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NICE2025Onkologie

CUP-Syndrom: Leitlinie zu Diagnostik und Therapie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein spezialisiertes CUP-Team sollte jeden Patienten mit Malignom unklaren Ursprungs (MUO) betreuen.
  • Tumormarker sollen in der Basisdiagnostik nicht routinemäßig, sondern nur bei spezifischem klinischen Verdacht bestimmt werden.
  • Bei Adenokarzinomen unklaren Ursprungs wird ein spezifisches Antikörper-Panel (CK7, CK20, TTF-1, PLAP, ER, PSA) empfohlen.
  • Ein 18F-FDG PET-CT ist bei zervikaler Lymphadenopathie ohne auffindbaren Primärtumor indiziert, wenn eine radikale Therapie infrage kommt.
  • Diagnostische Maßnahmen sollen beendet werden, wenn der Patient nicht therapiefähig ist oder die Ergebnisse die Therapieentscheidung nicht ändern.
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Hintergrund

Das CUP-Syndrom (Carcinoma of unknown primary) beschreibt metastasierte Krebserkrankungen ohne identifizierbaren Primärtumor. Die Leitlinie unterscheidet drei Phasen der Diagnosefindung:

  • MUO (Malignancy of undefined primary origin): Metastasierte Malignität ohne offensichtlichen Primärtumor vor umfassender Diagnostik.
  • Provisional CUP: Metastasiertes epitheliales oder neuroendokrines Malignom nach initialer Basisdiagnostik ohne gefundenen Primärtumor.
  • Confirmed CUP: Bestätigtes CUP-Syndrom nach Abschluss aller spezialisierten Untersuchungen und fachärztlicher Begutachtung.

Organisation und Struktur

Jedes Krankenhaus mit einem Krebszentrum sollte ein spezialisiertes CUP-Team etablieren. Dieses besteht mindestens aus einem Onkologen, einem Palliativmediziner und einer spezialisierten Pflegekraft (Key Worker). Ambulante Patienten mit MUO müssen innerhalb von 2 Wochen beurteilt werden, stationäre Patienten bis zum Ende des nächsten Werktages.

Diagnostik: Phase 1 (Basisdiagnostik)

Die initiale Diagnostik zielt darauf ab, den Primärtumor effizient zu identifizieren oder nicht-epitheliale Malignome (z. B. Lymphome, Melanome) abzugrenzen.

UntersuchungBemerkung
Klinik & AnamneseInkl. Untersuchung von Brust, Lymphknoten, Haut, Genitalien, Rektum und Becken
LaborBlutbild, Nierenwerte, Leberwerte, Calcium, LDH, Urinstatus
BildgebungRöntgen-Thorax sowie CT von Thorax, Abdomen und Becken
EndoskopieNur symptomgesteuert (nicht routinemäßig)
BiopsieStandard-Histologie mit Immunhistochemie zur Abgrenzung von Karzinomen

Diagnostik: Phase 2 (Spezialdiagnostik)

Führt die Basisdiagnostik zu keinem Ergebnis (Provisional CUP), können gezielte Spezialuntersuchungen folgen. Wichtig: Tumormarker sollen nicht routinemäßig bestimmt werden!

Gezielte Tumormarker-Diagnostik

MarkerIndikation
AFP & hCGVerdacht auf Keimzelltumor (v. a. junge Männer, mediastinale/retroperitoneale Massen)
AFPVerdacht auf hepatozelluläres Karzinom (HCC)
PSAMänner mit Verdacht auf Prostatakarzinom
CA125Frauen mit Verdacht auf Ovarialkarzinom (z. B. Aszites, peritoneale Metastasierung)

Immunhistochemie-Panel

Bei Adenokarzinomen unklaren Ursprungs wird folgendes Standard-Antikörper-Panel empfohlen:

  • Cytokeratin 7 (CK7)
  • Cytokeratin 20 (CK20)
  • Thyroidaler Transkriptionsfaktor 1 (TTF-1)
  • Plazentare Alkalische Phosphatase (PLAP)
  • Östrogenrezeptor (ER) (nur bei Frauen)
  • PSA (nur bei Männern)

PET-CT

Ein 18F-FDG PET-CT soll Patienten mit zervikaler Lymphadenopathie angeboten werden, wenn die Panendoskopie keinen Primärtumor zeigt und eine radikale Therapie infrage kommt.

Spezifische klinische Präsentationen

Je nach Metastasierungsmuster ergeben sich spezifische Überweisungs- und Therapiepfade:

PräsentationEmpfohlenes Vorgehen
Zervikale LK (Plattenepithel)Überweisung an Kopf-Hals-Tumor-Board (MDT)
Axilläre LK (Adenokarzinom)Überweisung an Brustkrebs-MDT (ggf. Mamma-MRT)
Inguinale LK (Plattenepithel)Chirurgische Evaluation (Lymphadenektomie + ggf. Radiatio)
Intrapulmonale RundherdeFlexible Bronchoskopie, bei negativem Befund VATS
Maligner AszitesGewebeprobe zur histologischen Untersuchung
Isolierte HirnmetastasenÜberweisung an Neuro-Onkologie. Keine Chemotherapie außerhalb von Studien!

Therapieentscheidung und Prognose

Diagnostische Maßnahmen sollen beendet werden, wenn der Patient nicht therapiefähig ist oder die Ergebnisse die Therapieentscheidung nicht mehr beeinflussen.

Bei der Therapieplanung sind folgende Prognosefaktoren maßgeblich:

  • Allgemeinzustand (Performance Status)
  • Vorhandensein von Lebermetastasen
  • LDH-Spiegel
  • Serumalbumin

Patienten mit bestätigtem CUP-Syndrom sollte die Teilnahme an klinischen Studien angeboten werden. Liegt ein spezifisches, behandelbares Syndrom vor, wird eine zielgerichtete Chemotherapie empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf eine ungezielte 'Gießkannen'-Bestimmung von Tumormarkern in der Basisdiagnostik. Setzen Sie Marker wie PSA, CA125 oder AFP nur bei spezifischem klinischen Verdacht ein.

Häufig gestellte Fragen

Ein CT von Thorax, Abdomen und Becken sowie ein Röntgen-Thorax gehören zur Standarddiagnostik.
Ein 18F-FDG PET-CT wird bei zervikaler Lymphadenopathie ohne Primärtumor (nach Panendoskopie) empfohlen, sofern eine potenziell kurative Therapieoption besteht.
Der Allgemeinzustand (Performance Status), das Vorhandensein von Lebermetastasen, der LDH-Spiegel und das Serumalbumin.
Nein, außerhalb von kontrollierten klinischen Studien wird eine Chemotherapie bei isolierten Hirnmetastasen unklaren Ursprungs nicht empfohlen.

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