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Zerebrale Sinus- und Venenthrombose: Leitlinie (DGN/AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • CT- und MRT-Angiographie sind diagnostisch gleichwertig, MRT wird bei Jüngeren und Schwangeren bevorzugt.
  • D-Dimere eignen sich nicht zum routinemäßigen Ausschluss einer CVST.
  • In der Akutphase ist therapeutisches Heparin (bevorzugt NMH) indiziert, auch bei Vorliegen einer intrakraniellen Blutung.
  • In der Erhaltungstherapie (3-12 Monate) werden DOAK gegenüber Vitamin-K-Antagonisten bevorzugt.
  • Eine prophylaktische antiepileptische Therapie oder Steroidgabe wird nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die zerebrale Venen- und Sinusthrombose (CVST) erfordert eine rasche Diagnostik und konsequente Antikoagulation. Die aktuelle Leitlinie unterscheidet in der Behandlung zwischen Akutphase, Erhaltungstherapie und potenzieller Sekundärprophylaxe.

Diagnostik

Bei klinischem Verdacht auf eine CVST soll unverzüglich eine bildgebende Diagnostik erfolgen.

DiagnostikumStellenwert / EmpfehlungBemerkung
CT-Angiographie (CTA)Gleichwertig zur MRA bei SinusthrombosenSchnelle Verfügbarkeit
MR-Angiographie (MRA)Bevorzugt bei jüngeren Patienten und SchwangerenÜberlegen bei kortikalen Venenthrombosen, keine Strahlenbelastung
D-DimereNicht empfohlen zum routinemäßigen AusschlussGeringe Spezifität; normaler Wert schließt CVST nicht sicher aus

Ein generelles Thrombophilie- oder Tumor-Screening wird nicht empfohlen. Ein Thrombophilie-Screening kann bei jungen Patienten, spontaner CVST, Rezidivthrombose oder positiver Familienanamnese erwogen werden, wenn sich daraus therapeutische Konsequenzen ergeben.

Akuttherapie

Erwachsene Patienten sollen in der Akutphase mit Heparin in therapeutischer Dosis behandelt werden. Dies gilt unabhängig davon, ob bereits eine intrakranielle Blutung vorliegt.

MedikamentEmpfehlungIndikation / Ausnahme
NMH (Niedermolekulares Heparin)Bevorzugt in der AkutphaseBessere Wirksamkeit und weniger Blutungskomplikationen als UFH
UFH (Unfraktioniertes Heparin)AlternativeBei anstehender OP/Intervention oder schwerer Niereninsuffizienz
DOAKDerzeit nicht empfohlenDatenlage für die Akutphase (instabile Klinik) nicht ausreichend

Erhaltungstherapie und Sekundärprophylaxe

Nach klinischer Stabilisierung erfolgt die Umstellung auf eine orale Antikoagulation. Die Dauer sollte 3 bis 12 Monate betragen. Eine Verlängerung mit dem alleinigen Ziel einer weiteren Rekanalisation wird nicht empfohlen.

SubstanzklasseEmpfehlungBesonderheiten
DOAKBevorzugt gegenüber VKABesseres Sicherheitsprofil, geringeres Blutungsrisiko
VKA (Vitamin-K-Antagonisten)AlternativeBevorzugt bei Patienten mit triple-positivem Antiphospholipidsyndrom

Interventionelle und Operative Maßnahmen

  • Endovaskuläre Rekanalisation: Kann in Einzelfällen erwogen werden, wenn sich Patienten unter ausreichender Antikoagulation verschlechtern.
  • Operative Dekompression: Wird trotz geringer Evidenz bei Parenchymläsionen (Stauungsödem/Hämorrhagie) und drohender Einklemmung zur Verhinderung von Todesfällen empfohlen.

Begleitmedikation

  • Steroide: Sollen aufgrund prothrombotischer Wirkungen nicht gegeben werden (Ausnahme: Autoimmunerkrankungen wie M. Behçet oder SLE).
  • Antiepileptika: Nur nach stattgehabtem epileptischem Anfall indiziert. Keine prophylaktische Gabe.

Schwangerschaft und Kontrazeption

Eine frühere CVST stellt keine Kontraindikation für eine Schwangerschaft dar.

  • Akute CVST in Schwangerschaft/Wochenbett: Behandlung mit subkutanem NMH in Therapiedosis.
  • Prophylaxe: Frauen mit früherer CVST sollten in einer Folgeschwangerschaft/im Wochenbett eine NMH-Prophylaxe erhalten.
  • Kontrazeption: Verzicht auf kombinierte hormonelle Kontrazeptiva (Östrogen-Gestagen) bei früherer CVST.

💡Praxis-Tipp

Setzen Sie die therapeutische Heparinisierung (bevorzugt NMH) in der Akutphase auch dann fort oder leiten Sie diese ein, wenn in der Bildgebung bereits eine intrakranielle Stauungsblutung nachweisbar ist.

Häufig gestellte Fragen

Ja, eine therapeutische Antikoagulation ist in der Akutphase indiziert, unabhängig davon, ob bereits eine intrakranielle Blutung vorliegt.
Nein, eine D-Dimer-Testung wird zum Ausschluss einer CVST nicht empfohlen. Bei klinischem Verdacht muss eine Schnittbildgebung (CTA/MRA) erfolgen.
Die Erhaltungstherapie sollte in der Regel 3 bis 12 Monate betragen. Eine Verlängerung erfolgt nur bei erhöhtem Rezidivrisiko, nicht aber zur reinen Rekanalisation.
DOAKs sollten gegenüber Vitamin-K-Antagonisten (VKA) bevorzugt werden. Eine Ausnahme bilden Patienten mit triple-positivem Antiphospholipidsyndrom, hier sind VKA das Mittel der Wahl.
Nein, eine medikamentöse antiepileptische Behandlung sollte nur nach einem stattgehabten epileptischen Anfall gegeben werden.

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