Hautkrebsprävention: S3-Leitlinie (AWMF/DKG)
📋Auf einen Blick
- •UV-Strahlung (sowohl solar als auch künstlich aus Solarien) ist der bedeutsamste Risikofaktor für Hautkrebs und als Karzinogen der Klasse 1 eingestuft.
- •Präventive Maßnahmen werden in primordiale, primäre, sekundäre, tertiäre und quartäre Prävention unterteilt.
- •UVB-Strahlung verursacht direkte DNA-Schäden (z.B. CPDs), während UVA-Strahlung auch indirekt über reaktive Sauerstoffspezies wirkt.
- •Basalzellkarzinome (BZK) werden durch kumulative UV-Dosen, intermittierende Sonnenbrände in der Kindheit sowie genetische Faktoren (z.B. NBZK-Syndrom) begünstigt.
Hintergrund
Die Prävention von Hautkrebs zielt darauf ab, die Inzidenz, Morbidität und Mortalität der Erkrankung zu senken. Präventive Maßnahmen lassen sich entlang des Krankheitsverlaufs in verschiedene Phasen unterteilen:
| Präventionsart | Zielgruppe | Zielsetzung |
|---|---|---|
| Primordiale Prävention | Gesunde Bevölkerung | Verhinderung der Entstehung von gesellschaftlichen Risikofaktoren |
| Primäre Prävention | Gesunde Menschen / Populationen | Verhinderung des Neuauftretens einer Erkrankung (Inzidenzsenkung) |
| Sekundäre Prävention | Personen ohne Symptome | Entdeckung von Anfangsstadien (z.B. durch Screening) zur Frühbehandlung |
| Tertiäre Prävention | Erkrankte Personen | Vermeidung oder Linderung von Funktionseinbußen und Folgeschäden |
| Quartäre Prävention | Personen mit Beschwerden (ohne medizinischen Befund) | Vermeidung unnötiger medizinischer Interventionen (Übermedikalisierung) |
Ätiologie und UV-Strahlung
UV-Strahlung gilt als der bedeutsamste Risikofaktor in der Ätiologie von Hautkrebs. Die International Agency for Research on Cancer (IARC) stuft solare und künstliche UV-Strahlung (z.B. aus Solarien) als Karzinogen der Klasse 1 ein.
Die biologische Wirkung der UV-Strahlung beruht maßgeblich auf der Absorption von UV-Photonen durch Nukleinsäuren, was zu DNA-Schäden führt:
| Strahlungsart | Wellenlänge | Biologischer Mechanismus |
|---|---|---|
| UVC | 100-200 nm | Wird von molekularem Sauerstoff in der Stratosphäre absorbiert (keine biologische Wirkung auf der Erde) |
| UVB | 200-315 nm | Direkte Absorption durch DNA; führt zu Dimerisierungsreaktionen (z.B. CPDs) und UV-Signatur-Mutationen |
| UVA | 315-400 nm | Indirekte Wirkung über reaktive Sauerstoffspezies (ROS) und oxidative Basenschäden; kann ebenfalls CPDs erzeugen |
Wenn zelluläre Reparatursysteme (wie die Nukleotid-Exzisionsreparatur) defekt sind, kommt es zu Mutationen im Genom, die mit der Entstehung von Basalzellkarzinomen (BZK), Plattenepithelkarzinomen (PEK) und malignen Melanomen (MM) assoziiert sind.
Basalzellkarzinom (BZK)
Das Basalzellkarzinom ist der weltweit häufigste Hautkrebs. Die Entstehung wird durch folgende Faktoren begünstigt:
- Kumulative UV-Dosis: Führt häufig zu Tumoren auf sogenannten Sonnenterrassen (z.B. Nase, Stirn).
- Intermittierende UV-Exposition: Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend sind mitverantwortlich für BZK an sonnengeschützten Körperpartien (z.B. Oberkörper).
- Genetische Determinierung: Patienten mit naevoidem Basalzellkarzinom-Syndrom (NBZK) entwickeln oft schon im frühen Alter multiple BZK.
💡Praxis-Tipp
Klären Sie Patienten darüber auf, dass nicht nur die kumulative Lebenszeit-UV-Dosis, sondern auch intermittierende Sonnenbrände (besonders in der Kindheit) das Risiko für Basalzellkarzinome signifikant erhöhen.