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Soziale Phobie: NICE-Leitlinie zu Diagnostik & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die individuelle kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist die Therapie der ersten Wahl bei Erwachsenen.
  • Bei medikamentöser Therapie werden primär die SSRI Escitalopram oder Sertralin empfohlen.
  • Für Kinder und Jugendliche wird KVT (Einzel- oder Gruppensetting) empfohlen, jedoch keine routinemäßige Medikation.
  • Das Screening bei Erwachsenen erfolgt idealerweise mit dem 3-Item Mini-Social Phobia Inventory (Mini-SPIN).
  • Chirurgische Eingriffe (Sympathektomie) oder Botulinumtoxin gegen Schwitzen werden nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die soziale Phobie (Social Anxiety Disorder) gehört zu den häufigsten Angststörungen. Sie ist gekennzeichnet durch eine anhaltende Angst vor sozialen Situationen oder Leistungssituationen, die in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Bedrohung steht. Häufige Komorbiditäten sind Depressionen und Substanzmissbrauch. Die Erkrankung beginnt oft früh (medianes Alter 13 Jahre) und ist sehr hartnäckig, wobei Patienten oft erst nach 15 bis 20 Jahren Hilfe suchen.

Diagnostik und Screening

Die Leitlinie empfiehlt ein gezieltes Screening bei Verdacht auf eine soziale Phobie. Bei Erwachsenen sollte ein umfassendes Assessment erfolgen, wenn der Mini-SPIN-Score ≥ 6 beträgt oder Screening-Fragen positiv beantwortet werden.

ZielgruppeEmpfohlene Assessment-Tools
Erwachsene (Screening)3-Item Mini-Social Phobia Inventory (Mini-SPIN)
Erwachsene (Verlauf)Social Phobia Inventory (SPIN), Liebowitz Social Anxiety Scale (LSAS)
KinderLSAS (Child-Version), SPAI-C, SCAS, SCARED
JugendlicheSPIN, LSAS, MASC, RCADS

Therapie bei Erwachsenen

Die Behandlung sollte stufenweise erfolgen. Die individuelle kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist die Therapie der ersten Wahl.

StufeTherapieBemerkung
1Individuelle KVTNach Clark/Wells- oder Heimberg-Modell (14-15 Sitzungen)
2KVT-basierte SelbsthilfeBei Ablehnung einer regulären KVT
3SSRI (Escitalopram, Sertralin)Bei Wunsch nach Medikation oder unzureichendem KVT-Ansprechen
4Alternative SSRI/SNRIFluvoxamin, Paroxetin oder Venlafaxin bei Non-Response auf erste SSRI
5MAO-HemmerPhenelzin oder Moclobemid bei weiterer Therapieresistenz
  • Gruppen-KVT wird nicht routinemäßig gegenüber der Einzel-KVT bevorzugt, da sie klinisch und ökonomisch unterlegen ist.
  • Bei komorbider Depression muss geprüft werden, welche Erkrankung primär ist. Bestand die soziale Phobie zuerst und wäre der Patient ohne diese nicht depressiv, sollte primär die soziale Phobie behandelt werden (sofern die Schwere der Depression dies zulässt).

Therapie bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern und Jugendlichen steht die psychologische Intervention im Vordergrund. Das familiäre und schulische Umfeld muss berücksichtigt werden.

  • Empfohlen: Individuelle oder gruppenbasierte KVT (8-12 Sitzungen).
  • Einbezug der Eltern ist besonders bei jüngeren Kindern essenziell (Psychoedukation und Skill-Training).
  • Nicht empfohlen: Routinemäßige medikamentöse Therapie.

Nicht empfohlene Interventionen

Folgende Therapien sollten bei sozialer Phobie nicht routinemäßig eingesetzt werden:

InterventionGrund / Bemerkung
Antikonvulsiva, Trizyklika, Benzodiazepine, AntipsychotikaKeine routinemäßige Empfehlung bei Erwachsenen
Achtsamkeitsbasierte VerfahrenKeine ausreichende Evidenz
JohanniskrautFehlende Evidenz, Interaktionsrisiko
Botulinumtoxin (gegen Schwitzen)Keine Evidenz, potenziell schädlich
Endoskopische thorakale SympathektomieKeine Evidenz, potenziell schädlich

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei Verdacht auf eine soziale Phobie den 3-Item Mini-SPIN zur schnellen Orientierung. Bieten Sie Patienten alternative Kontaktwege (E-Mail, Textnachricht) an, da telefonische Terminvereinbarungen oft eine große Hürde darstellen.

Häufig gestellte Fragen

SSRI (Escitalopram oder Sertralin) sind die medikamentöse Therapie der ersten Wahl bei Erwachsenen, falls eine KVT abgelehnt wird oder nicht ausreichend wirkt.
Nein, bei Erwachsenen ist die Einzel-KVT klinisch und kostentechnisch überlegen und wird primär empfohlen.
Nein, die Leitlinie empfiehlt bei Kindern und Jugendlichen keine routinemäßige medikamentöse Therapie. Die KVT ist hier das Mittel der Wahl.
Es sollte geprüft werden, welche Erkrankung primär ist. Bestand die soziale Phobie zuerst, sollte diese primär behandelt werden, sofern die Schwere der Depression dies zulässt.

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