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Atopisches Ekzem bei Kindern: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose erfordert ein juckendes Hautbild plus mindestens drei weitere spezifische Kriterien.
  • Unparfümierte Emollientien (250-500 g/Woche) bilden die Basistherapie; von Badezusätzen wird abgeraten.
  • Die Behandlung erfolgt nach einem Schweregrad-basierten Stufenschema (mild, moderat, schwer).
  • Topische Kortikosteroide sollen 1- bis 2-mal täglich nur auf aktive Läsionen aufgetragen werden.
  • Bei Verdacht auf Eczema herpeticum ist eine sofortige Überweisung und systemische Aciclovir-Gabe indiziert.
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Hintergrund

Das atopische Ekzem ist eine chronisch-entzündliche, juckende Hauterkrankung, die meist in der frühen Kindheit beginnt. Die NICE-Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik und Stufentherapie bei Kindern unter 12 Jahren.

Diagnostik

Die Diagnose wird klinisch gestellt. Ein juckendes Hautbild muss vorliegen, plus mindestens drei der folgenden Kriterien:

KriteriumDetails
BeugenekzemSichtbare Dermatitis in den Gelenkbeugen (bei <18 Monaten auch Wangen/Streckseiten)
AnamneseFrüheres Beugenekzem (oder Wangen/Streckseiten bei <18 Monaten)
Trockene HautIn den letzten 12 Monaten
AtopieAsthma oder allergische Rhinitis (bei <4 Jahren: atopische Erkrankung bei Verwandten 1. Grades)
ManifestationsalterBeginn der Symptome vor dem 2. Lebensjahr (nicht anwendbar bei Kindern <4 Jahren)

Hinweis: Bei asiatischen und schwarzen Kindern können häufiger Streckseiten betroffen sein sowie diskoide oder follikuläre Muster auftreten.

Schweregrad und Lebensqualität

Die Beurteilung muss ganzheitlich erfolgen, da die physische Ausprägung nicht immer mit der Einschränkung der Lebensqualität korreliert.

SchweregradHautbefundEinfluss auf Lebensqualität
ErscheinungsfreiNormale Haut, keine aktive ErkrankungKeiner
MildTrockene Haut, seltener Juckreiz, teils RötungGeringer Einfluss auf Alltag und Schlaf
ModeratTrockene Haut, häufiger Juckreiz, Rötung, teils ExkoriationModerater Einfluss, häufig gestörter Schlaf
SchwerAusgedehnte Trockenheit, unaufhörlicher Juckreiz, Rötung, Nässen, RisseStarke Einschränkung, nächtlicher Schlafverlust

Stufentherapie

Die Behandlung erfolgt nach einem Stufenschema. Emollientien bilden immer die Basis, auch in erscheinungsfreien Phasen.

StufeTherapieoptionenBemerkung
MildEmollientien + milde topische Kortikosteroide (TCS)TCS 1-2x täglich
ModeratEmollientien + moderate TCS + topische Calcineurininhibitoren (TCI) + VerbändeTCI als Zweitlinientherapie
SchwerEmollientien + potente TCS + TCI + Verbände + Phototherapie + SystemtherapiePhototherapie/Systemtherapie nur durch Spezialisten

Spezifische Therapieempfehlungen

Emollientien (Basistherapie)

  • Menge: Verschreibung großer Mengen (250–500 g wöchentlich) als Leave-on-Präparate.
  • Anwendung: Am gesamten Körper anwenden, auch wenn das Ekzem abgeheilt ist. In Wuchsrichtung der Haare glattstreichen, nicht einreiben.
  • Badezusätze: Emollientien-Badezusätze sollen nicht angeboten werden (fehlender Zusatznutzen). Stattdessen Leave-on-Produkte oder seifenfreie Waschemulsionen nutzen.

Topische Kortikosteroide (TCS)

  • Nur 1- bis 2-mal täglich auf aktive Ekzemareale auftragen.
  • Gesicht und Hals: Nur milde TCS verwenden (Ausnahme: moderate TCS für 3–5 Tage bei schweren Schüben).
  • Säuglinge <12 Monate: Keine potenten TCS ohne fachärztliche dermatologische Aufsicht.
  • Erhaltungstherapie: Bei häufigen Schüben (2-3/Monat) nach Kontrolle an 2 aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche auftragen.

Antihistaminika

  • Nicht routinemäßig oral einsetzen.
  • Bei starkem Juckreiz: 1-monatiger Versuch mit nicht-sedierendem Antihistaminikum.
  • Bei starker Schlafstörung (>6 Monate alt): 7- bis 14-tägiger Versuch mit sedierendem Antihistaminikum während eines akuten Schubs.

Komplikationen: Eczema herpeticum

Bei Verdacht auf eine disseminierte Herpes-simplex-Infektion (Eczema herpeticum) muss sofort (am selben Tag) eine fachärztliche Überweisung erfolgen und eine systemische Therapie mit Aciclovir eingeleitet werden.

Warnzeichen:

  • Schnell verschlechterndes, schmerzhaftes Ekzem
  • Gruppierte Bläschen (ähnlich frühen Fieberbläschen)
  • Ausgestanzte Erosionen (1–3 mm)
  • Fieber, Lethargie

💡Praxis-Tipp

Verschreiben Sie ausreichende Mengen an Basiscremes (250–500 g pro Woche) und raten Sie aktiv von rückfettenden Badezusätzen ab, da diese keinen erwiesenen Zusatznutzen bieten.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt die wöchentliche Verschreibung von 250 bis 500 g Leave-on-Emollientien.
Nein, die aktuelle NICE-Leitlinie rät von Emollientien-Badezusätzen ab, da sie keinen klinischen Zusatznutzen bieten.
Bei Kindern unter 12 Monaten dürfen potente topische Kortikosteroide nur unter fachärztlicher dermatologischer Aufsicht angewendet werden.
Ein schnell verschlechterndes, schmerzhaftes Ekzem, gruppierte Bläschen, ausgestanzte Erosionen (1-3 mm) sowie mögliche Begleitsymptome wie Fieber und Lethargie.

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