IQWiG2019

Musiktherapie in der Onkologie: Nutzen und Indikation

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Eine Krebserkrankung und die damit verbundenen Behandlungen stellen für Betroffene oft ein existenziell bedrohliches Lebensereignis dar. Neben den körperlichen Beschwerden geht die Erkrankung häufig mit einer massiven Verminderung der Lebensqualität und starken psychischen Belastungen einher.

Der IQWiG-HTA-Bericht HT17-02 untersucht, ob eine begleitende Musiktherapie zu besseren Behandlungsergebnissen bei erwachsenen Krebspatienten beitragen kann. Die Musiktherapie wird dabei als psychotherapeutisch ausgerichtete Intervention definiert, die den gezielten Einsatz von Musik im Rahmen einer therapeutischen Beziehung umfasst.

Die Therapie kann rezeptiv (Musikhören) oder aktiv (Musikmachen) erfolgen und beinhaltet in der Regel die anschließende verbale Aufarbeitung des Erlebten. Im deutschen Gesundheitssystem ist die Musiktherapie im stationären und rehabilitativen Bereich verankert, gehört im ambulanten Sektor jedoch meist nicht zu den Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen.

Empfehlungen

Der Bericht fasst die Evidenz aus zehn randomisierten kontrollierten Studien zusammen und formuliert folgende Kernaussagen:

Kurzfristige psychische Effekte

Laut Bericht zeigen sich positive Effekte der Musiktherapie vor allem zeitnah nach den jeweiligen Therapiesitzungen. Für diese kurzfristigen Zeiträume liefert die Evidenz:

  • Einen Hinweis auf die Linderung von Stimmungsschwankungen.

  • Einen Anhaltspunkt für die Reduktion von Angst, Stress und Anspannung.

  • Einen Anhaltspunkt für die Besserung von Abgeschlagenheit (Fatigue) und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.

Klinische und langfristige Endpunkte

Für die meisten biologischen und klinischen Endpunkte lässt sich aus den Daten kein Nutzen der Musiktherapie ableiten. Dies betrifft unter anderem die Gesamtmortalität, das Schmerzempfinden und das Auftreten von Übelkeit.

Auch für anhaltende psychische Zustände wie eine klinische Depression fehlt laut Bericht eine befürwortende Evidenz. Im Verlauf über mehrere Sitzungen hinweg gibt es jedoch einen Anhaltspunkt für eine Reduktion krankheitsbezogener unerwünschter Ereignisse.

Vergleich mit anderen Begleittherapien

Wird die Musiktherapie mit anderen Interventionen wie der reinen Musikmedizin oder achtsamkeitsbasiertem Stressabbau verglichen, zeigen sich punktuelle Vorteile. Es ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen höheren kurzfristigen Nutzen bezüglich der Abgeschlagenheit und des subjektiven Wohlbefindens.

Evidenzlage im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die abgeleiteten Aussagesicherheiten für den Vergleich von Musiktherapie mit der Routineversorgung zusammen:

EndpunktAuswertungszeitpunktEvidenz für Nutzen (vs. Routineversorgung)
Angst und StressKurzfristigHinweis / Anhaltspunkt
StimmungsschwankungenKurzfristig / VerlaufHinweis / Anhaltspunkt
Abgeschlagenheit (Fatigue)Kurzfristig / VerlaufAnhaltspunkt
LebensqualitätKurzfristigAnhaltspunkt
Schmerz und ÜbelkeitKurzfristig / VerlaufKein Anhaltspunkt
GesamtmortalitätVerlaufKein Anhaltspunkt
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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut IQWiG-Bericht beschränkt sich die nachgewiesene Wirksamkeit der Musiktherapie in der Onkologie primär auf kurzfristige psychologische Effekte direkt nach den Sitzungen. Es wird betont, dass die Intervention zwingend eine therapeutische Beziehung erfordert und nicht mit dem reinen passiven Musikhören (Musikmedizin) gleichzusetzen ist. Für anhaltende psychiatrische Diagnosen wie eine klinische Depression liegt keine befürwortende Evidenz vor.

Häufig gestellte Fragen

Im ambulanten Bereich gehört die Musiktherapie laut Bericht in der Regel nicht zu den erstattungsfähigen Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Im stationären und rehabilitativen Setting sind die Kosten hingegen meist über Fallpauschalen (DRG) oder Rehabilitationskataloge abgedeckt.

Der IQWiG-Bericht konnte keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen der Musiktherapie in Bezug auf den Endpunkt Schmerz feststellen. Die nachgewiesenen positiven Effekte beschränken sich primär auf die psychische Begleitsymptomatik wie Angst oder Fatigue.

Die Musiktherapie erfordert laut Definition den gezielten Einsatz von Musik im Rahmen einer therapeutischen Beziehung durch ausgebildete Therapeuten. Die Musikmedizin umfasst hingegen lediglich die passive Rezeption von Musik mit gesundheitsbezogener Intention, ohne dass ein strukturierter therapeutischer Prozess stattfindet.

Die Intervention wird im Bericht als nicht invasiv und ethisch weitgehend unbedenklich eingestuft. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, die direkt durch die Therapie ausgelöst wurden, sind in den untersuchten Studien nicht belegt.

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Quelle: IQWiG HT17-02: Krebs: Kann eine begleitende Musiktherapie zu besseren Behandlungsergebnissen beitragen? (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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