Neuraxialanästhesie: Pausierungsintervalle und DOAKs
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie behandelt das Management von rückenmarksnahen Regionalanästhesien bei Personen unter antithrombotischer Medikation. Im Zentrum steht die Abwägung zwischen dem Risiko eines spinalen epiduralen Hämatoms und der Gefahr thrombembolischer Komplikationen.
Spinale epidurale Hämatome sind seltene, aber gefürchtete Komplikationen, die zu persistierenden neurologischen Schäden führen können. Das Risiko ist bei periduralen Katheteranlagen und bei eingeschränkter Nierenfunktion oder Kombinationstherapien besonders hoch.
Mit der zunehmenden Verbreitung direkter oraler Antikoagulanzien (DOAK) und neuer Thrombozytenfunktionshemmer erfordert die perioperative Planung genaue Kenntnisse der Pharmakokinetik. Die Leitlinie bietet hierfür strukturierte Pausierungsintervalle, um die Sicherheit neuroaxialer Verfahren zu gewährleisten.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist das Risiko für ein spinales epidurales Hämatom bei der Entfernung eines Periduralkatheters genauso hoch wie bei dessen Anlage. Es wird daher dringend empfohlen, für die Katheterentfernung exakt dieselben Pausierungsintervalle der Antithrombotika einzuhalten wie für die initiale Punktion. Zudem wird betont, dass eine inapparente Niereninsuffizienz bei der Gabe von DOAK oder NMH zu einer gefährlichen Kumulation führt, weshalb die aktuelle Kreatinin-Clearance vor jedem neuroaxialen Verfahren bestimmt werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie stuft eine neuroaxiale Punktion unter einer Monotherapie mit ASS bis 100 mg/Tag als unbedenklich ein. Ein präoperatives Absetzen ist nicht erforderlich.
Bei prophylaktischer Dosierung (10 mg) wird ein Intervall von 22 bis 26 Stunden empfohlen. Bei therapeutischer Dosierung (15-20 mg) fordert die Leitlinie eine Pausierung von 48 bis 65 Stunden.
Unter prophylaktischer Gabe von niedermolekularem Heparin (NMH) wird ein Abstand von mindestens 12 Stunden zur letzten Spritze empfohlen. Die nächste Gabe darf frühestens 4 Stunden nach der Entfernung erfolgen.
Eine routinemäßige Kontrolle ist laut Leitlinie bei Einhalten der Pausierungsintervalle nicht zwingend erforderlich. Bei Niereninsuffizienz oder therapeutischer Dosierung wird jedoch eine substanzspezifische Spiegelbestimmung (z. B. Anti-Xa-Aktivität) empfohlen.
Nach einer blutigen Punktion empfiehlt die Leitlinie, die Zeitintervalle bis zur niedrigdosierten Antikoagulation mit unfraktioniertem Heparin auf mindestens 2 Stunden zu verlängern. Eine Vollheparinisierung sollte frühestens nach 6 bis 12 Stunden erfolgen.
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Quelle: Rückenmarknahe Regionalanästhesien und Thromboembolieprophylaxe / antithrombotische Medikation (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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