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National Institute for Health and Care Excellence (NICE)A2005PsychiatrieAllgemeinmedizin

Zwangsstörungen & KDS: NICE-Leitlinie zur Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf National Institute for Health and Care Excellence (NICE) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) inklusive Exposition und Reaktionsverhinderung (ERP) ist die psychotherapeutische Methode der Wahl.
  • Bei Erwachsenen mit Zwangsstörungen gelten die SSRI Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin oder Citalopram als medikamentöse erste Wahl.
  • Bei der körperdysmorpher Störung (KDS) ist Fluoxetin das bevorzugte SSRI.
  • Kinder und Jugendliche sollten primär mit altersadaptierter CBT (inkl. ERP) unter Einbezug der Familie behandelt werden.
  • Eine medikamentöse Erhaltungstherapie sollte bei Erwachsenen für mindestens 12 Monate nach Remission fortgeführt werden.
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Hintergrund

Die Zwangsstörung (Obsessive-compulsive disorder, OCD) ist durch wiederkehrende, ungewollte Zwangsgedanken (Obsessionen) und/oder Zwangshandlungen (Kompulsionen) gekennzeichnet. Die Prävalenz liegt bei 1-2 %. Die körperdysmorphe Störung (Body dysmorphic disorder, BDD/KDS) betrifft 0,5-0,7 % der Bevölkerung und äußert sich durch eine übermäßige Beschäftigung mit einem eingebildeten oder minimalen Makel im Erscheinungsbild.

Diagnostik und Screening

Da Patienten oft Scham empfinden, muss aktiv nach Symptomen gesucht werden. Bei allen Patienten mit OCD oder KDS muss das Suizidrisiko beurteilt werden, insbesondere bei komorbider Depression.

ErkrankungScreening-Fragen (Beispiele)
Zwangsstörung (OCD)Waschen/Putzen Sie sich sehr oft? Kontrollieren Sie Dinge häufig? Gibt es Gedanken, die Sie loswerden möchten, aber nicht können? Brauchen Sie für Alltagsdinge sehr lange?
Körperdysmorphe Störung (KDS)Machen Sie sich viele Sorgen um Ihr Aussehen? Denken Sie an einem typischen Tag mehr als 1 Stunde über Ihr Aussehen nach? Beeinträchtigt dies Ihren Alltag?

Stufenschema der Therapie (Erwachsene)

Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der funktionellen Beeinträchtigung. Die psychotherapeutische Methode der Wahl ist die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) inklusive Exposition und Reaktionsverhinderung (ERP).

SchweregradTherapie der Wahl bei OCDTherapie der Wahl bei KDS
LeichtNiedrigschwellige CBT (inkl. ERP, <10 Therapeutenstunden)CBT (inkl. ERP) im Einzel- oder Gruppenformat
MittelWahlweise SSRI oder intensivere CBT (>10 Stunden)Wahlweise SSRI oder intensivere Einzel-CBT
SchwerKombination aus SSRI und intensiver CBT (inkl. ERP)Kombination aus SSRI und CBT (inkl. ERP)

Pharmakotherapie

Medikamente sollten stets mit einer Aufklärung über den verzögerten Wirkeintritt (bis zu 12 Wochen) und mögliche Nebenwirkungen (inkl. initialer Unruhe/Suizidalität) einhergehen.

IndikationBevorzugte WirkstoffeBemerkung
OCD (Erwachsene)Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin, CitalopramCitalopram ist ein Off-Label-Use.
KDS (Erwachsene)FluoxetinBietet die meiste Evidenz bei KDS.
TherapieresistenzClomipraminErst nach adäquatem Versuch mit mind. 1 SSRI. EKG-Kontrolle erforderlich!
  • Behandlungsdauer: Bei Ansprechen sollte die Medikation für mindestens 12 Monate nach Remission (12 Wochen volle Funktionstüchtigkeit) fortgeführt werden.
  • Absetzen: Ausschleichen über mehrere Wochen, um Absetzsymptome zu vermeiden.

Therapie bei Kindern und Jugendlichen

Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen erfordert den Einbezug der Familie.

  • Leichte OCD: Angeleitete Selbsthilfe.
  • Mittel/Schwere OCD & KDS: Altersadaptierte CBT (inkl. ERP) ist die Therapie der ersten Wahl.
  • Pharmakotherapie: SSRI (Sertralin oder Fluvoxamin bei OCD; Fluoxetin bei KDS oder komorbider Depression) dürfen nur nach fachärztlicher Diagnostik und in Kombination mit CBT verschrieben werden.
  • Erhaltungstherapie: Mindestens 6 Monate nach Remission.

Therapieresistenz und Intensivbehandlung

Bei unzureichendem Ansprechen auf initiale Therapien (SSRI oder CBT allein nach 12 Wochen) sollte ein multidisziplinäres Review erfolgen.

  • Schritt 1: Kombination aus CBT (inkl. ERP) und SSRI.
  • Schritt 2: Wechsel auf ein anderes SSRI oder Clomipramin.
  • Schritt 3: Überweisung an ein Spezialteam (Erwägung von Augmentation mit Antipsychotika, hochintensive CBT).
  • Stationäre Behandlung: Indiziert bei Lebensgefahr, schwerer Verwahrlosung, extremer Beeinträchtigung oder fehlendem Ansprechen auf alle ambulanten Maßnahmen.

💡Praxis-Tipp

Klären Sie Patienten bei Beginn einer SSRI-Therapie unbedingt darüber auf, dass der Wirkeintritt bei Zwangsstörungen bis zu 12 Wochen dauern kann. Beurteilen Sie zudem stets aktiv das Suizidrisiko.

Häufig gestellte Fragen

Bei Erwachsenen werden die SSRI Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin oder Citalopram als erste Wahl empfohlen.
Es gibt häufig eine Verzögerung des therapeutischen Effekts von bis zu 12 Wochen. Depressive Begleitsymptome bessern sich oft schneller.
Bei Erwachsenen sollte die Therapie für mindestens 12 Monate nach Remission fortgeführt werden, bei Kindern und Jugendlichen für mindestens 6 Monate.
Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) inklusive Exposition und Reaktionsverhinderung (ERP).
Fluoxetin ist das bevorzugte SSRI bei KDS, da hierfür die meiste Evidenz vorliegt.

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