Nekrotisierende Enterokolitis (NEK): Klinik & Therapie
Hintergrund
Die nekrotisierende Enterokolitis (NEK) ist eine entzündliche Erkrankung des Gastrointestinaltrakts, die fast ausschließlich Früh- und Neugeborene auf Intensivstationen betrifft. Die Inzidenz in Deutschland liegt bei etwa 2 bis 4 Prozent der operierten Fälle bei Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm.
Die Erkrankung ist multifaktoriell bedingt und mündet in eine Autoinflammation. Als Hauptrisikofaktoren gelten die Kombination aus intestinaler Unreife, mikrobieller Dysbiose und der Fütterung mit Formulanahrung.
Die Letalität der NEK ist mit international 15 bis 30 Prozent hoch. Da immer mehr sehr unreife Frühgeborene überleben, stellt die NEK weiterhin den häufigsten gastrointestinalen und kinderchirurgischen Notfall in dieser Patientengruppe dar.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass eine adäquate Schmerztherapie bei Verdacht auf eine nekrotisierende Enterokolitis zeitnah erfolgen sollte. Es wird ausdrücklich davor gewarnt, Analgetika aus Sorge vor einer möglichen Verschleierung der klinischen Symptomatik zurückzuhalten. Zudem wird hervorgehoben, dass die Kinderchirurgie bereits ab dem Stadium Bell II frühzeitig in die Evaluation eingebunden werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie gibt an, dass die Dauer der antibiotischen Therapie in der Regel 10 Tage beträgt. Bei einem negativen CRP-Wert unter 10 mg/l und dem Sistieren der Symptomatik kann die Therapie jedoch bereits nach 48 Stunden beendet werden.
Laut Leitlinie zeigen Monopräparate eher keinen protektiven Effekt, während Kombinationspräparate vielversprechend sind. Eine generelle Empfehlung wird aufgrund der Datenlage nicht ausgesprochen, der Einsatz kann aber in Risikokollektiven erwogen werden.
Zu den typischen frühen Zeichen im Röntgen-Abdomen gehören dilatierte und stehende Darmschlingen sowie verdickte Darmwände. Als nahezu beweisend für eine definitive NEK gilt der Nachweis einer Pneumatosis intestinalis.
Eine absolute Operationsindikation besteht laut Leitlinie bei einer Darmperforation, die sich radiologisch als Pneumoperitoneum zeigt. Relative Indikationen sind unter anderem ein Bauchwanderythem, portalvenöses Gas oder eine über 24 Stunden fixierte Darmschlinge.
Die Leitlinie betont, dass die Ernährung mit Muttermilch oder gespendeter Frauenmilch eine der wichtigsten präventiven Maßnahmen darstellt. Formulanahrung sollte in den ersten Lebenswochen bei sehr unreifen Frühgeborenen vermieden werden, da sie das NEK-Risiko erhöht.
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Quelle: Nekrotisierende Enterokolitis (NEK) (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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