S3-Leitlinie Melanom: Diagnostik & Therapie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Dermatoskopie durch geschulte Anwender wird zur Diagnostik pigmentierter und nicht-pigmentierter Hautveränderungen stark empfohlen (Empfehlungsgrad A).
- •Die aktuelle AJCC-Klassifikation (TNM-System) unter Berücksichtigung der Tumordicke nach Breslow ist Standard für die histopathologische Befundung.
- •Bei klinischem Verdacht auf ein Melanom soll primär eine komplette Exzision mit kleinem Sicherheitsabstand erfolgen.
- •Die definitiven Sicherheitsabstände betragen 1 cm bei einer Tumordicke ≤ 2 mm und 2 cm bei einer Tumordicke > 2 mm (Empfehlungsgrad A).
- •Eine Exzision bis ins subkutane Fettgewebe ist ausreichend; die Mitnahme der Faszie bringt keinen Überlebensvorteil (Empfehlungsgrad B).
Hintergrund
Das maligne Melanom der Haut weist die höchste Metastasierungsrate unter den Hauttumoren auf und ist für über 90 % der Sterbefälle an Hauttumoren verantwortlich. Während die Inzidenzraten in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen sind, zeigt sich bei den Mortalitätsraten eine relative Stabilisierung. Dies ist primär auf eine verbesserte Frühdiagnostik von prognostisch günstigeren Tumoren zurückzuführen.
Klassifikation
Die Stadieneinteilung und histopathologische Befundung des malignen Melanoms soll standardmäßig nach der aktuellen AJCC-Klassifikation erfolgen. Der wichtigste prognostische Faktor in den Primärstadien ist die Tumordicke nach Breslow.
| T-Klassifikation | Tumordicke | Ulzeration |
|---|---|---|
| Tis | In-situ-Melanom | Keine Angabe |
| T1 | ≤ 1,0 mm | a: ohne Ulzeration, b: mit Ulzeration |
| T2 | > 1,0 – 2,0 mm | a: ohne Ulzeration, b: mit Ulzeration |
| T3 | > 2,0 – 4,0 mm | a: ohne Ulzeration, b: mit Ulzeration |
| T4 | > 4,0 mm | a: ohne Ulzeration, b: mit Ulzeration |
Klinische Diagnostik
Die Ganzkörperuntersuchung umfasst die komplette Inspektion des Integuments, der einsehbaren Schleimhäute sowie die Palpation der Lymphknotenstationen.
- Dermatoskopie: Dermatologen sollen zur Diagnostik die Dermatoskopie anbieten und darin ausgebildet sein (Empfehlungsgrad A). Sie erhöht die diagnostische Genauigkeit signifikant gegenüber der bloßen Inspektion.
- Sequenzielle digitale Dermatoskopie (SDD): Diese sollte zur Verlaufskontrolle eingesetzt werden, um Melanome ohne spezifische Malignitätskriterien frühzeitig zu erkennen (Empfehlungsgrad B).
- Konfokale Laserscanningmikroskopie (CLSM): Kann die Unterscheidung zwischen Melanomen und anderen Läsionen verbessern und die Rate unnötiger Operationen reduzieren.
Primärexzision und Sicherheitsabstände
Bei klinischem Verdacht auf ein malignes Melanom soll dieses primär mit kleinem Sicherheitsabstand (ca. 2 mm) komplett exzidiert werden. Eine Flachexzision wird nicht empfohlen, da sie die histologische Beurteilung der lateralen Schnittränder und der Tumorbasis erschwert.
Für die definitive kurative Therapie soll eine radikale Exzision mit definierten Sicherheitsabständen zum Tumorrand erfolgen (Empfehlungsgrad A):
| Tumordicke nach Breslow | Empfohlener Sicherheitsabstand |
|---|---|
| ≤ 1,0 – 2,0 mm (pT1, pT2) | 1 cm |
| > 2,0 – 4,0 mm und > 4,0 mm (pT3, pT4) | 2 cm |
Die Exzision sollte bis ins subkutane Fettgewebe erfolgen. Eine Resektion der Faszie bringt keine zusätzlichen Vorteile für das Überleben oder die Rezidivrate (Empfehlungsgrad B). Abweichende Sicherheitsabstände können in speziellen anatomischen Lokalisationen (z. B. Gesicht) in Absprache mit dem Patienten gewählt werden.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei Verdacht auf ein Melanom auf Flachexzisionen (Shave-Biopsien), da diese die exakte Bestimmung der Tumordicke nach Breslow und die Beurteilung der Schnittränder unmöglich machen können.