CochraneIa2020

Lungenreifeinduktion: Indikation und RDS-Prophylaxe

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Atemnotsyndrom (RDS) ist eine schwerwiegende Komplikation bei Frühgeborenen und eine Hauptursache für die frühe neonatale Mortalität. Die Lungenreifung ist bei Babys, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, oft noch nicht abgeschlossen.

Um die fetale Lungenreifung zu beschleunigen, werden Frauen mit einem Risiko für eine Frühgeburt routinemäßig mit Kortikosteroiden behandelt. Diese entzündungshemmenden Medikamente passieren die Plazenta und fördern die Bildung von Surfactant.

Der vorliegende Cochrane-Review aus dem Jahr 2020 fasst die Evidenz aus 27 randomisierten kontrollierten Studien zusammen. Ziel war es, die Wirksamkeit und Sicherheit der pränatalen Kortikosteroidgabe für Mutter und Kind abschließend zu bewerten.

Empfehlungen

Der Cochrane-Review formuliert klare Ergebnisse zur Wirksamkeit einer einmaligen pränatalen Kortikosteroidgabe bei drohender Frühgeburt.

Neonatale Mortalität und Morbidität

Laut dem Review reduziert die pränatale Gabe von Kortikosteroiden signifikant die Risiken für das Neugeborene. Es wird eine deutliche Risikosenkung für folgende Endpunkte beschrieben:

  • Perinatale Mortalität (Evidenz von hoher Qualität)

  • Neonatale Mortalität (Evidenz von hoher Qualität)

  • Atemnotsyndrom (RDS) (Evidenz von hoher Qualität)

Zudem wird berichtet, dass die Behandlung wahrscheinlich das Risiko für intraventrikuläre Blutungen (IVH) sowie für kindliche Entwicklungsverzögerungen senkt (moderate Evidenzqualität).

Übersicht der klinischen Endpunkte

Die Meta-Analyse fasst die relativen Risiken (RR) der Kortikosteroidgabe im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung wie folgt zusammen:

Klinischer EndpunktRelatives Risiko (RR)Evidenzqualität
Perinatale Mortalität0,85Hoch
Neonatale Mortalität0,78Hoch
Atemnotsyndrom (RDS)0,71Hoch
Intraventrikuläre Blutung (IVH)0,58Moderat

Mütterliche Sicherheit

Die Leitlinie stellt fest, dass die Gabe von Kortikosteroiden für die Mutter als sicher einzustufen ist. Es zeigt sich wahrscheinlich kein relevanter Unterschied hinsichtlich folgender mütterlicher Risiken:

  • Mütterliche Mortalität

  • Chorioamnionitis (Amnioninfektionssyndrom)

  • Endometritis

Anwendung in der Praxis

Die Autoren des Reviews unterstützen den fortgesetzten Einsatz eines einzelnen Kortikosteroid-Zyklus bei Frauen mit einem Risiko für eine Frühgeburt. Diese Aussage gilt laut Review unabhängig vom Ressourcen-Setting des jeweiligen Gesundheitssystems.

Es wird betont, dass die Evidenz für Einlingsschwangerschaften sehr robust ist. Für spezifische Risikogruppen wie Mehrlingsschwangerschaften oder Frauen mit Diabetes mellitus wird jedoch weiterer Forschungsbedarf gesehen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein wichtiger Hinweis des Reviews ist, dass die pränatale Kortikosteroidgabe das Geburtsgewicht der Neugeborenen nicht negativ beeinflusst. Laut der Meta-Analyse gibt es hochqualitative Evidenz dafür, dass die Behandlung zu keinem relevanten Unterschied beim mittleren Geburtsgewicht führt. Dies entkräftet Bedenken hinsichtlich einer möglichen fetalen Wachstumsrestriktion durch einen einzelnen Behandlungszyklus.

Häufig gestellte Fragen

Ja, der Cochrane-Review belegt mit hoher Evidenzqualität, dass die pränatale Kortikosteroidgabe die perinatale und neonatale Mortalität signifikant senkt. Ebenso wird das Risiko für ein Atemnotsyndrom (RDS) deutlich reduziert.

Laut der Meta-Analyse gibt es wahrscheinlich keinen relevanten Unterschied beim Risiko für mütterliche Infektionen. Die Raten für Chorioamnionitis und Endometritis zeigten in den untersuchten Studien keine signifikante Erhöhung.

Der Review stellt fest, dass die Datenlage für Mehrlingsschwangerschaften bisher begrenzt ist. Es wird weiterer Forschungsbedarf gesehen, um die genaue Wirksamkeit und optimale Dosierung bei diesen Schwangerschaften zu klären.

Die aktuelle Evidenz deutet darauf hin, dass Kortikosteroide wahrscheinlich zu einer leichten Reduktion von Entwicklungsverzögerungen in der Kindheit führen. Es werden jedoch weitere Langzeitstudien bis ins Erwachsenenalter gefordert, um späte Effekte abschließend zu beurteilen.

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Quelle: Cochrane Review: Antenatal corticosteroids for accelerating fetal lung maturation for women at risk of preterm birth (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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