Neonataler Schlaganfall: MRT, aEEG & Antikoagulation
Hintergrund
Der akute Schlaganfall beim Neugeborenen tritt innerhalb der ersten 28 Lebenstage auf. Er umfasst den arteriell ischämischen Schlaganfall, die zerebrale Sinusvenenthrombose (CSVT) und den hämorrhagischen Schlaganfall.
Die Inzidenz in der Neonatalperiode ist vergleichsweise hoch, wobei der arteriell ischämische Schlaganfall mit bis zu 80 Prozent die häufigste Form darstellt. Klinische Symptome sind oft unspezifisch, wobei fokal einsetzende Krampfanfälle das häufigste initiale Anzeichen sind.
Die Ätiologie ist meist multifaktoriell und schließt maternale, plazentare sowie kindliche Risikofaktoren ein. Eine frühzeitige Diagnosestellung ist entscheidend, um sekundäre Hirnschäden zu minimieren und die neurologische Langzeitentwicklung bestmöglich zu unterstützen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, bei Neugeborenen mit Schlaganfallverdacht eine CT-Untersuchung durchzuführen, da diese eine hohe Strahlenbelastung aufweist und kleine oder frühe Infarkte oft übersieht. Stattdessen wird betont, dass die MRT mit Diffusionswichtung den Goldstandard darstellt. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Krampfanfälle bei Neugeborenen häufig subklinisch verlaufen, weshalb ein kontinuierliches aEEG-Monitoring essenziell ist.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt als erste Maßnahme eine unverzügliche transfontanelläre Ultraschalluntersuchung mit Doppler. Zur genauen Diagnosesicherung und Differenzierung sollte anschließend eine MRT des Kopfes mit Diffusionswichtung durchgeführt werden.
Ein routinemäßiges Screening auf angeborene Gerinnungsstörungen wird laut Leitlinie nicht empfohlen. Es kann jedoch in Einzelfällen erwogen werden, beispielsweise bei nachgewiesenen Thromben oder einer positiven Familienanamnese.
Es wird empfohlen, eine CSVT in der Akutphase mit Heparin zu behandeln, sofern keine Kontraindikationen vorliegen. Bei Reifgeborenen ab 2,5 kg Körpergewicht kann im Verlauf eine Umstellung auf direkte orale Antikoagulanzien erwogen werden.
Die Leitlinie rät von einer lokalen oder systemischen Lyse in den meisten Fällen ab. Der Zeitpunkt des Gefäßverschlusses lässt sich perinatal meist nicht genau genug bestimmen, um ein sicheres Zeitfenster für diese Therapien zu definieren.
Es wird empfohlen, die Notwendigkeit der antikoagulatorischen Therapie nach 6 Wochen individuell zu überprüfen. Die Beurteilung sollte idealerweise in Zusammenarbeit mit einer pädiatrisch-hämostaseologischen Spezialsprechstunde erfolgen.
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Quelle: Schlaganfall und Sinus-Venen-Thrombose des Neugeborenen (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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