Lungenkrebsscreening (LDCT): Indikation und Empfehlung
Hintergrund
Der IQWiG-Rapid Report S23-02 aktualisiert die Nutzenbewertung des Lungenkrebsscreenings mittels Niedrigdosis-Computertomografie (Low-Dose-CT). Die Untersuchung richtet sich an aktive und ehemalige starke Raucher ohne Verdacht auf Lungenkrebs.
Im Vorgängerbericht S19-02 wurde bereits festgestellt, dass der Nutzen des Screenings den potenziellen Schaden überwiegt. Durch eine neue gesetzliche Verordnung wurden in Deutschland die Voraussetzungen für eine breitere Anwendung der Untersuchung geschaffen.
Die aktuelle Auswertung integriert neue Studiendaten, insbesondere aus den Studien UKLS und LUSI. Es wird systematisch untersucht, ob sich die bisherige Evidenzlage zur Mortalität, zu unerwünschten Ereignissen und zu Überdiagnosen durch die neuen Erkenntnisse verändert hat.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Kernaussagen zur Nutzen-Schaden-Abwägung des Low-Dose-CT-Screenings im Vergleich zu keinem Screening:
Mortalität
Laut Bericht liegt für die lungenkrebsspezifische Mortalität nun ein Beleg für einen Nutzen vor. Die Aussagesicherheit konnte aufgrund der neuen Datenlage von einem Hinweis zu einem Beleg heraufgestuft werden.
Für die Gesamtmortalität zeigt sich kein statistisch signifikanter Effekt, die Daten weisen jedoch in eine ähnliche Richtung. In der gemeinsamen Betrachtung beider Teilendpunkte ergibt sich ein Hinweis auf einen Nutzen für den Endpunkt Mortalität insgesamt.
Schäden und unerwünschte Ereignisse
Dem Nutzen stehen laut Auswertung potenzielle Schäden gegenüber. Der Bericht stellt folgende negative Effekte fest:
-
Beleg für einen Schaden durch Konsequenzen aus falsch-positiven Screeningbefunden (z. B. unnötige invasive Abklärungsdiagnostik)
-
Beleg für einen Schaden durch Überdiagnosen
-
Anhaltspunkt für einen Schaden bezüglich allgemeiner unerwünschter Ereignisse
Überdiagnosen im Detail
Das Überdiagnoserisiko wird im Bericht detailliert quantifiziert. Es wird betont, dass diese Überdiagnosen zu nicht erforderlichen und teils komplikationsbehafteten Prozeduren führen.
| Bezugsgröße | Medianes Überdiagnoserisiko |
|---|---|
| Bezogen auf alle zum Screening eingeladenen Personen | 0,7 % (7 von 1000 Personen) |
| Bezogen auf Personen mit Lungenkrebsdiagnose in der Screeningphase | 25,0 % |
Screening-Varianten (jährlich vs. 2-jährlich)
Zur Frage der optimalen Screeningintensität wurde ein jährliches mit einem 2-jährlichen Intervall verglichen.
Es ergab sich kein Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen oder Schaden einer der beiden Varianten. Die Evidenz reicht derzeit nicht aus, um ein spezifisches Intervall zu bevorzugen.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht betont das signifikante Risiko für falsch-positive Befunde und Überdiagnosen beim Low-Dose-CT-Screening. Es wird darauf hingewiesen, dass bei etwa 25 % der in der Screeningphase diagnostizierten Lungenkrebsfälle eine Überdiagnose vorliegt, die ohne das Screening zu Lebzeiten keine Beschwerden verursacht hätte. Dies ist ein wesentlicher Aspekt für die strukturierte Aufklärung von Risikopersonen.
Häufig gestellte Fragen
Die Auswertung bezieht sich auf aktive und ehemalige starke Raucher ohne Verdacht auf Lungenkrebs. Für diese Risikogruppe überwiegt laut IQWiG der Nutzen des Screenings den potenziellen Schaden.
Es gibt keinen statistisch signifikanten Beleg für eine Senkung der Gesamtmortalität. Die Daten zeigen jedoch einen Beleg für die Senkung der lungenkrebsspezifischen Mortalität, woraus der Bericht insgesamt einen Hinweis auf einen Überlebensnutzen ableitet.
Laut Bericht liegt das mediane Überdiagnoserisiko bei 7 von 1000 zum Screening eingeladenen Personen. Bezogen auf die tatsächlich diagnostizierten Lungenkrebsfälle in der Screeningphase beträgt der Anteil der Überdiagnosen etwa 25 %.
Der Bericht stellt fest, dass es keinen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen oder Schaden zwischen einem jährlichen und einem zweijährlichen Screening gibt. Die vorliegende Evidenz lässt keine eindeutige Bevorzugung eines bestimmten Intervalls zu.
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Quelle: IQWiG S23-02 : Bewertung des Lungenkrebs-Screenings mittels Niedrigdosis-Computertomographie (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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