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Angst- und Panikstörungen: NICE-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Therapie der generalisierten Angststörung (GAS) und Panikstörung erfolgt nach einem mehrstufigen Stepped-Care-Modell.
  • SSRI (z. B. Sertralin) sind die medikamentöse Erste-Wahl-Therapie; Benzodiazepine sollen nicht routinemäßig eingesetzt werden.
  • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) und Pharmakotherapie sind auf Stufe 3 gleichwertige Behandlungsoptionen.
  • Bei Patienten unter 30 Jahren unter SSRI/SNRI muss im ersten Behandlungsmonat wöchentlich auf Suizidalität gemonitort werden.
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Hintergrund

Die generalisierte Angststörung (GAS) und die Panikstörung sind häufige Erkrankungen, die oft mit erheblichen Funktionseinschränkungen und Komorbiditäten (z. B. Depressionen, Substanzmissbrauch) einhergehen. Die NICE-Leitlinie empfiehlt für beide Störungsbilder ein Stufenmodell (Stepped-Care-Modell), um Patienten stets die am wenigsten invasive, aber effektivste Intervention zuerst anzubieten.

Stufenschema: Generalisierte Angststörung (GAS)

StufeFokus / SchweregradIntervention
1Alle bekannten/vermuteten FälleDiagnostik (z. B. GAD-2), Aufklärung, aktives Monitoring
2Diagnostizierte GAS ohne Besserung nach Stufe 1Niedrigschwellige psychologische Interventionen (angeleitete/unangeleitete Selbsthilfe, Psychoedukationsgruppen)
3Inadäquates Ansprechen auf Stufe 2 oder deutliche EinschränkungHochintensive psychologische Intervention (CBT oder angewandte Entspannung) ODER Pharmakotherapie
4Komplexe, therapieresistente GAS, hohes Risiko (z. B. Selbstverletzung)Hochspezialisierte Behandlung, komplexe Medikation, multiprofessionelle Teams, stationäre Pflege

Pharmakotherapie der GAS

Wenn sich der Patient auf Stufe 3 für eine medikamentöse Therapie entscheidet, gelten folgende Empfehlungen:

WirkstoffklassePräferenz / BemerkungIndikation / Evidenz
SSRIErste Wahl (z. B. Sertralin)Bei unzureichendem Ansprechen auf Stufe 2
SNRIAlternative bei SSRI-UnverträglichkeitAuf Entzugssyndrome und Toxizität achten (v. a. Venlafaxin)
PregabalinWenn SSRI/SNRI nicht toleriert werdenMissbrauchspotenzial beachten (Betäubungsmittel)

Wichtige Warnhinweise zur Medikation:

  • Keine Benzodiazepine zur Behandlung der GAS (Ausnahme: kurzfristig in akuten Krisensituationen).
  • Keine Antipsychotika in der Primärversorgung.
  • Bei Patienten unter 30 Jahren unter SSRI/SNRI: Wöchentliches Monitoring im ersten Monat wegen erhöhter Suizidalität und Selbstverletzungsgefahr.
  • Erhöhtes Blutungsrisiko unter SSRI beachten (ggf. Gastroprotektion bei gleichzeitiger NSAR-Gabe).
  • Bei Ansprechen sollte die Medikation für mindestens 1 Jahr fortgeführt werden, um Rückfälle zu vermeiden.

Stufenschema: Panikstörung

StufeFokusIntervention
1Erkennung und DiagnoseStrukturierte Anamnese, Ausschluss körperlicher Ursachen
2Primärversorgung (leicht bis mittel)Unangeleitete oder angeleitete Selbsthilfe, Supportgruppen, Sport
3Überprüfung / Alternative Therapie (mittel bis schwer)Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) ODER Antidepressiva
4Überweisung an SpezialistenWenn 2 Interventionen (Psychotherapie/Medikation) erfolglos waren
5Spezialisierte psychiatrische VersorgungGanzheitliches Re-Assessment, komplexe CBT, Tagesklinik

Management von Panikattacken in der Notaufnahme

Patienten, die mit einer Panikattacke in der Notaufnahme (A&E) vorstellig werden, bedürfen eines spezifischen Managements:

  • Minimal notwendige Diagnostik zum Ausschluss akuter physischer Probleme durchführen.
  • Keine stationäre medizinische oder psychiatrische Aufnahme veranlassen.
  • Überweisung an die Primärversorgung zur weiteren Behandlung.
  • Aushändigung von schriftlichen Informationen über Panikattacken und lokale Hilfsangebote.

Psychologische Interventionen

Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) ist ein zentraler Baustein der Behandlung:

  • GAS: In der Regel 12 bis 15 wöchentliche Sitzungen à 1 Stunde. Alternativ kann die angewandte Entspannung (Applied Relaxation) angeboten werden.
  • Panikstörung: Optimaler Umfang sind 7 bis 14 Stunden insgesamt, meist als wöchentliche Sitzungen (1-2 Stunden) über maximal 4 Monate.

💡Praxis-Tipp

Verschreiben Sie keine Benzodiazepine zur Langzeittherapie. Klären Sie Patienten vor Beginn einer SSRI-Therapie unbedingt über eine mögliche anfängliche Symptomverschlechterung (Agitation, Angst) auf, um die Adhärenz zu sichern.

Häufig gestellte Fragen

Ein SSRI (z. B. Sertralin) ist das Mittel der ersten Wahl. Bei Unverträglichkeit kann auf ein SNRI oder Pregabalin ausgewichen werden.
Nein, Benzodiazepine sind mit schlechteren Langzeitergebnissen assoziiert und sollten nur als kurzfristige Maßnahme in akuten Krisensituationen eingesetzt werden.
Bei der generalisierten Angststörung sollte die Medikation für mindestens 1 Jahr fortgeführt werden. Bei der Panikstörung wird eine Fortführung für mindestens 6 Monate nach Erreichen der optimalen Dosis empfohlen.
Es besteht ein erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und Selbstverletzung. Diese Patienten müssen innerhalb der ersten Woche nach Verschreibung gesehen und im ersten Monat wöchentlich überwacht werden.

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