wird nicht empfohlen, es sei denn, es gibt andere zwingende Indikationen wie Vorhofflimmern.
Die TAVI wird bei Patienten mit nicht-bikuspider schwerer Aortenklappenstenose empfohlen, die ein hohes chirurgisches Risiko aufweisen oder für eine Operation ungeeignet sind.
Eine LVEF < 55% bei Aortenklappenstenose oder -insuffizienz sowie eine LVEF < 60% bei primärer Mitralklappeninsuffizienz sollten eine Interventionsprüfung nach sich ziehen.

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