Furosemid bei Kindern: Dosierung laut Kinderformularium
Hintergrund
Das Kinderformularium bietet eine detaillierte Monographie zur pädiatrischen Anwendung von Furosemid. Furosemid ist ein starkes, kurz und schnell wirkendes Schleifendiuretikum.
Der Wirkstoff hemmt im aufsteigenden Teil der Henle-Schleife die Rückresorption von Ionen über eine Blockierung der Na+/2Cl-/K+-Carrier. Dies führt zu einer verstärkten Harnausscheidung sowie zu einer erhöhten Ausscheidung von Kalium-, Calcium- und Magnesium-Ionen.
Zusätzlich entfaltet Furosemid eine blutdrucksenkende Wirkung. Diese resultiert aus der gesteigerten Natriumchloridausscheidung, einer verminderten Ansprechbarkeit der Gefäßmuskulatur auf vasokonstriktorische Reize und einer Abnahme des Blutvolumens.
Empfehlungen
Die Monographie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Anwendung bei Kindern:
Indikationen und Zulassungsstatus
Laut Leitlinie wird Furosemid bei Flüssigkeitsretention, Ödemen und arterieller Hypertonie eingesetzt.
Es wird darauf hingewiesen, dass die orale Anwendung bei Frühgeborenen und Kindern unter 2 Jahren ein Off-Label-Use ist. Auch die intravenöse Gabe bei Säuglingen unter 1 Monat erfolgt zulassungsüberschreitend.
Die Monographie betont, dass Furosemid bei Säuglingen und Kindern unter 15 Jahren parenteral nur ausnahmsweise bei bedrohlichen Zuständen gegeben werden sollte.
Anwendungshinweise
Für die orale Therapie wird empfohlen, die Einnahme vor 17:00 Uhr einzuplanen. Dadurch soll eine störende nächtliche Diurese-Spitze vermieden werden.
Für die intravenöse Applikation definiert die Leitlinie strikte Vorgaben zur Injektionsgeschwindigkeit:
-
Dosen unter 2 mg/kg: langsame intravenöse Injektion über 5 Minuten
-
Dosen über 2 mg/kg: Infusion über 30 bis 60 Minuten
-
Maximale Injektionsgeschwindigkeit: 0,4 ml (4 mg Furosemid) pro Minute
-
Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz: maximal 2,5 mg Furosemid pro Minute
Nierenfunktionsstörungen
Bei Kindern über 3 Monaten mit einer glomerulären Filtrationsrate (GFR) über 30 ml/min/1.73 m2 ist laut Leitlinie keine Dosisanpassung erforderlich.
Liegt die GFR zwischen 10 und 30 ml/min/1.73 m2, wird empfohlen, mit der normalen Dosis zu beginnen und diese je nach Wirkung zu steigern. Bei Dialysepatienten wird mit der Standard-Initialdosis begonnen.
Dosierung
Flüssigkeitsretention und Ödeme (Oral)
| Altersgruppe | Dosierung | Maximaldosis | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Früh- und Neugeborene | 0,5 - 1 mg/kg/Dosis bei Bedarf | 2 mg/kg/Tag | Off-Label-Use |
| 1 Monat bis 18 Jahre | 1 - 4 mg/kg/Tag in 2-4 Dosen | 12 mg/kg/Tag (bei Niereninsuffizienz) | Einnahme vor 17:00 Uhr |
Flüssigkeitsretention und Ödeme (Intravenös)
| Altersgruppe | Dosierung | Maximaldosis | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Frühgeborene (< 37 SSW) | 0,05 - 2 mg/kg/Tag (Dauerinfusion) oder 0,5 - 1 mg/kg/Dosis (intermittierend) | 2 mg/kg/Tag | Off-Label-Use |
| Neugeborene | 0,05 - 2 mg/kg/Tag (Dauerinfusion) oder 0,5 - 1 mg/kg/Dosis (intermittierend) | 5 mg/kg/Tag (max. 12 mg/kg/Tag bei Therapieresistenz) | Off-Label-Use |
| 1 Monat bis 18 Jahre | 1 - 2 mg/kg/Dosis bei Bedarf oder 2 - 4 mg/kg/Tag (Dauerinfusion) | 4 mg/kg/Dosis bzw. 12 mg/kg/Tag (bei Therapieresistenz) | - |
Arterielle Hypertonie (Oral)
| Altersgruppe | Dosierung | Maximaldosis | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| 1 Monat bis 18 Jahre | 0,5 - 2 mg/kg/Tag in 1-2 Dosen | 6 mg/kg/Tag | < 2 Jahre: Off-Label-Use |
Kontraindikationen
Die Monographie listet folgende absolute Kontraindikationen auf:
-
Überempfindlichkeit gegen Furosemid oder andere Sulfonamide
-
Nierenversagen mit Anurie, das auf eine Furosemidtherapie nicht anspricht
-
Coma und Praecoma hepaticum im Zusammenhang mit einer hepatischen Enzephalopathie
-
Schwere Hypokaliämie oder schwere Hyponatriämie
-
Hypovolämie oder Dehydratation
Spezifische Warnhinweise für die Pädiatrie
Die Leitlinie warnt davor, Neugeborenen eine Erhaltungstherapie zu verabreichen, da das Risiko einer Hyperkalziurie besteht. Eine Ausnahme bilden kardiologische Indikationen.
Bei Frühgeborenen wird auf das Risiko von Nephrokalzinose und Nierensteinen hingewiesen. Es wird eine regelmäßige Überwachung der Nierenfunktion sowie die Durchführung eines Nierenultraschalls empfohlen.
Zudem besteht laut Monographie für Frühgeborene mit Atemnotsyndrom (RDS) ein erhöhtes Risiko für einen persistierenden Ductus arteriosus Botalli, wenn sie in den ersten Lebenswochen mit Furosemid behandelt werden.
💡Praxis-Tipp
Laut der Monographie ist die intravenöse Furosemid-Lösung stark alkalisch und darf nicht mit sauren Lösungen gemischt werden, da der Wirkstoff sonst ausfällt. Es wird dringend empfohlen, für eine Dauerinfusion einen separaten venösen Zugang zu verwenden und das Medikament nicht mit der standardmäßigen Intensivmedikation zu mischen. Zudem wird bei Kindern zu einem niedrig dosierten Behandlungsbeginn geraten, um eine abrupte Diurese mit hypovolämischem Kreislaufversagen zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Die Monographie empfiehlt bei Dosen unter 2 mg/kg eine langsame Injektion über 5 Minuten. Bei höheren Dosen sollte eine Infusion über 30 bis 60 Minuten erfolgen, wobei eine maximale Geschwindigkeit von 4 mg pro Minute nicht überschritten werden darf.
Laut Kinderformularium erfolgt die Anwendung bei Früh- und Neugeborenen sowohl oral als auch intravenös im Off-Label-Use. Eine Erhaltungstherapie sollte bei Neugeborenen aufgrund der Gefahr einer Hyperkalziurie vermieden werden, es sei denn, es liegt eine kardiologische Indikation vor.
Die Leitlinie warnt bei Frühgeborenen vor der Entwicklung einer Nephrokalzinose und Nierensteinen. Es wird daher eine regelmäßige Überwachung der Nierenfunktion mittels Ultraschall empfohlen.
Es wird empfohlen, die orale Dosis vor 17:00 Uhr zu verabreichen. Dadurch soll laut Monographie eine störende nächtliche Diurese-Spitze vermieden werden.
Bei einer glomerulären Filtrationsrate (GFR) über 30 ml/min/1.73 m2 ist laut Leitlinie keine Dosisanpassung erforderlich. Bei einer GFR zwischen 10 und 30 ml/min/1.73 m2 wird empfohlen, mit der normalen Dosis zu beginnen und diese nach Wirkung zu steigern.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Kinderformularium: Furosemid - Pädiatrische Dosierung (Kinderformularium, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt. Vor jeder Anwendung oder Verschreibung muss die aktuelle Fachinformation konsultiert werden.