CUP-Syndrom: Leitlinie zu Diagnostik und Therapie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Ein spezialisiertes CUP-Team sollte jeden Patienten mit Malignom unklaren Ursprungs (MUO) betreuen.
- •Tumormarker sollen in der Basisdiagnostik nicht routinemäßig, sondern nur bei spezifischem klinischen Verdacht bestimmt werden.
- •Bei Adenokarzinomen unklaren Ursprungs wird ein spezifisches Antikörper-Panel (CK7, CK20, TTF-1, PLAP, ER, PSA) empfohlen.
- •Ein 18F-FDG PET-CT ist bei zervikaler Lymphadenopathie ohne auffindbaren Primärtumor indiziert, wenn eine radikale Therapie infrage kommt.
- •Diagnostische Maßnahmen sollen beendet werden, wenn der Patient nicht therapiefähig ist oder die Ergebnisse die Therapieentscheidung nicht ändern.
Hintergrund
Das CUP-Syndrom (Carcinoma of unknown primary) beschreibt metastasierte Krebserkrankungen ohne identifizierbaren Primärtumor. Die Leitlinie unterscheidet drei Phasen der Diagnosefindung:
- MUO (Malignancy of undefined primary origin): Metastasierte Malignität ohne offensichtlichen Primärtumor vor umfassender Diagnostik.
- Provisional CUP: Metastasiertes epitheliales oder neuroendokrines Malignom nach initialer Basisdiagnostik ohne gefundenen Primärtumor.
- Confirmed CUP: Bestätigtes CUP-Syndrom nach Abschluss aller spezialisierten Untersuchungen und fachärztlicher Begutachtung.
Organisation und Struktur
Jedes Krankenhaus mit einem Krebszentrum sollte ein spezialisiertes CUP-Team etablieren. Dieses besteht mindestens aus einem Onkologen, einem Palliativmediziner und einer spezialisierten Pflegekraft (Key Worker). Ambulante Patienten mit MUO müssen innerhalb von 2 Wochen beurteilt werden, stationäre Patienten bis zum Ende des nächsten Werktages.
Diagnostik: Phase 1 (Basisdiagnostik)
Die initiale Diagnostik zielt darauf ab, den Primärtumor effizient zu identifizieren oder nicht-epitheliale Malignome (z. B. Lymphome, Melanome) abzugrenzen.
| Untersuchung | Bemerkung |
|---|---|
| Klinik & Anamnese | Inkl. Untersuchung von Brust, Lymphknoten, Haut, Genitalien, Rektum und Becken |
| Labor | Blutbild, Nierenwerte, Leberwerte, Calcium, LDH, Urinstatus |
| Bildgebung | Röntgen-Thorax sowie CT von Thorax, Abdomen und Becken |
| Endoskopie | Nur symptomgesteuert (nicht routinemäßig) |
| Biopsie | Standard-Histologie mit Immunhistochemie zur Abgrenzung von Karzinomen |
Diagnostik: Phase 2 (Spezialdiagnostik)
Führt die Basisdiagnostik zu keinem Ergebnis (Provisional CUP), können gezielte Spezialuntersuchungen folgen. Wichtig: Tumormarker sollen nicht routinemäßig bestimmt werden!
Gezielte Tumormarker-Diagnostik
| Marker | Indikation |
|---|---|
| AFP & hCG | Verdacht auf Keimzelltumor (v. a. junge Männer, mediastinale/retroperitoneale Massen) |
| AFP | Verdacht auf hepatozelluläres Karzinom (HCC) |
| PSA | Männer mit Verdacht auf Prostatakarzinom |
| CA125 | Frauen mit Verdacht auf Ovarialkarzinom (z. B. Aszites, peritoneale Metastasierung) |
Immunhistochemie-Panel
Bei Adenokarzinomen unklaren Ursprungs wird folgendes Standard-Antikörper-Panel empfohlen:
- Cytokeratin 7 (CK7)
- Cytokeratin 20 (CK20)
- Thyroidaler Transkriptionsfaktor 1 (TTF-1)
- Plazentare Alkalische Phosphatase (PLAP)
- Östrogenrezeptor (ER) (nur bei Frauen)
- PSA (nur bei Männern)
PET-CT
Ein 18F-FDG PET-CT soll Patienten mit zervikaler Lymphadenopathie angeboten werden, wenn die Panendoskopie keinen Primärtumor zeigt und eine radikale Therapie infrage kommt.
Spezifische klinische Präsentationen
Je nach Metastasierungsmuster ergeben sich spezifische Überweisungs- und Therapiepfade:
| Präsentation | Empfohlenes Vorgehen |
|---|---|
| Zervikale LK (Plattenepithel) | Überweisung an Kopf-Hals-Tumor-Board (MDT) |
| Axilläre LK (Adenokarzinom) | Überweisung an Brustkrebs-MDT (ggf. Mamma-MRT) |
| Inguinale LK (Plattenepithel) | Chirurgische Evaluation (Lymphadenektomie + ggf. Radiatio) |
| Intrapulmonale Rundherde | Flexible Bronchoskopie, bei negativem Befund VATS |
| Maligner Aszites | Gewebeprobe zur histologischen Untersuchung |
| Isolierte Hirnmetastasen | Überweisung an Neuro-Onkologie. Keine Chemotherapie außerhalb von Studien! |
Therapieentscheidung und Prognose
Diagnostische Maßnahmen sollen beendet werden, wenn der Patient nicht therapiefähig ist oder die Ergebnisse die Therapieentscheidung nicht mehr beeinflussen.
Bei der Therapieplanung sind folgende Prognosefaktoren maßgeblich:
- Allgemeinzustand (Performance Status)
- Vorhandensein von Lebermetastasen
- LDH-Spiegel
- Serumalbumin
Patienten mit bestätigtem CUP-Syndrom sollte die Teilnahme an klinischen Studien angeboten werden. Liegt ein spezifisches, behandelbares Syndrom vor, wird eine zielgerichtete Chemotherapie empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie auf eine ungezielte 'Gießkannen'-Bestimmung von Tumormarkern in der Basisdiagnostik. Setzen Sie Marker wie PSA, CA125 oder AFP nur bei spezifischem klinischen Verdacht ein.