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Leitlinienprogramm Onkologie (DKG/AWMF/Deutsche Krebshilfe)2024OnkologieDermatologie

S3-Leitlinie Melanom: Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Leitlinienprogramm Onkologie (DKG/AWMF/Deutsche Krebshilfe) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Dermatoskopie durch geschulte Anwender wird zur Diagnostik pigmentierter und nicht-pigmentierter Hautveränderungen stark empfohlen (Empfehlungsgrad A).
  • Die aktuelle AJCC-Klassifikation (TNM-System) unter Berücksichtigung der Tumordicke nach Breslow ist Standard für die histopathologische Befundung.
  • Bei klinischem Verdacht auf ein Melanom soll primär eine komplette Exzision mit kleinem Sicherheitsabstand erfolgen.
  • Die definitiven Sicherheitsabstände betragen 1 cm bei einer Tumordicke ≤ 2 mm und 2 cm bei einer Tumordicke > 2 mm (Empfehlungsgrad A).
  • Eine Exzision bis ins subkutane Fettgewebe ist ausreichend; die Mitnahme der Faszie bringt keinen Überlebensvorteil (Empfehlungsgrad B).
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Hintergrund

Das maligne Melanom der Haut weist die höchste Metastasierungsrate unter den Hauttumoren auf und ist für über 90 % der Sterbefälle an Hauttumoren verantwortlich. Während die Inzidenzraten in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen sind, zeigt sich bei den Mortalitätsraten eine relative Stabilisierung. Dies ist primär auf eine verbesserte Frühdiagnostik von prognostisch günstigeren Tumoren zurückzuführen.

Klassifikation

Die Stadieneinteilung und histopathologische Befundung des malignen Melanoms soll standardmäßig nach der aktuellen AJCC-Klassifikation erfolgen. Der wichtigste prognostische Faktor in den Primärstadien ist die Tumordicke nach Breslow.

T-KlassifikationTumordickeUlzeration
TisIn-situ-MelanomKeine Angabe
T1≤ 1,0 mma: ohne Ulzeration, b: mit Ulzeration
T2> 1,0 – 2,0 mma: ohne Ulzeration, b: mit Ulzeration
T3> 2,0 – 4,0 mma: ohne Ulzeration, b: mit Ulzeration
T4> 4,0 mma: ohne Ulzeration, b: mit Ulzeration

Klinische Diagnostik

Die Ganzkörperuntersuchung umfasst die komplette Inspektion des Integuments, der einsehbaren Schleimhäute sowie die Palpation der Lymphknotenstationen.

  • Dermatoskopie: Dermatologen sollen zur Diagnostik die Dermatoskopie anbieten und darin ausgebildet sein (Empfehlungsgrad A). Sie erhöht die diagnostische Genauigkeit signifikant gegenüber der bloßen Inspektion.
  • Sequenzielle digitale Dermatoskopie (SDD): Diese sollte zur Verlaufskontrolle eingesetzt werden, um Melanome ohne spezifische Malignitätskriterien frühzeitig zu erkennen (Empfehlungsgrad B).
  • Konfokale Laserscanningmikroskopie (CLSM): Kann die Unterscheidung zwischen Melanomen und anderen Läsionen verbessern und die Rate unnötiger Operationen reduzieren.

Primärexzision und Sicherheitsabstände

Bei klinischem Verdacht auf ein malignes Melanom soll dieses primär mit kleinem Sicherheitsabstand (ca. 2 mm) komplett exzidiert werden. Eine Flachexzision wird nicht empfohlen, da sie die histologische Beurteilung der lateralen Schnittränder und der Tumorbasis erschwert.

Für die definitive kurative Therapie soll eine radikale Exzision mit definierten Sicherheitsabständen zum Tumorrand erfolgen (Empfehlungsgrad A):

Tumordicke nach BreslowEmpfohlener Sicherheitsabstand
≤ 1,0 – 2,0 mm (pT1, pT2)1 cm
> 2,0 – 4,0 mm und > 4,0 mm (pT3, pT4)2 cm

Die Exzision sollte bis ins subkutane Fettgewebe erfolgen. Eine Resektion der Faszie bringt keine zusätzlichen Vorteile für das Überleben oder die Rezidivrate (Empfehlungsgrad B). Abweichende Sicherheitsabstände können in speziellen anatomischen Lokalisationen (z. B. Gesicht) in Absprache mit dem Patienten gewählt werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Verdacht auf ein Melanom auf Flachexzisionen (Shave-Biopsien), da diese die exakte Bestimmung der Tumordicke nach Breslow und die Beurteilung der Schnittränder unmöglich machen können.

Häufig gestellte Fragen

Gemäß Leitlinie wird bei einer Tumordicke von 1 bis 2 mm (pT1, pT2) ein Sicherheitsabstand von 1 cm empfohlen.
Nein, eine Exzision bis ins subkutane Fettgewebe ist ausreichend. Die Resektion der Faszie bringt keine zusätzlichen Vorteile.
Ja, die Dermatoskopie erhöht die diagnostische Genauigkeit signifikant, setzt jedoch eine entsprechende Schulung des Untersuchers voraus.
Es soll eine komplette Exzision mit kleinem Sicherheitsabstand (ca. 2 mm) bis ins Fettgewebe erfolgen, um den Gesamttumor histologisch beurteilen zu können.

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