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KRINKO (Commission for Hospital Hygiene)Infektiologie

Hygiene in der Neonatologie (<1500g): KRINKO-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf KRINKO (Commission for Hospital Hygiene) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das routinemäßige Tragen von Schutzkitteln beim Betreten der neonatologischen Intensivstation wird nicht empfohlen.
  • Für die Haut- und Schleimhautantiseptik bei extrem unreifen Frühgeborenen ist Octenidin (0,1 %) ohne Phenoxyethanol das Mittel der Wahl.
  • Polyvidon-Iod und Chlorhexidin sind für die Hautdesinfektion bei Frühgeborenen <1500 g kontraindiziert bzw. nicht empfohlen.
  • Die Känguru-Pflege erhöht das Infektionsrisiko nicht, erfordert aber eine strikte Händehygiene der Eltern vor dem Kontakt.
  • Die Innenseite eines belegten Inkubators darf nicht desinfiziert, sondern nur mit Wasser in Trinkwasserqualität gereinigt werden.
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Hintergrund

Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht <1500 g haben aufgrund zahlreicher invasiver Maßnahmen und eines unreifen Immunsystems ein stark erhöhtes Risiko für nosokomiale Infektionen (NI). Diese Infektionen verlängern die Liegedauer signifikant und erhöhen die Letalität.

KlassifikationAbkürzungGeburtsgewicht
UntergewichtigLBW< 2500 g
Sehr untergewichtigVLBW1000–1499 g
Extrem untergewichtigELBW< 1000 g

Risikofaktoren für nosokomiale Infektionen

Die Entstehung nosokomialer Infektionen wird durch verschiedene Faktoren begünstigt:

  • Exogene Faktoren: Intravaskuläre Katheter (NVK, NAK, PVK, PICC), parenterale Ernährung, maschinelle Beatmung, Magensonden und operative Eingriffe.
  • Endogene Faktoren: Erhöhte Hautpermeabilität, fehlende Darmmotilität, unreife zelluläre und humorale Immunität (z. B. verminderte T-Zell-Antwort, verzögerte Antikörperbildung).

Bauliche und strukturelle Anforderungen

  • Der Abstand zwischen den Inkubatoren von schwerstkranken Frühgeborenen muss aus infektionspräventiven Gründen mindestens 2 m betragen.
  • Isolierzimmer (z. B. für aerogen übertragbare Erkrankungen wie Varizellen) müssen vorhanden sein (Kategorie IB).
  • Wasser zur Pflege von Haut und Schleimhaut muss steril oder sterilfiltriert sein, falls die mikrobiologische Trinkwasserqualität nicht kontinuierlich gewährleistet ist (Kategorie IB).

Känguru-Pflege (Kangaroo-Mother-Care)

Die Känguru-Pflege hat positive Effekte auf die Entwicklung des Kindes und erhöht das Infektionsrisiko nicht.

  • Vor jedem Kontakt zum Kind müssen die Hände sorgfältig desinfiziert werden (Kategorie IA).
  • Eine antiseptische Behandlung der Haut der Eltern wird nicht empfohlen (Kategorie III).
  • Bei Atemwegsinfekten, Ekzemen, superinfizierten Verletzungen im Brustbereich oder Herpes labialis der Eltern darf keine Känguru-Pflege durchgeführt werden (Kategorie IB).
  • Die Handkontaktflächen der Liegestühle müssen nach jedem Gebrauch desinfiziert werden (Kategorie IB).

Allgemeine Hygienemaßnahmen

MaßnahmeEmpfehlungEvidenzgrad
HändehygieneKonsequente Umsetzung und regelmäßige Schulung des TeamsKategorie IA
StethoskopeJedem Frühgeborenen ein eigenes Stethoskop am Platz zuordnenKategorie IB
Schutzkittel (Routine)Routinemäßiges Tragen beim Betreten der Station ist nicht erforderlichKategorie IB
Schutzkittel (Indikation)Nur patientenbezogen bei bestimmten Erregern oder Pflege außerhalb des InkubatorsKategorie IA

Haut- und Schleimhautantiseptik

Die Wahl des Antiseptikums ist bei Frühgeborenen <1500 g aufgrund der Hautunreife und Resorptionsgefahr besonders kritisch:

WirkstoffBewertung und IndikationEmpfehlung
Octenidin (0,1 %) ohne PhenoxyethanolMittel der Wahl für Haut- und Schleimhautantiseptik. Geringstes toxikologisches Risiko.Kategorie II / IB
Polyvidon-Iod (10 %)Gefahr der systemischen Jodresorption. Primär kontraindiziert bei extrem unreifen Frühgeborenen.Kategorie IB
ChlorhexidinWirkungslücken, Gefahr von Verbrühungs-ähnlichen Reaktionen und Anaphylaxie. Nicht zur Hautdesinfektion empfohlen.Kategorie IB

Inkubator-Aufbereitung

  • Vor jeder Neubelegung ist eine vollständige Reinigung und Desinfektion erforderlich (Kategorie IB).
  • Mittel der Wahl zur Wischdesinfektion sind Sauerstoffabspalter (Kategorie IB).
  • Die patientenseitige Desinfektion eines belegten Inkubators ist nicht möglich, da das Kind geschädigt werden könnte. Die Reinigung der Innenseite erfolgt stattdessen mit Wasser in Trinkwasserqualität und einem frischen, keimarmen Tuch (Kategorie IB).
  • Außen gelegene Handkontaktflächen (inkl. Tastaturen) müssen arbeitstäglich wischdesinfiziert werden (Kategorie IB).

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Frühgeborenen <1500 g zwingend auf Polyvidon-Iod und Chlorhexidin zur Hautdesinfektion. Nutzen Sie stattdessen Octenidin (0,1 %) ohne Phenoxyethanol, um toxische Resorptionen und schwere Hautreaktionen zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Nein, das generelle Anlegen eines Schutzkittels beim Betreten der Station trägt nicht zur Vermeidung nosokomialer Infektionen bei und wird nicht empfohlen. Schutzkittel sind nur patientenbezogen bei bestimmten Erregern oder bei der Pflege außerhalb des Inkubators indiziert.
Octenidin (0,1 %) ohne den Zusatzstoff Phenoxyethanol ist das Mittel der Wahl für die Haut- und Schleimhautantiseptik, da es im Gegensatz zu PVP-Iod und Chlorhexidin das geringste toxikologische Risiko aufweist.
Nein. Wenn ein Elternteil einen Infekt der Luftwege hat, sollte keine Känguru-Pflege durchgeführt werden. Gleiches gilt bei Herpes labialis oder Hautverletzungen im Brustbereich.
Eine Desinfektion der Innenseite bei belegtem Inkubator ist nicht möglich. Die Reinigung darf nur mit Wasser in Trinkwasserqualität (oder sterilfiltriertem Wasser) und einem patientenbezogenen, frischen Tuch erfolgen.

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