MERS-CoV: Risikobewertung und Infektionsprävention
Hintergrund
Die WHO-Zusammenfassung (Stand November 2022) bietet ein globales Update zur Epidemiologie und Risikobewertung des Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV). Seit 2012 wurden weltweit 2600 laborbestätigte Fälle gemeldet, wovon 84 Prozent auf Saudi-Arabien entfallen.
Die Letalitätsrate liegt bei etwa 36 Prozent. Die Leitlinie betont, dass die COVID-19-Pandemie zu einem Rückgang der MERS-Testungen und -Fallmeldungen geführt hat, das zoonotische Übertragungsrisiko jedoch weiterhin unverändert besteht.
MERS-CoV zirkuliert weiterhin in Dromedar-Populationen im Nahen Osten und in Afrika. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung findet vor allem im Gesundheitswesen statt, wenn Maßnahmen zur Infektionsprävention unzureichend umgesetzt werden.
Empfehlungen
Diagnostik & Kontaktpersonennachverfolgung
Laut Leitlinie wird bei dokumentierter Mensch-zu-Mensch-Übertragung im medizinischen Bereich die Testung aller Kontaktpersonen empfohlen. Dies schließt medizinisches Personal, Mitpatienten sowie Haushalts- und Sozialkontakte ein, unabhängig vom Vorliegen von Symptomen.
Für die Diagnostik sollten bevorzugt Proben aus den tiefen Atemwegen entnommen werden. Zudem wird die routinemäßige Durchführung einer Ganzgenomsequenzierung bei Clustern oder zoonotischen Übertragungen empfohlen.
Infektionsprävention im Krankenhaus (IPC)
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit strikter Triage-Richtlinien zur schnellen Erkennung von MERS-CoV-Verdachtsfällen. Die erforderlichen Isolationsmaßnahmen richten sich nach der klinischen Situation und dem Verdachtsgrad:
| Klinische Situation | Empfohlene Schutzmaßnahmen |
|---|---|
| Akute Atemwegsinfektion (unklar) | Standardmaßnahmen, Tröpfchenschutz |
| Wahrscheinlicher/bestätigter MERS-Fall | Kontaktisolierung, Augenschutz |
| Aerosolgenerierende Prozeduren | Aerogene Schutzmaßnahmen (Airborne Precautions) |
Zudem wird eine spezifische Schulung des Reinigungspersonals für die Aufbereitung der Patientenzimmer empfohlen.
Prävention bei Risikogruppen
Personen mit hohem Risiko für schwere Verläufe (über 60 Jahre, Diabetes, Niereninsuffizienz, chronische Lungenerkrankungen oder Immunsuppression) sollten laut Leitlinie den Kontakt zu Dromedaren meiden.
Es wird dringend davon abgeraten, rohe Kamelmilch oder Kamelurin zu konsumieren. Ebenso sollte auf den Verzehr von nicht vollständig durchgegartem Kamelfleisch verzichtet werden.
Für Personen mit beruflicher Exposition (z. B. Kamelzüchter, Tierärzte, Schlachthofmitarbeiter) werden folgende Maßnahmen empfohlen:
-
Strikte Händehygiene vor und nach Tierkontakt
-
Tragen von Schutzkleidung und geeignetem Gesichtsschutz
-
Tägliches Waschen der Arbeitskleidung am Arbeitsplatz
Reise- und Handelsbeschränkungen
Die WHO empfiehlt kein spezielles Screening an Einreisepunkten (Points of Entry). Ebenso werden keine Reise- oder Handelsbeschränkungen in Bezug auf MERS-CoV empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, dass initiale MERS-CoV-Infektionen aufgrund milder oder unspezifischer Symptome leicht übersehen werden können. Es wird betont, dass nosokomiale Ausbrüche häufig durch unerkannte Indexpatienten in überfüllten Notaufnahmen entstehen. Daher ist eine sorgfältige Reise- und Expositionsanamnese bei unklaren Atemwegsinfektionen essenziell.
Häufig gestellte Fragen
Die Basisreproduktionszahl (R0) von MERS-CoV liegt laut Leitlinie insgesamt unter 1, was auf eine begrenzte Übertragbarkeit hindeutet. In medizinischen Einrichtungen kann der Wert jedoch über 1 steigen, wenn Isolations- und Hygienemaßnahmen unzureichend sind.
Die Leitlinie nennt Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Herzerkrankungen, chronische Niereninsuffizienz und Lungenerkrankungen als wesentliche Risikofaktoren. Über 70 Prozent der tödlich verlaufenden MERS-Fälle wiesen mindestens eine dieser Komorbiditäten auf.
Es wird empfohlen, alle Kontaktpersonen eines bestätigten Falles im Gesundheitswesen zu testen, unabhängig davon, ob sie Symptome zeigen. Dies umfasst das medizinische Personal, Mitpatienten sowie familiäre und soziale Kontakte.
Neben Standard- und Tröpfcheninfektionsmaßnahmen wird bei bestätigten Fällen eine Kontaktisolierung inklusive Augenschutz empfohlen. Bei aerosolgenerierenden Maßnahmen sind zwingend aerogene Schutzmaßnahmen (Airborne Precautions) anzuwenden.
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Quelle: Middle East respiratory syndrome: global summary and assessment of risk - 16 November 2022 (WHO, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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